Der Handschlag in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ wird medial oft als ein sichtbares Zeichen für eine Einigung gewertet. In der Realität ist das medienwirksame Versprechen jedoch häufig nur der Auftakt für eine detaillierte Prüfung. Dessen Ergebnis bekommt das Fernsehpublikum selten zu sehen.

Ein aktuelles Beispiel liefert das Reise-Startup Blookery: Trotz einer in der Sendung genannten Summe von 500.000 Euro und eines vereinbarten Deals mit Investor Johannes Kliesch kam nach der Aufzeichnung kein klassischer Equity-Deal zustande.

Die Entwicklungen rund um Blookery zeigen die Komplexität von Startup-Finanzierungen abseits der TV-Bühne.

Deal in der Show, Absage danach: Die Hintergründe bei Blookery

Das 2016 gegründete Unternehmen Blookery wurde von Jannis Jäger und Kevin Kiesewetter ins Leben gerufen. Blookery bietet Überraschungsreisen für Städtetrips in Europa an. Kunden geben Eckdaten wie Personenzahl, Budget und Ausschlussstädte an.

Das Reiseziel bleibt bis kurz vor Abreise geheim. Die Enthüllung erfolgt etwa via Countdown in der App, per Rubbellos oder nach der Buchung. Es gibt Optionen für Flug und Hotel oder nur Hotel (eigene Anreise, auch in Deutschland).

Sitz des Unternehmens ist Monheim am Rhein.

Vor der Sendung nannte Blookery folgende Kennzahlen: über 40.000 „Abenteurer“, rund eine Million Euro Umsatz und 160.000 Euro Gewinn im Jahr vor der Ausstrahlung. In der Sendung boten die Gründer 500.000 Euro für zwölf Prozent Firmenanteile an. Dies entspricht einer impliziten Bewertung von rund 4,2 Millionen Euro.

Die Gründer nannten Performance-Marketing und Skalierung als gewünschte Unterstützung durch einen Investor.

Investor Johannes Kliesch sagte in der Sendung einen Deal zu. Im Ergebnis des Pitches wurde ein Anteil von 40 Prozent genannt. Dieses Angebot wich von der ursprünglichen Vorstellung der Gründer ab und wurde vor laufender Kamera akzeptiert. Nach den Dreharbeiten kam der Deal jedoch nicht zustande.

Gründer Kevin Kiesewetter erklärte später: „Wir sind uns anders einig geworden.“ Die Gründer gaben an, ein derart großes Investment sei nach genauerer Prüfung der Unternehmenszahlen kurzfristig nicht notwendig gewesen.

Die Bedeutung der Due Diligence

Der Fall Blookery ist kein Einzelfall. Die Quote der geplatzten Deals bei „Die Höhle der Löwen“ liegt historisch bei etwa 40 Prozent. Ein Handschlag in der Show ist eine Absichtserklärung, jedoch kein rechtskräftiger Vertrag.

Die Zeit nach der Aufzeichnung dient der detaillierten Prüfung des Startups – der sogenannten Due Diligence. Investoren prüfen dabei Zahlen, Verträge, IP-Rechte und Marktpotenziale. Abweichende Ergebnisse, Uneinigkeit über die Unternehmensbewertung oder andere Konditionen führen regelmäßig zum Scheitern einer Investition.

Im Fall von Blookery spielte eine von den Gründern prognostizierte Umsatzentwicklung eine Rolle. In der Sendung nannten die Gründer für den deutschen Markt eine mögliche Umsatzgröße von fünf Millionen Euro, angelehnt an die Blind-Booking-Sparte von Eurowings. Laut Kevin Kiesewetter sei die Herleitung dieser Prognose nicht in der Ausstrahlung gezeigt worden.

Investoren wie Judith Williams und Carsten Maschmeyer äußerten daraufhin Kritik. Judith Williams wird in diesem Zusammenhang mit den Worten zitiert: „Wenn du nicht an das Produkt glaubst, dass du mehr als fünf Millionen Umsatz machen kannst, wie soll ich das?“ Carsten Maschmeyer äußerte, die Marktgröße reiche nicht aus, und lehnte ebenfalls ab.

Alternative zur Kapitalbeteiligung: Die „Partnerschaft light“

Nach dem geplatzten Equity-Deal vereinbarten Blookery und Johannes Kliesch eine Form der Zusammenarbeit, die als „Partnerschaft light“ beschrieben wird. Kliesch unterstützt das Startup weiterhin operativ. Dies betrifft etwa die Kostenreduktion mit Zahlungsdienstleistern, Marketinganalysen und Optimierungen in den Bereichen Performance-Ads, E-Mail-Marketing sowie Influencer-Marketing.

Dieses Modell wird in Recherchen als Alternative zu einem reinen Kapitalinvestment dargestellt. Es spiegelt einen Fokus auf operative Unterstützung und Netzwerk wider, statt auf direkte Kapitalbeteiligung.

Die TV-Präsenz bei DHDL sorgte überdies für zusätzliche Sichtbarkeit. Vor der Ausstrahlung hatte das Unternehmen über 2.000 Fünf-Sterne-Bewertungen auf Plattformen wie Trustpilot und Google gesammelt. Solche Effekte werden in der Berichterstattung häufig als „DHDL-Effekt“ bezeichnet.

Ausblick auf die Marktentwicklung und weitere Schritte

Der Blookery-Fall unterstreicht für Gründer die Bedeutung einer präzisen und realistischen Unternehmensbewertung sowie einer kritischen Prüfung von Deal-Konditionen und des Investoren-Fits. Für Investoren bestätigt er die Relevanz einer fundierten Due Diligence. Die beschriebene „Partnerschaft light“ gilt in den Quellen als ein mögliches alternatives Modell zur klassischen Equity-Beteiligung.

Hierbei spielen operatives Know-how und strategische Beratung eine größere Rolle.

Die DHDL-Folge mit Blookery ist für den 28. September 2026, 20:15 Uhr auf VOX terminiert. Die Folge ist online ab dem 21. September 2026 verfügbar. Marktbeobachter werden verfolgen, inwiefern die mediale Präsenz und die operative Unterstützung die Geschäftsentwicklung von Blookery auch ohne direkte Kapitalbeteiligung beeinflussen werden.