Neuer Software-Fehler bremst Boeing 737 MAX 10 Zulassung
Ein neu entdeckter Software-Fehler verzögert die Zulassung der 737 MAX 10 von Boeing. Die US-Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA hat die Zertifizierung des größten Modells der MAX-Familie vorerst ausgesetzt. Das Problem betrifft die automatisierte vertikale Navigation (VNAV) bei bestimmten Landemanövern. Dies erhöht den Druck auf Boeings Zeitplan und seine Position im Wettbewerb mit Airbus.
Verzögerung durch Systemausfall
Die Software-Schwachstelle betrifft die automatisierte vertikale Navigation (VNAV) der Boeing 737 MAX. Nach einem abgebrochenen Landeversuch, einem sogenannten Go-Around, könnte das System bei nachfolgenden Anflügen vorübergehend nicht zur Verfügung stehen. In solchen Fällen steht den Piloten eine niedrigere Automatisierungsstufe zur Verfügung.
Boeing betont, dass Piloten für Landungen auch ohne diese Automatisierung ausgebildet sind. Das System lässt sich zudem mit einer Reihe von Schritten wieder aktivieren. Die FAA prüft derzeit, ob die Softwarelücke ein inakzeptables Sicherheitsrisiko darstellt. Die Behörde erklärte zugleich, Piloten würden die Kontrolle behalten, was den Fall von früheren MAX-Unfällen unterscheide.
Boeing wurde im November 2024 erstmals auf den Fehler hingewiesen, der auf ein früheres Software-Update zurückgeht. Im August 2026 informierte Boeing alle 737-Betreiber über das Problem. Die kleinere 737 MAX 7 wurde nach Angaben des Herstellers bereits mit der potenziell betroffenen Software zertifiziert. Boeing arbeitet an einem Software-Update zur dauerhaften Behebung des Fehlers.
Auswirkungen auf Zertifizierung und Konzern
Die FAA hatte die Zertifizierung der 737 MAX 10 ursprünglich in den kommenden Wochen erwartet. Sie setzte den Prozess jedoch vorläufig aus, bis das Problem bewertet und behoben ist. Ein genauer Zeitplan für die Freigabe ist derzeit nicht bekannt. Sollten weitere Korrekturen notwendig werden, könnte sich das Zertifizierungsverfahren um mehrere Monate verlängern.
Die Verzögerung trifft Boeing in einer Phase mit anhaltendem Druck. Das Unternehmen ringt mit den Folgen der tödlichen Abstürze der 737 MAX in den Jahren 2018 und 2019 sowie mit Qualitätsproblemen Anfang 2024. Die MAX 10 gilt als wichtig für Boeing im Wettbewerb mit Airbus.
Bestellungen für das Modell machen nach verfügbaren Angaben rund 30 Prozent des noch abzuarbeitenden Boeing-Auftragsbestands aus. Die 737 MAX 10 bietet Platz für bis zu 230 Sitze.
Marktreaktion und Kundenforderungen
Die Nachricht über den Software-Fehler und die daraus resultierende Zulassungsunsicherheit führte zu Reaktionen an den Märkten. Die Boeing-Aktie schloss am 28. September mit einem Minus von 6,9 Prozent. Seit Jahresanfang verzeichnete der Kurs ein Minus von 12,6 Prozent.
Fluggesellschaften wie Southwest Airlines und United Airlines baten Boeing, Lieferungen von 737-Maschinen mit der betroffenen Software zu pausieren. WestJet, das die betroffene Software in seiner 737 MAX-Flotte einsetzt, erklärte, bislang keine betrieblichen Probleme festgestellt zu haben. Das Unternehmen stuft das Problem nicht als Sicherheitsrisiko ein.
Boeing sah sich zudem Berichten ausgesetzt, die sein Qualitätsmanagement nach einem Vorfall im Januar 2024 infrage stellten. Bei diesem löste sich an einer 737 MAX 9 von Alaska Airlines kurz nach dem Start ein Teil.
Ausblick auf die kommenden Monate
Die weiteren Schritte hängen von der Bewertung des Problems durch die FAA ab. Die Behörde plant die Einsetzung eines Corrective Action Review Board (CARB) zur Überprüfung des Sachverhalts. Wann dieses Gremium seine Arbeit aufnimmt und wie lange die Prüfung dauern wird, bleibt offen.
Die ersten Auslieferungen der MAX 10 sind nach aktuellem Stand weiterhin für 2027 vorgesehen. Diese Prognose steht jedoch unter dem Vorbehalt einer zügigen Behebung des Software-Fehlers und der anschließenden Zertifizierung. Eine längere Verzögerung könnte finanzielle Folgen für Boeing haben und die Lieferpläne der Fluggesellschaften beeinträchtigen.
Analysten verfolgen die Entwicklungen genau, da die Zuverlässigkeit der Zulassungsverfahren entscheidend für das Vertrauen in den Hersteller ist.







