Die Rohölpreise gaben zu Wochenbeginn nach. Am Freitag hatte Brent-Rohöl noch ein Fünf-Monats-Hoch erreicht. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember fiel im frühen Handel deutlich unter die Marke von 110 US-Dollar.

Diese Entwicklung spiegelt entspanntere Markterwartungen wider, geprägt von geopolitischen Einflüssen und Hinweisen auf eine verbesserte Versorgungslage.

Rohölpreise korrigieren nach Höhenflug

Aktuell notiert Brent-Rohöl bei etwa 108,08 US-Dollar pro Barrel, was einem Tagesrückgang von rund 1,47 Prozent entspricht. Der Preis für die US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) bewegt sich bei etwa 99,69 US-Dollar pro Barrel und verzeichnete einen Rückgang von rund 1,7 Prozent. Diese Preiskorrektur folgt auf das Fünf-Monats-Hoch, das Brent am vergangenen Freitag mit 110 US-Dollar erreichte.

Seit Ende 2025 verteuerte sich Brent um fast 80 Prozent. Der aktuelle Kurs liegt jedoch weiterhin etwa 15 Prozent unter dem Jahreshoch. Marktbeobachter werten die jüngste Preisentwicklung als Reaktion auf mehrere Faktoren, die auf eine sich verbessernde globale Versorgung hindeuten. Dabei spielen die Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte in der Nahost-Region eine Rolle.

Diplomatische Annäherung und Angebotsberuhigung

Die Märkte reagieren auf Signale einer möglichen Deeskalation geopolitischer Spannungen, die in den vergangenen Wochen die Preise nach oben getrieben hatten. Berichte über eine mögliche Wiederaufnahme der Kontakte zwischen den USA und dem Iran führten bereits zu einer teilweisen Gewinnabgabe bei Brent. Teheran und Washington tauschen demnach Entwürfe für ein vorläufiges Friedensabkommen bezüglich der Straße von Hormus aus.

Katar, Oman und Pakistan vermitteln dabei.

US-Präsident Donald Trump signalisierte zudem seine Bereitschaft zu einem Treffen mit seinem iranischen Amtskollegen Masoud Pezeshkian. Marktbeobachter werten das als ein mögliches dämpfendes Signal für Risikoprämien am Ölmarkt.

Gleichzeitig tragen Aussagen von US-Energieminister Chris Wright zur Beruhigung bei. Wright sagte, die Öllieferungen aus dem Persischen Golf hätten sich auf etwa 80 Prozent ihres Niveaus vor dem Konflikt erholt. Er steht laut Berichten zudem in Gesprächen mit europäischen Verbündeten über die Freigabe von Dieselvorräten.

Meldungen über eine mögliche Wiederaufnahme russischer Treibstofflieferungen dämpfen ebenfalls Sorgen um Versorgungsengpässe. Die US-Regierung lockerte befristet bis zum 11. April Ölsanktionen gegen Russland, um das Angebot zu verbessern. Sie erlaubte Ländern den Kauf von russischem Öl auf Schiffen. Diese Schritte werden als Maßnahmen zur Stabilisierung der globalen Ölversorgung berichtet.

Widersprüchliche Lagerbestände und Produktionsdaten

Die Daten zu den globalen Ölbeständen und Fördermengen zeichnen ein gemischtes Bild. Einerseits berichtete TradingEconomics von einem Rückgang der US-Rohölbestände um 8,56 Millionen Barrel in der Woche bis zum 9. Oktober.

Andererseits verzeichnete die US-Energy Information Administration (EIA) einen Anstieg der kommerziellen Rohölreserven um 17,42 Millionen Barrel, den größten Zuwachs seit Januar 2023. Diese Diskrepanz kann auf unterschiedliche Datentypen oder Erfassungszeiträume zurückzuführen sein und sorgt für Unsicherheit.

Die OPEC+-Länder steigerten ihre Fördermenge im Berichtszeitraum um 1,37 Millionen Barrel pro Tag auf 28,92 Millionen Barrel pro Tag. Trotz dieser Zunahme liegt die Gruppe weiterhin etwa 6,91 Millionen Barrel pro Tag unter den vereinbarten Quoten. Saudi-Arabien erhöhte seine Produktion um 590.000 Barrel pro Tag, der Irak um 665.000 Barrel pro Tag.

Iran konnte seine Exporte näher an die Eine-Million-Barrel-Marke heranführen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) senkte ihre globale Nachfrageprognose für das Jahr 2026 auf minus 1,6 Millionen Barrel pro Tag. Das deutet auf eine mögliche Verlangsamung der globalen Ölnachfrage hin, was Preisdruck erzeugen könnte.

Technische Indikatoren und Ausblick

Aus technischer Sicht bewegt sich Brent-Rohöl derzeit nahe einem Widerstandsniveau bei 109,95 bis 110 US-Dollar. TradingKey nennt kurzfristige Schlüsselniveaus auf der Oberseite bei 112 bis 115 US-Dollar, gefolgt von 118 bis 120 US-Dollar. Ein Ausbruch über diese Marken könnte laut der technischen Einschätzung ein mittelfristiges Kursziel von 129,73 US-Dollar freisetzen.

Unterstützungen liegen bei 103,10 US-Dollar, 100 US-Dollar und 97,72 bis 95,84 US-Dollar. Der Relative Strength Index (RSI) lag bei 68,33 und nähert sich damit dem überkauften Bereich von 70. Xuyi Zhao von Guotai Junan Futures bewertet den Markt so: „Der Markt geht derzeit von einer Phase mit einer sich verschlechternden Versorgungslage in eine Phase über, in der das Schlimmste der Verknappung möglicherweise vorüber ist.“

Sie prognostiziert, dass sich der Brent-Preis um die Marke von 100 US-Dollar einpendeln dürfte, da die Voraussetzungen für einen anhaltenden Abwärtstrend noch nicht gegeben seien.

Die weitere Entwicklung wird maßgeblich von Fortschritten in den diplomatischen Bemühungen um die Nahost-Region und von den tatsächlichen Auswirkungen der Maßnahmen zur Stabilisierung des Ölangebots abhängen. Marktbeobachter werden die kommenden Wochen genau verfolgen, um die Nachhaltigkeit der aktuellen Preiskorrektur zu beurteilen.