Der französische Supercomputer-Hersteller Bull AI verdoppelt seine Produktionskapazitäten als Reaktion auf den exponentiellen Bedarf an Rechenleistung für Künstliche Intelligenz (KI)-Anwendungen. Das Unternehmen hat ein erweitertes Werk im westfranzösischen Angers wiedereröffnet. Die monatliche Produktion von Server-Racks steigt damit von sechs auf zwölf.

Diese Maßnahme steht im Kontext europäischer Bemühungen, bei der KI-Infrastruktur aufzuholen und digitale Souveränität zu stärken.

Massiver Kapazitätsausbau im Westen Frankreichs

Die Verdopplung der Produktionskapazität von Bull AI, einer Tochtergesellschaft im Umfeld von Eviden/Atos, ist eine direkte Antwort auf den steigenden Bedarf an KI-Supercomputern. Bei anhaltender Nachfrage kann die Fertigung im kommenden Jahr auf 24 Einheiten pro Monat erhöht werden. Der Ausbau der Fabrik in Angers kostete 80 Millionen Euro.

Emmanuel Le Roux, Leiter Advanced Computing bei Eviden, bezeichnete das System als „die größte künstliche Intelligenzmaschine in Europa“. Die Europäische Union (EU) plant, bis 2027 rund sieben Milliarden Euro zu investieren, um bei Rechenleistung zu den USA und China aufzuschließen. Bull AI hat 15 von 18 Ausschreibungen der EU-Organisation EuroHPC gewonnen, unter anderem gegen Wettbewerber wie Hewlett Packard Enterprise.

Den bisher größten Auftrag erhielt Bull AI für einen KI-Hochleistungsrechner für ein bestehendes Rechenzentrum in Finnland. Das Auftragsvolumen liegt bei 387,8 Millionen Euro. Die Inbetriebnahme ist für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen.

Europas Strategie gegen den Rückstand

Der Ausbau bei Bull AI ist Teil einer breiteren europäischen Strategie. Berichten zufolge entstanden 2024 in Europa drei als „notable“ bezeichnete KI-Modelle, gegenüber 40 in den USA und 15 in China. Diese Diskrepanz gilt als Indiz dafür, dass Europa eigene Rechenkapazitäten ausbauen muss.

EU-Tech-Kommissarin Henna Virkkunen sagte hierzu: „Der Zugang zu Rechenleistung im Gigawatt-Maßstab ist für Europa eine strategische Notwendigkeit, während sich die KI-Entwicklung beschleunigt.“ Die EU plant den Aufbau von bis zu sieben großen KI-Rechenzentren, sogenannten Gigafactories. Dafür sind bis zu zehn Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln (EU und Mitgliedstaaten) vorgesehen.

Zudem werden mindestens 20 Milliarden Euro an privaten Investitionen erwartet, womit ein Gesamtvolumen von über 30 Milliarden Euro genannt wird.

Das offizielle Vergabeverfahren für die Gigafactories startet am 30. Juli 2026. Die Auswahl der Gewinner ist für Anfang 2027 geplant, der Baubeginn noch im selben Jahr. Eine Betriebsaufnahme ist Mitte 2028 geplant. Zu den Bewerbern zählen unter anderem der Cloud-Anbieter Ionos und der Baukonzern Hochtief, die gemeinsam antreten.

Französische Impulse und private Milliarden

Frankreich kündigte auf dem Pariser AI Action Summit im Februar 2025 Investitionen in Höhe von 109 Milliarden Euro in KI-Infrastruktur, Rechenzentren und Datencampi an. Zu den genannten privaten Beiträgen zählen laut Berichten Brookfield mit 20 Milliarden Euro und die Vereinigten Arabischen Emirate mit bis zu 50 Milliarden Euro.

Die SoftBank Group plant, bis 2031 KI-Rechenzentren in Frankreich mit einem Volumen von 45 Milliarden Euro zu errichten. Schneider Electric kooperiert mit SoftBank bei Gehäusen und Stromversorgungsmodulen für Rechenzentren. Das französische KI-Startup Mistral AI, in Paris-Saclay gegründet, sammelte in einer Series-D-Runde am 8.

September 2026 drei Milliarden Euro ein. Die Bewertung stieg nach Angaben der Beteiligten auf über 21 Milliarden Euro.

Lead-Investor war Samsung Electronics. Weitere Geldgeber sind EQT, PSG Equity, Advent und BlackRock. Mistral wurde vor etwa drei Jahren gegründet. CEO und Mitbegründer Arthur Mensch betonte, dass das Unternehmen auf offene Modelle und eine durchgängig kontrollierte Infrastruktur setze, um Kunden die Integration von KI auf ihren eigenen Bedingungen zu ermöglichen.

Der Jupiter-Supercomputer als europäisches Statement

Ein zentraler Pfeiler der europäischen KI-Offensive ist der Jupiter-Supercomputer im Jülich Supercomputing Centre in Deutschland. Jupiter gilt als Europas erster Exascale-Supercomputer. Er basiert auf 24.000 Nvidia-Chips und hat eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von rund elf Megawatt. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2025 geplant.

Thomas Lippert, Leiter des Jülicher Zentrums, nannte Jupiter einen „Quantensprung in der Leistungsfähigkeit des Rechnens in Europa.“ Die Entwicklung und der Betrieb von Jupiter werden mit rund 500 Millionen Euro veranschlagt. Die Kosten tragen die EU und Deutschland jeweils zur Hälfte. Die Einweihung fand im September 2025 statt. Unter den genannten Gästen war Bundeskanzler Friedrich Merz.

Herausforderungen und der Weg nach vorn

Trotz der Pläne sehen Analysten Herausforderungen: Höhere Stromkosten in der EU, teils zwei bis dreimal höher als in den USA oder China, könnten den Betrieb von großen Rechenzentren verteuern. Es besteht zudem die Befürchtung, dass die Technologie bei Fertigstellung der Gigafactories 2028 bereits nicht mehr dem neuesten Stand entsprechen könnte. US-Hyperscaler wie Meta und Microsoft investieren bereits Milliarden in Rechenzentren; Berichte nennen 30 bis 40 Milliarden US-Dollar pro Quartal.

Die Abhängigkeit von US-amerikanischen Hardware-Herstellern wie Nvidia, AMD und Qualcomm für die Kern-Rechenleistung bleibt ein Thema in Debatten um digitale Souveränität. Die EU setzt zugleich Maßnahmen zur Stärkung heimischer Ökosysteme um. Die European Sovereign Tech Industry Alliance (ESTIA), gegründet auf dem deutsch-französischen Digitalgipfel, vereint unter anderem Unternehmen wie die Deutsche Telekom und Schwarz Digits und will europäische Alternativen fördern.

Die Erweiterung der Produktionskapazitäten bei Bull AI und die angekündigten Investitionen in Frankreich und der EU gehören zu diesen Maßnahmen.

Die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, wie erfolgreich Europa seine strategischen Ziele im globalen KI-Wettlauf erreichen kann und inwieweit die geplanten Gigafactories die benötigten Kapazitäten liefern. Marktbeobachter richten ihr Augenmerk auf die offiziellen Vergabeverfahren und den Baubeginn der ersten Gigafactories, um die tatsächliche Umsetzung der europäischen KI-Strategie zu bewerten.