Die Bundesbank warnt in ihrem aktuellen Monatsbericht vor einer anhaltend hohen Inflationsrate in Deutschland. Die Preisstabilität im Euroraum bleibt bis weit ins kommende Jahr herausgefordert. Eine Rückkehr zur Zwei-Prozent-Marke erwartet die Bundesbank erst für 2028.

Inflationsdruck bleibt hoch

Für Deutschland prognostiziert die Bundesbank eine harmonisierte Inflationsrate (HVPI) von 2,9 Prozent für 2026 und 2,7 Prozent für 2027. Im Jahr 2028 soll die Inflation auf 1,9 Prozent zurückgehen und damit wieder unter der Zielmarke liegen.

Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind gestiegene Treibstoff- und Dienstleistungspreise sowie anhaltendes Lohnwachstum, insbesondere im Dienstleistungssektor. Rohstoffpreisschocks bauen sich nur langsam ab. Eine Wiederholung der Hochinflationsphase von 2021 und 2022 hält die Bundesbank derzeit für unwahrscheinlich.

Aktuell liegt die Inflation in Deutschland bei 3,3 Prozent im September, nach 2,9 Prozent im August. Im Euroraum erreichte die Inflation im September zehn Prozent.

Externe Schocks und ihre Folgen

Der Nahost-Krieg übt weiterhin Druck auf die deutsche Wirtschaft aus und bremst die Erholung. Der Konflikt treibt die Energiepreise, insbesondere für Öl und raffinierte Produkte, in die Höhe. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel betont, dass der Energiepreisschock die Inflation antreibt. Zudem erhöht der Konflikt die Unsicherheit und hemmt private Investitionen.

Neben den geopolitischen Spannungen beeinflussen interne Faktoren die Preisentwicklung. Anstehende Gesundheitsreformen in Deutschland könnten die Inflation im ersten Halbjahr 2027 temporär um fast 0,5 Prozentpunkte anheben. Dazu zählen auch Änderungen bei den Apothekenversorgungsregeln.

Eine expansive Fiskalpolitik, etwa durch höhere Verteidigungs- und nicht-militärische Investitionen, stützt die Wirtschaftstätigkeit. Gleichzeitig wirkt sie auf die Preisentwicklung. Der Übergang des nationalen CO2-Preises zum EU-Emissionshandelssystem (ETS2) dürfte voraussichtlich erst 2028 einen dämpfenden Effekt auf die Inflation haben.

Wirtschaftliches Umfeld und Ausblick

Die Bundesbank erwartet ein moderates BIP-Wachstum in Deutschland. Die Prognose liegt bei 0,5 Prozent für 2026, 0,8 Prozent für 2027 und 1,4 Prozent für 2028. Die Kapazitätsauslastung der Wirtschaft soll sich allmählich wieder verbessern.

Strukturelle Faktoren wie demografischer Druck auf das Fachkräfteangebot und steigende Lohnnebenkosten dämpfen das Potenzialwachstum auf etwa 0,3 bis 0,4 Prozent pro Jahr. Die Kaufkraft der Verbraucher bleibt durch hohe Energiepreise und Konsumausgaben belastet.

Die Staatsfinanzen stehen unter Beobachtung. Das staatliche Defizit wird für 2026 auf 3,7 Prozent des BIP geschätzt und soll bis 2028 auf 4,9 Prozent ansteigen. Die Maastricht-Schuldquote könnte nach 65,8 Prozent im Jahr 2026 bis 2028 fast 70 Prozent des BIP erreichen.

Die Rolle der Geldpolitik

Vor diesem Hintergrund bleibt die EZB gefordert, entschlossen und besonnen zu handeln, um das Inflationsziel zu erreichen. Joachim Nagel, Präsident der Bundesbank und Mitglied des EZB-Rats, betont die Notwendigkeit, eine Verfestigung der hohen Inflation zu verhindern. Die EZB hat bereits Leitzinsanhebungen vorgenommen.

Nagel äußerte die Erwartung, dass der Leitzins im Juni angehoben werden könnte, sollte sich die Lage nicht bessern. Eine zu zögerliche Geldpolitik könnte künftig eine stärkere Straffung erforderlich machen. Auch die Reduzierung der Anleihebestände kann als zusätzliches Signal zur Inflationsbekämpfung dienen.

Die jüngsten Prognosen zeigen, dass die Rückkehr zur Preisstabilität ein langwieriger Prozess bleibt. Marktbeobachter richten den Blick nun auf die kommenden EZB-Entscheidungen und die weitere Entwicklung der Energiepreise. Diese Faktoren werden den Pfad der Inflation in Deutschland und im Euroraum wesentlich beeinflussen.

Die Bundesbank hebt die Komplexität der Lage und die Notwendigkeit einer vorsichtigen, aber konsequenten geldpolitischen Steuerung hervor.