Die Netzentgelte für die Nutzung der Stromnetze sind ein fester Bestandteil der Stromrechnung und machen etwa 20 bis 30 Prozent des Gesamtstrompreises aus. Ein Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro soll die Kosten für die Übertragungsnetze im Jahr 2026 stabilisieren. Ohne diese Subvention wären die Entgelte voraussichtlich deutlich höher ausgefallen, da der Ausbau der Stromautobahnen im Zuge der Energiewende Milliarden kostet.

Die Bundesregierung hat den Zuschuss beschlossen, um die Übertragungsnetzentgelte zu dämpfen. Der Betrag soll aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) finanziert werden; die gesetzliche Verankerung im Paragrafen 24c EnWG steht noch aus. Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) erklärten, dass sie den zugesagten Zuschuss an ihre Kunden weitergeben werden.

Dies führt dazu, dass die durchschnittlichen Übertragungsnetzentgelte auf Höchst- und Umspannungsebene im Jahr 2026 um 57 Prozent sinken sollen, von 6,65 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf 2,86 Cent pro kWh.

Regionale Unterschiede bei der Entlastung

Die Entlastung kommt nicht überall gleichermaßen an. Im bundesweiten Durchschnitt sinken die gesamten Netzentgelte für Haushaltskunden im Jahr 2026 gegenüber dem Vorjahr um 17,2 Prozent oder rund 2 Cent pro kWh. Für Gewerbe- und Industriekunden wird eine noch deutlichere Entlastung erwartet.

Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh kann laut Verivox im Schnitt etwa 61 Euro im Jahr 2026 sparen. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) nannte für einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch eine Entlastung von bis zu etwa 100 Euro (entsprechend 2,86 Cent pro kWh). Metrify.de prognostiziert einen Rückgang der durchschnittlichen Netzentgelte von 13,1 Cent pro kWh im Jahr 2024 auf 10,4 Cent pro kWh im Jahr 2026.

Die Reduktion der Netzentgelte durch den Bundeszuschuss ist regional sehr unterschiedlich. Einige Regionen, etwa Teile Ostdeutschlands, Baden-Württembergs und der Süden von Rheinland-Pfalz, profitieren stärker. In anderen Gebieten fällt der Effekt geringer aus.

Beispiele zeigen, dass die Netzentgelte 2026 in Brandenburg bei etwa 3,0 Cent pro kWh liegen könnten, in Niedersachsen bei 7,3 Cent pro kWh und in Nordrhein-Westfalen bis zu 14 Cent pro kWh.

Thorsten Storck von Verivox weist darauf hin, dass die Senkung je nach Wohnort deutlich stärker oder kaum spürbar sein kann. Als Gründe für diese Diskrepanzen werden unterschiedliche Kostenstrukturen der Verteilnetzbetreiber, das Alter der Infrastruktur und der regionale Ausbau erneuerbarer Energien genannt. Eine Auswertung von Enet kam zu dem Ergebnis, dass von einer ursprünglich prognostizierten Erhöhung von 3,3 Cent pro kWh nur 1,1 Cent pro kWh in den lokalen Verteilnetzen ankommen.

Langfristiger Trend und Investitionsbedarf

Trotz der kurzfristigen Entlastung durch den Bundeszuschuss bleibt der langfristige Kostendruck im deutschen Stromnetz bestehen. Eine Studie des BDEW prognostiziert, dass die jährlichen Netzkosten von gut 30 Milliarden Euro pro Jahr bis 2045 auf über 70 Milliarden Euro pro Jahr steigen könnten, ein Faktor von rund 2,3. Separat wird für 2045 eine Verdopplung des Bruttostrombedarfs prognostiziert.

Insbesondere die Verteilnetze müssen ausgebaut und modernisiert werden, um die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien und die steigende Zahl dezentraler Erzeugungsanlagen zu integrieren.

Die Netzentgelte im Verteilnetz der Hoch- und Mittelspannung könnten bis 2045 um etwa 30 Prozent steigen. Die Entgelte im Niederspannungsnetz nehmen voraussichtlich deutlich zu und können sich verdoppeln. Auch die Umlage gemäß Paragraf 19 Absatz 2 StromNEV, die Mehrkosten aus der Netzintegration von EE-Anlagen umverteilt, steigt in der Prognose bis 2045 um rund 4 Cent pro kWh an.

Der aktuelle Bundeszuschuss wirkt somit als temporäre Dämpfung der Kosten, die sich aus dem Investitionsbedarf für die Transformation des Energiesystems ergeben. Die Übertragungsnetzbetreiber hatten gewarnt, dass fehlende Rechtssicherheit bis zum 5. Dezember 2025 die endgültigen bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelte für 2026 hätte erhöhen können.

Der Zuschuss soll die Kosten vorübergehend abfedern. Der Netzausbau für die Integration von Offshore-Windparks und anderen erneuerbaren Energien erfordert jedoch weiterhin erhebliche Investitionen.

Ausblick auf die Netzentwicklung

Die Entwicklung der Netzentgelte bleibt ein zentrales Thema für Haushalte und Unternehmen. Die Entlastung für 2026 durch den Bundeszuschuss stellt eine kurzfristige Reduktion dar, ändert aber nichts an den langfristigen Herausforderungen des Netzausbaus. Nach den Prognosen steigen die Kosten der Energiewende in den kommenden Jahrzehnten weiter an und müssen refinanziert werden.

Die Bundesnetzagentur wird die Entwicklung der Netzentgelte weiterhin beobachten und prüfen. Analysten betonen, dass Transparenz über die Verteilung der Entlastungen sowie die langfristige Finanzierung der Netzinfrastruktur wichtig für die Planungssicherheit von Unternehmen und die Akzeptanz bei Verbrauchern ist. In der politischen Debatte wird weiterhin über Maßnahmen wie die dauerhafte Absenkung der Stromsteuer diskutiert.

Die gesetzliche Verankerung des Zuschusses im EnWG ist noch nicht abgeschlossen. Die Bundesregierung muss diese Frage klären, um Rechtssicherheit für Netzbetreiber und die Kalkulation der endgültigen Netzentgelte für 2026 zu erhöhen.