Die Bundeswehr plant die Beschaffung von 16 weiteren Transportflugzeugen des Typs Airbus A400M. Diese neuen Maschinen sollen ältere A400M ohne taktische Fähigkeiten ersetzen. Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte die geplante Akquisition bei einem Besuch des Airbus-Werks in Bremen an.
Diese Initiative signalisiert eine Milliardeninvestition und hat zugleich eine Signalwirkung für wichtige Airbus-Standorte in Deutschland.
Kapazitätserweiterung und Flottenmodernisierung der Luftwaffe
Die geplante Beschaffung der 16 A400M-Maschinen zielt auf eine Modernisierung und Kapazitätserweiterung der Transportflotte der Bundeswehr ab. Offiziellen Angaben zufolge verfügt die Luftwaffe über 53 A400M. Abweichende Quellen nennen 42 oder 48 A400M.
Von der aktuellen Flotte gelten 16 Maschinen als reine Transporter ohne taktische Fähigkeiten; diese sollen nun ersetzt werden. Alle A400M der Bundeswehr sind am Stützpunkt Wunstorf bei Hannover stationiert.
Der Airbus A400M ist ein militärisches Transportflugzeug mit vier Turboprop-Triebwerken. Airbus gibt eine Ladekapazität von bis zu 37 Tonnen und Reichweiten von bis zu knapp 6.300 Kilometern an. Ein Software-Update ermöglicht eine Steigerung der Ladekapazität von 37 auf 40 Tonnen.
Zu den taktischen Fähigkeiten des A400M gehören die Luftbetankung von Kampfjets, das Absetzen von Fallschirmjägern sowie Tiefflüge zur Vermeidung feindlicher Abwehrsysteme. Der Transporter kann auch selbst in der Luft betankt werden. Parallel dazu ist das Flugzeug für humanitäre Einsätze nutzbar, etwa für den Transport von Hilfsgütern oder als mobile Krankenstation.
Die Bundeswehr setzte A400M bereits bei Evakuierungsflügen aus Afghanistan ein und nutzte die Maschinen im August 2025 für Luftbrückenoperationen über dem Gazastreifen.
Milliardeninvestition mit Signalwirkung für Airbus
Die geplante Anschaffung umfasst eine Milliardeninvestition. Der Haushaltsausschuss des Bundestages genehmigte vor der Sommerpause Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 3,59 Milliarden Euro für das A400M-Programm bis 2032. Zuvor lag der Rahmen bei gut 1,4 Milliarden Euro bis 2032.
Ein neuer Haushaltsentwurf sieht für den Zeitraum 2027 bis 2032 eine Erhöhung auf fast 3,6 Milliarden Euro vor, was den Kauf weiterer Maschinen nahelegt.
Der Stückpreis für einen A400M wurde nach Angaben in der Recherche zuletzt mit etwa 175 bis 180 Millionen Euro beziffert. Die Bundeswehr kalkuliert die Kosten für die weiteren 16 Transportflugzeuge auf drei Milliarden Euro.
Für Airbus hat der potenzielle Auftrag eine erhebliche Signalwirkung, insbesondere für den Standort Bremen. Im Airbus-Werk Bremen, wo unter anderem der Rumpf des A400M gefertigt wird, arbeiten rund 800 Beschäftigte an Entwicklung und Bau des Flugzeugs. Ohne neue Aufträge rechnete die Belegschaft dort mit einem Auslaufen der Produktion mangels Aufträgen bis 2028.
Auch das Werk in Stade, welches das Seitenleitwerk und Flügeloberseiten fertigt, profitiert von einer Fortsetzung der Fertigung. Die Endmontage des A400M erfolgt in Sevilla. Dort würde ohne neue Aufträge der letzte Militärtransporter 2029 fertiggestellt.
Zukunftsperspektiven und Marktentwicklung
Airbus arbeitet weiter an der Entwicklung des A400M, beispielsweise durch Software-Updates zur Kapazitätssteigerung. Zudem werden Weiterentwicklungen diskutiert, etwa der A400M als Träger von Drohnen oder Marschflugkörpern wie dem Taurus. Erste Tests als Drohnen-Mutterschiff fanden 2022 mit der Bundeswehr statt.
Nach Recherchen wird auch an Maßnahmen gearbeitet, den A400M schwerer vom gegnerischen Radar detektierbar zu machen.
Die offizielle Ankündigung des Verteidigungsministers fällt in eine Phase, in der die Gespräche zwischen dem Verteidigungsministerium und Airbus als „sehr gut“ und „sehr konkret“ beschrieben werden. Vor einer endgültigen Umsetzung muss der Deutsche Bundestag über den Kauf beraten und abstimmen.
Der A400M wird weltweit von 10 Nationen genutzt. Neben Deutschland betreiben acht weitere Länder das Muster, darunter Kasachstan, Belgien, Frankreich, Luxemburg, das Vereinigte Königreich, Malaysia, die Türkei und Spanien. Saudi-Arabien und Indien gelten in der Berichterstattung als mögliche Großkunden.
Die Türkei besitzt nach Quellenlage zehn A400M und prüft eine Aufstockung. Die internationale Nachfrage und die kontinuierliche Weiterentwicklung des Modells sind entscheidende Faktoren für die künftige Bedeutung des A400M im militärischen Transportsektor. Die erwartete Entscheidung des Bundestages wird die weitere Entwicklung des Programms maßgeblich beeinflussen und könnte weitere Exportchancen für Airbus eröffnen.







