Vierzig Jahre nach der Eröffnung des ersten Lokals in Beverly Hills verändert California Pizza Kitchen seine operative Ausrichtung grundlegend. Nach einer Chapter-11-Restrukturierung im Jahr 2020 und dem Rückbau des Filialnetzes treibt das Management um Präsident Michael Beacham ein Asset-Light-Modell voran. Im Zentrum der Strategie steht das inländische Re-Franchising abseits des kalifornischen Heimatmarkts.
Vom Gerichtssaal an den Pizzaofen
Die Ursprünge der Kette liegen in der US-Justiz. Rick Rosenfield und Larry Flax arbeiteten in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren als Bundesstaatsanwälte mit dem Schwerpunkt auf organisierte Kriminalität. Anschließend führten sie 13 Jahre lang eine gemeinsame Strafverteidigerkanzlei in Los Angeles.
Nach einem viermonatigen Prozess in San Francisco im Jahr 1984 verließen beide die Juristerei, um in die Systemgastronomie einzusteigen.
Zur Finanzierung des ersten Restaurants mobilisierten Rosenfield und Flax rund 550.000 US-Dollar. Die Summe setzte sich aus 200.000 US-Dollar an Bankkrediten sowie etwa 350.000 US-Dollar an Eigenkapital und Darlehen von 22 Personen aus dem privaten Umfeld zusammen. Beide Gründer sicherten die Verbindlichkeiten persönlich ab, unter anderem über Zweithypotheken auf ihre Wohnhäuser und direkte Bürgschaften für den Mietvertrag.
Am 27. März 1985 um 17:00 Uhr eröffnete der erste Standort an der Kreuzung South Beverly Drive und Charleville in Beverly Hills mit 67 Sitzplätzen. Schauspielerin Shirley MacLaine zählte zu den ersten Gästen, während die spätere Spitzenköchin Suzanne Goin im Eröffnungssommer als Hostess im Lokal arbeitete.
Spago für die Massen
Die kulinarische Positionierung entstand auf Anraten von Bob Mandler, der den Gründern den Einstieg in das Pizzasegment empfahl. Inspiriert von Wolfgang Pucks Restaurant Spago wählten Rosenfield und Flax das Leitmotiv „Spago for the masses“. Sie begründeten den sogenannten California Style mit damals ungewöhnlichen Rezepturen wie Barbecue Chicken und Thai Chicken.
Ein interner Test stellte die Weichen für das Sortiment: Die Barbecue Chicken Pizza setzte sich bei den ersten Bestellungen mit rund 170 zu null gegen eine Gourmet-Variante mit Kaninchenwurst durch. In der Folge entwickelten sich die Barbecue- und die Thai-Variante zu den prägenden Aushängeschildern der Marke. Zugleich positionierte sich das Unternehmen breiter als traditionelle Wettbewerber.
Pizza steuert bis heute lediglich etwa 30 Prozent des Gesamtumsatzes bei, während der Großteil der Erlöse auf Pasta, Salate und Getränke entfällt.
Expansion unter PepsiCo und Golden Gate Capital
Der frühe Erfolg beschleunigte das Wachstum. Bereits 1986 folgten zwei weitere Standorte in Südkalifornien. Im Jahr 1992 übernahm der Konsumgüterkonzern PepsiCo eine Mehrheitsbeteiligung an der Kette, was den weltweiten Ausbau auf in der Spitze bis zu 265 Restaurants ermöglichte.
Parallel dazu erschloss California Pizza Kitchen neue Einnahmequellen über Lizenzpartnerschaften für Tiefkühlpizzen im Lebensmitteleinzelhandel sowie Konzessionen an hochfrequentierten Verkehrsknotenpunkten wie Flughäfen.
Im Juli 2011 kaufte die Private-Equity-Gesellschaft Golden Gate Capital das Unternehmen gemeinsam mit dem Management auf. In den Folgejahren geriet das Konzept jedoch zunehmend unter Druck durch aufstrebende Fast-Casual-Ketten, die flexibler auf veränderte Konsumgewohnheiten reagierten. Gleichzeitig belastete eine wachsende Schuldenlast die Bilanz des Unternehmens.
Schuldenberg und Chapter-11-Verfahren
Im Jahr 2019 versuchte das Management unter dem damaligen Vorstandschef Jim Hyatt, die Finanzen mit einer Rettungsfinanzierung über 30 Millionen US-Dollar zu stabilisieren und einen Käufer zu finden. Die Ausgangslage blieb jedoch prekär, da California Pizza Kitchen vor der Pandemie rund 80 Prozent seiner Erlöse über den klassischen Restaurantbetrieb vor Ort erwirtschaftete. Die behördlich verordneten Schließungen im Frühjahr 2020 brachten das Geschäftsmodell schließlich an seine Grenzen.
Im Juni 2020 brachen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund 40 Prozent ein. Zwischen März und Juni 2020 belief sich der operative Mittelabfluss auf 18,9 Millionen US-Dollar. Ende Juli 2020 verfügte die Kette nur noch über liquide Mittel in Höhe von 13,5 Millionen US-Dollar, während die Gesamtverbindlichkeiten mehr als 400 Millionen US-Dollar betrugen.
Am 30. Juli 2020 meldete California Pizza Kitchen Insolvenz nach Chapter 11 an. Die bestehenden Gläubiger stellten eine Sanierungsfinanzierung über 47 Millionen US-Dollar bereit.
Im Zuge des Verfahrens wandelten die Fremdkapitalgeber Verbindlichkeiten in Höhe von 230 Millionen US-Dollar über einen Debt-to-Equity-Swap in Eigenkapital um. Zudem kündigte das Unternehmen 59 von mehr als 180 US-Mietverträgen. Nach weniger als drei Monaten verließ das Unternehmen das Schutzverfahren mit bereinigter Kapitalstruktur.
Das Asset-Light-Modell von Michael Beacham
Das Filialnetz präsentiert sich seither deutlich verkleinert. Aktuell betreibt California Pizza Kitchen rund 120 Standorte in den USA, davon mehr als 50 im Heimatstaat Kalifornien und neun in Florida. Insgesamt ist die Marke in 27 US-Bundesstaaten sowie in neun bis zehn internationalen Märkten aktiv.
Unter Präsident Michael Beacham setzt das Management auf einen strategischen Schwenk. Außerhalb Kaliforniens vergibt die Kette bestehende und neue Standorte verstärkt an Franchisenehmer. Dieses Re-Franchising-Programm startete bereits 2022 unter dem früheren Entwicklungsleiter Giorgio Minardi und bildet heute den operativen Kern der Wachstumspläne.
Gleichzeitig verkleinert das Unternehmen die Flächenanforderungen deutlich. Neue Franchise-Einheiten messen 3.500 bis 4.000 Quadratfuß, was etwa 325 bis 370 Quadratmetern entspricht. Zuvor waren Flächen von 5.000 bis 7.000 Quadratfuß üblich, also rund 465 bis 650 Quadratmeter. Die Reduktion senkt die Bau- und Mietkosten spürbar und verbessert damit die Renditeperspektive für externe Partner.
Einen ersten Meilenstein markierte im November 2024 die Vereinbarung mit Sundine LLC. Der Gastronomiebetreiber führt mehr als 85 Einheiten von Marken wie Del Taco oder Jack in the Box. Unter der Führung von Geschäftsführer Sanjiv Bhagat übernahm Sundine drei konzerneigene Standorte in Las Vegas und verpflichtete sich, innerhalb von fünf Jahren sechs weitere Einheiten in Nevada und Utah aufzubauen.
Das Management betont dabei, vorrangig erfahrene Betreiber mit bestehender Infrastruktur unter Vertrag nehmen zu wollen.
Marktausblick zum 40-jährigen Jubiläum
Im Jahr 2025 feiert California Pizza Kitchen sein 40-jähriges Bestehen mit einer sanierten Bilanz. Beacham stützt die künftige Expansion auf drei Säulen: Bekanntheit, Reputation und unerschlossene Marktregionen. Ergänzend erprobt das Unternehmen automatisierte Verkaufsautomaten an US-Flughäfen und plant ab 2027 den landesweiten Vertrieb verpackter Frischesalate in Kooperation mit FiveStar Gourmet Foods.
Für Branchenbeobachter stellt sich nun die Frage, wie schnell der Übergang zum Re-Franchising außerhalb des Heimatmarkts gelingt. Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, ob das Format genügend kapitalstarke Franchisepartner anzieht, während der intensive Wettbewerb durch agile Fast-Casual-Anbieter unvermindert anhält.







