Kanada intensiviert seine Bemühungen, eine unabhängige Raumfahrtinfrastruktur aufzubauen. Das Startup Canada Rocket Company (CRC) mit Sitz in Toronto plant für Dezember Triebwerkskomponententests seiner Rakete R‑2. Der Test betrifft einen Gasgenerator zur Turbinenzündung und soll in der neuen Testanlage des Unternehmens stattfinden, deren Bau in diesem Sommer begann.
CRC ist eines von drei kanadischen Unternehmen, die zuvor 8,3 Millionen US-Dollar von der Regierung für die Entwicklung von Startfahrzeugen erhalten haben. CRC schätzt, dass ein großer Teil der aktuellen Satellitenstartnachfrage derzeit ohne vertraglich gesicherte Transportmöglichkeit ist.
Kanadas strategische Raumfahrtinitiative
Kanada fördert mehrere Raketenprojekte mit unterschiedlichen Zielgrößen. CRC verfolgt mit der R‑2 ein Medium-Lift-Design mit einer Transportkapazität von bis zu 15.000 Kilogramm in den niedrigen Erdorbit. Andere kanadische Unternehmen wie Nordspace und Reaction Dynamics entwickeln Small-Lift-Designs für Nutzlasten unter 1.100 Kilogramm. Damit entstehen Angebote für verschiedene Marktsegmente.
Ein zentraler Bestandteil der Initiative ist der Bau eines Raumhafens an der Atlantikküste von Nova Scotia. Das kanadische Verteidigungsministerium stellte im März 2026 200 Millionen US-Dollar für dessen Entwicklung bereit. Der Raumhafen befindet sich nach Angaben der Regierung bereits im Bau.
In der Ankündigung des Verteidigungsministeriums heißt es, dass militärische, Notfall- und Regierungsdienste zunehmend von weltraumbasierten Systemen abhängen. Eine souveräne Startfähigkeit schütze daher nationale Interessen und ermögliche die Kontinuität des Betriebs.
Die R‑2 Rakete und ihre Entwicklung
Die R‑2 soll neun Triebwerke verwenden, die mit Methalox betrieben werden, einer Mischung aus flüssigem Methan und flüssigem Sauerstoff. Methalox kommt auch bei Blue Origins New Glenn und Rocket Labs Neutron zum Einsatz. Die Struktur der R‑2 soll hauptsächlich aus einer Aluminium-Lithium-Legierung bestehen.
Hugh Kolias, CEO und Mitbegründer von CRC, kündigte an, den Generator im Dezember dieses Jahres in der Testanlage zu zünden. Dies markiert den Beginn des Kern-Test- und Entwicklungszyklus für das Triebwerk, der sich bis etwa 2028 erstrecken soll. Für 2028 erwartet Kolias ein vollständig zusammengebautes Triebwerk mit Turbopumpe für Hot-Fire-Tests.
Einen Startversuch der R‑2 peilt CRC für etwa 2032 an.
Ein Sprecher von CRC erklärte, dass etwa 80 Prozent der Satellitenstartnachfrage derzeit keinen vertraglich gesicherten Transport zum Orbit haben. CRC erwartet, dass diese Zahl steigen wird. Kolias sieht die Möglichkeit, dass CRC und andere Anbieter in den 2030er Jahren jährlich bis zu einem Dutzend Starts durchführen könnten.
Finanzierung und Wettbewerbsumfeld
CRC hat bisher 22 Millionen US-Dollar an Finanzmitteln erhalten, einschließlich staatlicher Gelder. Das Unternehmen strebt an, in den kommenden Jahren insgesamt 650 Millionen US-Dollar zu beschaffen. Geplant ist zudem eine Produktionsanlage von rund 46.450 Quadratmetern für die Fertigung der R‑2-Raketen.
Der Markt für Raketenstarts ist von etablierten Anbietern wie SpaceX geprägt. Elon Musk kündigte auf X an, die Falcon-9-Operationen einzustellen, sobald Starship zuverlässig mehrmals pro Woche fliegt. Dies könnte die Marktstruktur beeinflussen und Nachfrageveränderungen auslösen.
Die kanadische Regierung hat bislang keine konkreten Vorgaben zur gewünschten Startkadenz veröffentlicht.
Ausblick und Herausforderungen
Die geplanten Triebwerkstests im Dezember sind der Beginn des zentralen Test- und Entwicklungszyklus für das CRC-Triebwerk. Die langfristige Kapitalbeschaffung von 650 Millionen US-Dollar steht noch aus. Bislang wurden staatliche Fördermittel und private Finanzierungen eingebracht.
Bis zum angestrebten Startversuch um 2032 sind weitere technische Entwicklungsschritte erforderlich. Kanada fördert mit dem Raumhafen in Nova Scotia und mehreren Raketenprojekten nationale Kapazitäten für Starts. Wie schnell sich daraus operative Startfähigkeiten entwickeln, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Marktbeobachter werden verfolgen, welche weiteren Schritte CRC in den kommenden Monaten unternimmt und wie sich die Wettbewerbslandschaft im New-Space-Sektor entwickelt.







