Tokio – Der japanische Kamerahersteller Canon verlagert seinen Schwerpunkt auf digitale Kompaktkameras und hybride Videoprodukte. Das Unternehmen plant, die Produktion digitaler Kompaktkameras im Jahr 2026 auf das 1,5-Fache des Vorjahres zu steigern. Bereits 2025 sollen die Stückzahlen gegenüber 2024 um rund 50 Prozent wachsen.
Canon bezeichnet die Ausweitung als strategische Kehrtwende und sieht im Kompaktsegment neues Wachstumspotenzial, insbesondere bei jüngeren Kundengruppen.
Gen Z entdeckt die Kompaktkamera neu
Der Ausbau des Kompaktkamera-Segments reagiert auf eine Marktentwicklung: Jüngere Konsumenten entdecken digitale Kompaktkameras wieder. Viele suchen abseits des Smartphones eine bewusstere Kameraerfahrung und einen eigenständigeren Bildstil.
Tsuyoshi Tokura, Vice President bei Canon, kommentiert: „Der aktuelle Zuwachs bei digitalen Kompaktkameras wird von jungen Leuten getragen. Sie kaufen diese nicht einfach, weil sie hochleistungsfähig sind oder eine hohe Bildqualität bieten. Sie genießen das Aufnahmeerlebnis selbst, auch wenn es ein wenig unbequem ist.“
Tokura betont, dass die zukünftige Produktpalette nicht allein auf Leistung und Preis basieren, sondern Elemente des Stils und des Aufnahmeerlebnisses berücksichtigen muss.
Marktanalysen nennen Gründe wie die Ablehnung überverarbeiteter Smartphone-Fotos, die Wertschätzung eines weniger digitalen „Lo-Fi“-Looks älterer Digitalkameras und die Absicht, sich bewusster vom Smartphone zu lösen. Modelle wie die PowerShot G7 X Mark III verzeichnen eine hohe Nachfrage.
Wachstumspotenziale und erweiterte Produktpalette
Canons Neuausrichtung stützt sich auf Marktprognosen: Die Camera & Imaging Products Association (CIPA) erwartet für 2026 ein Wachstum von 13,6 Prozent im Segment der Kameras mit fest verbautem Objektiv. Der gesamte Digitalkameramarkt soll demnach nur um 1,6 Prozent wachsen.
Canon will die Produktpalette im Kompaktsegment ausbauen. Dazu gehören Modelle für Vlogging und Social Media sowie zur Erstellung hochwertig wirkender Online-Inhalte. Ein Beispiel ist die PowerShot V1, die stärker auf Vlogging ausgerichtet ist und aktuelle Sensor- sowie Prozessortechnik nutzt.
Berichte aus Japan dokumentieren erste Verkaufserfolge: Canons Marktanteil bei Kompaktkameras in Japan lag laut Verkaufszahlen im Juli 2025 bei 5,3 Prozent. Dieser stieg im August 2025 auf 27,1 Prozent.
Hybride Lösungen und professionelle Videosysteme
Parallel zum Ausbau der Kompaktkameras intensiviert Canon seine Aktivitäten im Bereich Video und hybrider Produkte. Canon hat angekündigt, die „V Series“-Objektive für Video basierend auf der Kundennachfrage zu erweitern. Das Unternehmen betont, dass Objektive sowohl für Video als auch für Standbilder geeignet sein sollten.
Die im Mai 2026 eingeführte spiegellose Vollformatkamera EOS R6 V steht ebenfalls im Zeichen des Video- und Hybridfokus. Die technischen Angaben nennen unter anderem 7K RAW bis 60 Bilder pro Sekunde, oversampeltes 4K bis 60p, 4K bis 120p Zeitlupe ohne Crop sowie 2K bis 180p. Zudem weist das Modell 32,5 Megapixel, eine kamerainterne 5-Achsen-Bildstabilisierung mit bis zu 7,5 Belichtungsstufen Kompensation und Serienbildraten bis zu 40 Bilder pro Sekunde mit elektronischem Verschluss auf.
Canon treibt zudem die Entwicklung automatisierter Video- und PTZ-Systeme für professionelle Anwendungen voran. Entsprechende Lösungen präsentierte das Unternehmen auf der ISE in Barcelona im Februar 2026.
Ausblick: Innovationsdruck und Marktpositionierung
Die Neuausrichtung Canons betrifft Wettbewerber wie Nikon, Sony und Fujifilm. Offen bleibt, ob Canon die erhöhte Produktionskapazität dauerhaft mit neuen Produkten füllen kann und wie sich das Geschäft über die Zeit entwickelt. Go Tokura, Executive Vice President und Leiter der Imaging Group bei Canon, kommentiert: „Die aktuellen Kunden von Kompaktkameras sind nicht wirklich unsere früheren Kunden.
Das sind gänzlich neue Kunden. Deshalb wird es die Aufgabe der nächsten Kamera sein, die wir herausbringen, neue Technologien oder einen neuen Anwendungsfall zu bieten.“ Dies markiert die neue Rolle der nächsten Kompaktkamera.
Die CP+ in Yokohama Anfang 2026 bietet Canon eine Gelegenheit, weitere Details zur Umsetzung der Strategie zu präsentieren und die Reaktion des Marktes zu beobachten. Analysten werden die Entwicklung der Absatzzahlen und die tatsächliche Annahme der neuen Modelle genau verfolgen, um die langfristige Wirkung dieser strategischen Entscheidung auf Canons Marktposition zu bewerten.







