Cargoboard fordert Logistikriesen heraus: Automatisierung des Stückgutversands treibt Wachstum

Ein acht Jahre altes Logistik-Startup aus Paderborn positioniert sich als Wettbewerber für etablierte Speditionen wie Dachser, DSV oder DHL Freight. Cargoboard digitalisiert den Palettenversand und ermöglicht die Buchung von Frachtkapazitäten analog zu Flug- oder Hotelbuchungen. Das Unternehmen nähert sich einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro und ist nach eigenen Angaben Europas größte Plattform für Stückguttransporte.

Cargoboard wurde mit dem Ziel gegründet, den Transport einer Palette so einfach wie eine Flug- oder Hotelbuchung oder einen Einkauf zu gestalten. Eine voll digitalisierte Plattform wickelt bis zu 98 Prozent der Buchungen vollautomatisch ab. Jeden Monat werden so 50.000 Ladungen über das System abgewickelt, Tendenz steigend.

Das Unternehmen wächst jährlich um 30 Prozent. Die Strategie umfasst den Aufbau eines eigenen Logistiknetzes für Stückgut-Transporte. Dieses Netzwerk schließt mittelständische Spediteure ein und soll ein Gegenangebot zu Großspeditionen wie Dachser, DSV oder DHL Freight darstellen.

Gründer Lukas Petrasch, ein ehemaliger Speditions-Azubi und heute 29 Jahre alt, startete das Unternehmen ursprünglich mit einem Asset-Light-Konzept. Mittlerweile besitzt Cargoboard jedoch auch eigene Lastkraftwagen, um Kapazitätsengpässe zu überbrücken. Cargoboard schließt Verträge direkt mit Kunden ab.

Die Aufträge werden an die Dispositionen der angeschlossenen Mitgliedsspeditionen vergeben. Dieses Vorgehen soll ein einheitliches Qualitätsmanagement sicherstellen, da Cargoboard sich selbst um problematische Fälle kümmern kann. Eine künstliche Intelligenz prüft jeden Auftrag auf Plausibilität, etwa die Anforderung von Gefahrgutunterlagen für Lithium-Ionen-Batterien, und automatisiert diese Prozesse.

Cargoboard argumentiert, die bessere Auslastung bereits fahrender Lastkraftwagen führe zu weniger Verkehr auf den Straßen und trage zur Milderung des Lastkraftwagen-Fahrermangels bei.

Aufbau eines alternativen Speditionsnetzwerks

Cargoboard positioniert sich als Alternative zu großen Speditionsnetzwerken, indem es ein eigenes Logistiknetz für Stückgut-Transporte etabliert, dem sich mittelständische Spediteure anschließen. Das anfängliche Asset-Light-Konzept hat sich inzwischen weiterentwickelt.

Um Flexibilität in Phasen hoher Nachfrage oder bei Kapazitätsengpässen zu gewährleisten, setzt Cargoboard heute auch eigene Lastkraftwagen ein. Das Unternehmen agiert als direkter Vertragspartner der Versender und vergibt die tatsächlichen Transportaufträge an die Partner-Speditionen. Diese Struktur ermöglicht nach Unternehmensangaben eine Qualitätskontrolle „aus einer Hand“ und die Möglichkeit, bei Abweichungen direkt einzugreifen.

Das Fundament für Cargoboards Wachstum bildete eine Kooperation mit dem Paderborner Familienkonzern Hartmann International. Dessen Inhaber Andreas Hartmann betreute Lukas Petrasch während seiner Ausbildung. Hartmann International ist seit einigen Jahren Teil von Cargoline, einem Zusammenschluss mittelständischer Spediteure, der heute als Hauptgesellschafterin von Cargoboard fungiert.

Diese Verbindung verschaffte dem Startup von Anfang an Zugang zu einem etablierten Speditionsnetzwerk.

Professor Rüdiger Kabst von der Universität Paderborn, der das Startup in seiner Gründungsphase begleitet hatte, betont, dass Cargoboard gegenüber mit Risikokapital finanzierten Konkurrenten den Vorteil hatte, von Anfang an auf das Netz eines Speditionsverbunds zugreifen zu können. Kabst warnt zudem, dass dem Zusammenschluss andernfalls das Schicksal von Hotels gedroht hätte, die Teile ihrer Marge an Buchungsplattformen verloren haben.

In den letzten anderthalb Jahren haben sich mehrere Hundert Speditionen mit Flotten von fünf bis 50 Fahrzeugen dem Netzwerk angeschlossen. Cargoboard setzt finanzielle Anreize, etwa 10 Euro mehr pro Ladung bei sofortigem Upload des unterschriebenen Lieferscheins. Nach Angaben des Unternehmens beschleunigt dies den administrativen Ablauf und steigert die Effizienz für alle Beteiligten.

Zum Ökosystem gehören nach Unternehmensangaben Kunden wie Smartsleep, Galaxus, Otto, XXXLutz, Aida und Tui (Zentrallager). Christian Hesse, Einkaufsmanager bei Benteler Steel/Tube, äußert, Cargoboard habe unternehmensspezifische Anforderungen schnell in die bestehende Plattform integriert. Markus Dworak von Smartsleep hebt hervor, dass Preise vorher schwierig zu vergleichen waren und nun digital sogar taggleiche Abholungen gebucht werden können.

Internationale Expansion und Marktstrategie

Cargoboard ist europaweit aktiv und gilt laut vorliegenden Angaben als größte Plattform für Stückguttransporte in diesem Segment. Die internationale Ausrichtung spiegelt sich auch personell wider: Eine Mitarbeiterin aus Taiwan arbeitet in Paderborn, um Anfragen aus China zu beantworten. Petrasch weist darauf hin, dass deutsche Unternehmen von China lernen können; dort erwarte man wegen Plattformen wie Alibaba umgehend Antworten auf Chinesisch und sehe Logistik nicht als Nebensache.

Das Unternehmen wächst jährlich um 30 Prozent und nähert sich einem Umsatz von 100 Millionen Euro. Cargoboard beschäftigt nach eigenen Angaben 100 Mitarbeiter, davon 20 Programmierer, die an der Weiterentwicklung der Plattform arbeiten. Die Automatisierung der Buchungsprozesse erreicht laut Unternehmen bis zu 98 Prozent der Fälle.

Als Wachstumstreiber nennt das Unternehmen unter anderem verstärkte Aktivitäten aus China und die internationale Ausrichtung des Dienstes. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die fortgesetzte Digitalisierung der Logistikbranche in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird. Cargoboards Strategie, ein dichtes Netzwerk mittelständischer Speditionen mit einer hochautomatisierten Plattform zu verbinden, könnte dem Unternehmen hier einen Wettbewerbsvorteil sichern und die weitere Expansion in neue Märkte ermöglichen.

Die Fähigkeit, auf globale Kundenbedürfnisse einzugehen, wird dabei entscheidend sein.