Nordamerikanische Finanzvorstände betrachten die US-Aktienmärkte als überbewertet. Eine aktuelle Deloitte-Umfrage unter 200 Finanzchefs großer Unternehmen belegt: 83 Prozent halten die Märkte für überbewertet. Diese Einschätzung stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber dem zweiten Quartal dar, als 49 Prozent dieser Ansicht waren.

Trotz dieser Skepsis gegenüber dem Gesamtmarkt äußern die Finanzvorstände Zuversicht für die eigene Geschäftslage. 90 Prozent der Befragten sind optimistischer hinsichtlich der finanziellen Aussichten ihres Unternehmens. Die Ergebnisse der Deloitte-Umfrage „Q3 2026 CFO Signals“, erhoben vom 24. August bis 8.

September 2026, zeigen eine Spannung zwischen individueller Unternehmensperspektive und gesamtwirtschaftlicher Markteinschätzung.

Divergenz zwischen Unternehmens- und Marktblick

Die Diskrepanz zwischen Optimismus für das eigene Geschäft und der Sorge vor einer Marktüberbewertung ist ausgeprägt. Ed Hardy, U.S. Financial Services Leader bei Deloitte, kommentiert diese Haltung: „Wenn sie meinen, der Markt sei überbewertet, ist das Kaufen möglicherweise nicht die objektivste Vorgehensweise.“

Der CFO Confidence Score stieg im dritten Quartal 2026 auf 6,1 Punkte, nach 5,9 Punkten im Vorquartal. Deloitte stuft diesen Wert als „hoch“ ein. Parallel dazu liegt die Bereitschaft, größere Risiken einzugehen, im dritten Quartal bei 53 Prozent, nach 59 Prozent im Vorquartal.

Eine Mehrheit der Befragten bleibt damit der Auffassung, dass der aktuelle Zeitpunkt für größere Risikopositionen geeignet ist.

Bewertungskennzahlen und Marktkonzentration

Verschiedene Bewertungsindikatoren liefern Kontext für die Einschätzung der Finanzvorstände. Das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis (P/E) des S&P 500 lag am 8. August 2025 bei rund 22,1.

Dieser Wert befindet sich über dem Zehnjahres-Durchschnitt von 18,5. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis notiert den vorliegenden Daten zufolge auf einem der höchsten Niveaus überhaupt. Der sogenannte Buffett-Indikator, die gesamte US-Marktkapitalisierung im Verhältnis zum US-Bruttoinlandsprodukt, erreichte im September 2025 ein historisches Hoch von etwa 220 Prozent.

Das Shiller-CAPE-Verhältnis lag im selben Monat bei rund 38, was Niveaus der Dot-Com-Blase und dem November 2021 nahekommt.

Ein Faktor für die hohe Marktbewertung ist die Konzentration auf wenige Technologiewerte. Die sogenannten „Magnificent Seven“ – Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta Platforms, Nvidia und Tesla – trugen nach Angaben der Quellen mehr als die Hälfte zum kumulativen Gewinn des S&P 500 in den Jahren 2023 und 2024 bei. Zugleich stellen sie rund ein Drittel der Marktkapitalisierung des Index.

Die Top-10-Unternehmen im S&P 500 machen nahezu 40 Prozent des Index aus. Diese Daten belegen, dass die Marktstärke stark von einer vergleichsweise kleinen Gruppe großer Werte getragen wird.

Externe Risiken und die Rolle der Künstlichen Intelligenz

Neben Bewertungsfragen nennen CFOs externe Risiken. In der Deloitte-Umfrage stufen 50 Prozent der Befragten Cybersicherheit als Top-externes Risiko ein. Zum Einfluss von Künstlicher Intelligenz bemerkt Ed Hardy: „KI verstärkt wahrscheinlich die bereits erhöhte Besorgnis hinsichtlich Cyberkriminalität.“

Weitere Umfragen bestätigen ausgeprägte Sorgen bei Finanzverantwortlichen. Die Global CFO Survey 2026 von FTI Consulting, die 700 Befragte umfasste, registriert Besorgnis über geopolitische Konflikte bei 84 Prozent, über Cybersicherheit bei 82 Prozent und über Inflation bei 83 Prozent. In Europa sehen 83 Prozent der CFOs Unsicherheit an den Kapitalmärkten als erhebliches Risiko.

Parallel dazu setzen viele Finanzfunktionen auf KI-Lösungen. In Europa geben 73 Prozent der CFOs an, KI in der Finanzfunktion im Einsatz zu haben, in Entwicklung zu führen oder als hohe Priorität geplant zu haben. Priorisierte Anwendungen sind demnach Predictive Cash Forecasting mit 90 Prozent, Machine-Learning-gestützte Prognosen mit 88 Prozent und automatisiertes KI-Reporting ebenfalls mit 88 Prozent. 55 Prozent der europäischen CFOs berichten, den Großteil ihrer Zeit mit operativen Pflichtaufgaben zu verbringen.

Ausblick: Strategische Entscheidungen und Marktdynamiken

Die Umfrageergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild. Hohe Skepsis gegenüber der Bewertung des Gesamtmarkts steht neben hohem Optimismus für die eigene Unternehmensentwicklung. Die Daten belegen diese interne Spannung, konkrete Folgerungen für künftige Investitionsentscheidungen oder Marktentwicklungen ergeben sich aus den Umfrageergebnissen jedoch nicht direkt.

Die Implikationen dieser Divergenz bleiben offen für weitere Analysen der Marktakteure.