Matthieu Blazy übernimmt die kreative Leitung bei Chanel. Diese Ernennung ist Teil einer Reihe von Personalwechseln bei großen Modehäusern. Blazy folgt auf Virginie Viard, die das Haus im Juni 2024 verlassen hat.

Deine Ernennung erfolgte am 12. Dezember 2024, unmittelbar nachdem Kering Blazys Abgang von Bottega Veneta bekanntgab. Blazy nimmt seine Tätigkeit bei Chanel ab April 2025 auf. Dein Debüt gibst Du während der Paris Fashion Week im Oktober 2025. Du verantwortest insgesamt zehn Kollektionen pro Jahr, darunter Prêt-à-porter, Haute Couture, Zwischenkollektionen und Accessoires.

Strategische Neuausrichtung in turbulenten Zeiten

Die Neubesetzung bei Chanel ist Teil einer breiteren Neuausrichtung in der Luxusbranche. Nicht nur Chanel, sondern auch Konkurrenten wie Gucci und Dior haben in den vergangenen Monaten ihre kreativen Führungsriegen umstrukturiert oder planen dies. Diese Entwicklungen korrespondieren mit verändertem Konsumentenverhalten und einem nachlassenden Marktwachstum.

Der globale Markt für persönliche Luxusgüter wuchs 2022 um 22 Prozent. Im Jahr 2024 schrumpfte er um 1,6 Prozent und kehrte damit auf das Niveau von 2023 zurück. Zwischen 2019 und 2023 stiegen die Branchenumsätze jährlich um fünf Prozent; über 80 Prozent dieses Wachstums resultierten laut vorliegenden Daten aus Preiserhöhungen.

Gucci verzeichnete 2024 einen Umsatzrückgang von zwölf Prozent. Dieser Rahmen setzt Marken unter Druck, auf veränderte Nachfrage zu reagieren – etwa durch personelle Wechsel in der Kreativführung und Anpassungen im Angebot.

Blazys Weg an die Spitze und Dein Einfluss auf Chanel

Alain Wertheimer und Leena Nair bezeichneten Blazy als „einer der begabtesten Designer seiner Generation.“ Blazy hat in Paris Modedesign studiert und arbeitete unter anderem mit Raf Simons bei Calvin Klein von 2016 bis 2019. Zudem war er Senior Designer bei Céline unter Phoebe Philo und arbeitete für Maison Martin Margiela.

Im Januar 2021 übernahm er als Creative Director die Leitung von Bottega Veneta und folgte damit auf Daniel Lee.

Parallel dazu übernimmt Louise Trotter, zuvor bei Carven, im Januar 2025 Blazys Position als Creative Director bei Bottega Veneta. Blazy wird bei Chanel an Bruno Pavlovsky, den President of Fashion, berichten. Pavlovsky sagte: „Ich bin davon überzeugt, dass er die Codes und das Erbe des Hauses in einem fortlaufenden Dialog mit dem Studio, den Ateliers und unserem Maison d’Art bespielen wird.“

Wertheimer und Nair erklärten zudem: „Seine Vision und sein Talent werden die Energie der Marke und unsere Position als führendes Luxusunternehmen stärken. Unter der Leitung von Bruno Pavlovsky sind wir überzeugt, dass Matthieu Blazy die Zukunft weiter gestalten und ein neues Kapitel in der Kreation von Chanel schreiben wird.“

Ein Blick auf Marktdaten unterstreicht die Aufmerksamkeit für die Personalie: Der Lyst-Index für das erste Quartal 2026 weist Chanel als meistgefragte Marke aus. Saint Laurent belegt Platz zwei, Dior Platz drei. Miu Miu liegt auf Platz vier, Gucci auf Platz fünf.

Neue Modelle von Matthieu Blazy für Chanel, etwa die Chanel-Pumps und die Maxi Flap-Tasche, gehörten im ersten Quartal 2026 zu den beliebtesten Produkten.

Der Kampf um die „Aspirational Shopper“

Ein zentraler Aspekt der Branche ist die Verschiebung im Kundenverhalten. Die Gruppe der „Aspirational Shopper“ – Kunden, die weniger als 5.000 Euro pro Jahr für Luxusgüter ausgeben – machte 2013 noch 70 Prozent der gesamten Luxusverkäufe aus. Ihr Anteil ist seitdem auf rund 60 Prozent gesunken. Marken passen daher Angebote und Kommunikation an, um diese Käuferschicht anzusprechen.

Branchenbeobachter sehen darin einen Treiber für die aktuellen Personalentscheidungen. Serge Carreira, Leiter Emerging Brands bei der Fédération de la Haute Couture et de la Mode, kommentiert: „This is a clear sign of a transitional period shaped by shifting consumer behavior in the luxury space. The clustering of these changes marks the beginning of a new phase in an industry deeply influenced by fashion’s breakneck pace.“

Barbara Franchin, Gründerin und Direktorin von ITS, ergänzt: „We're witnessing a major shift. Brands are in the midst of an identity crisis. They've lost sight of who their customers are, and the system is splintering.

Only houses with strong DNA hold steady. The real issue, in my view, lies in the overwhelming power handed to financial and executive leadership.“

Ausblick auf ein neues Kapitel im Luxussegment

Blazys offizieller Arbeitsbeginn bei Chanel im April 2025 und Dein Debüt im Oktober 2025 stehen im Mittelpunkt der Beobachtung durch Branche und Analysten. Die Herausforderung für Chanel besteht darin, die in Rankings wie dem Lyst-Index sichtbare Nachfrage in stabile Umsatzzahlen zu überführen. Parallel dazu positionieren sich Gucci unter Demna und Dior, wo Jonathan Anderson als möglicher kreativer Neuzugang gehandelt wird, neu.

Die kommenden Kollektionen und die Reaktionen der Konsumenten werden zeigen, welche Häuser die aktuellen Marktbedingungen am erfolgreichsten adressieren. Analysten werden insbesondere Chanels Entwicklung unter Blazy in den nächsten Quartalen verfolgen, um die Auswirkungen der Arbeit auf die finanzielle Performance zu bewerten.