Wertanlage mit Designhistorie: Perriands Möbel erreichen Rekordpreise
Originalentwürfe der französischen Designerin und Architektin Charlotte Perriand entwickeln sich auf dem Kunstmarkt zu gefragten Anlageobjekten. Ihre Möbel, einst für Funktionalität und erschwingliches Wohnen konzipiert, erzielen heute bei Auktionen teils Millionenbeträge. Dies unterstreicht die Wertschätzung für Design des 20. Jahrhunderts und zieht gleichermaßen Investoren wie Sammler an.
Die Visionärin des modernen Wohnens
Charlotte Perriand (1903 bis 1999) zählt zu den zentralen Figuren des Modernismus. Ihre Arbeit war von der Überzeugung geprägt, dass Design menschlichen Bedürfnissen dienen und sich anpassen muss. Perriand studierte von 1920 bis 1925 an der École de l'Union Centrale des Arts Décoratifs in Paris.
Bereits 1927 erregte ihr selbst eingerichtetes Loft-Apartment mit der „Bar sous le toit“ die Aufmerksamkeit Le Corbusiers. Obwohl er ihre Bewerbung zunächst mit den Worten „We don’t embroider cushions here.“ ablehnte, stellte er sie kurz darauf ein.
Zehn Jahre lang arbeitete Perriand eng mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret zusammen. In dieser Zeit entstanden Möbel wie die „Chaise longue basculante“ (LC4) und der „Fauteuil grand confort“ (LC2/LC3). Diese Entwürfe produziert heute unter anderem Cassina autorisiert. Sie spiegeln Perriands Einsatz industrieller Materialien wie Stahlrohr, Aluminium und Glas wider.
Perriand verfolgte einen Ansatz, der Funktionalität, Modularität und Anpassungsfähigkeit betonte. Ihre spätere Arbeit integrierte zudem natürliche Materialien wie Holz, Stroh und Bambus, wobei sie stets die Nützlichkeit von Design hervorhob.
Explosive Wertentwicklung auf dem Auktionsmarkt
Der Sammlermarkt für Perriand-Originale verzeichnet hohe Nachfrage und signifikante Wertsteigerungen. Ein Beispiel ist der „Leaf table“ aus dem Jahr 1953, der im Mai 2025 bei Christie’s Paris für 138.600 Euro versteigert wurde. Wandmontierte Bücherregale erzielen bei Auktionshäusern wie Phillips regelmäßig sechsstellige Preise.
Ein Stück aus dem Jahr 1954 erreichte einen Hammerpreis von 310.000 US-Dollar.
Artcurial verzeichnete 2017 bei einer Perriand-Retrospektive 20 verkaufte Objekte für insgesamt 3.058.300 Euro. Ein afrikanisches Nussholz-Sideboard wurde Ende 2019 für 443.000 Euro verkauft. Dieser Verkauf stand laut Recherche im Zusammenhang mit einer Ausstellung in der Louis Vuitton Foundation.
Besonders herausragende Ergebnisse zeigen sich in einzelnen Losen:
- Eine „Table de bibliothèque éclairante“ (große Variante) erzielte am 3. November 2021 1.016.000 Euro.
- Eine „Console en applique“, speziell für das Appartement Coquatrix angefertigt, erreichte am selben Tag 836.000 Euro.
- Ein Büro „En Forme“ wurde im November 2021 für 716.000 Euro versteigert.
- Artnet listet eine „Console en applique“ aus dem Jahr 1950 mit 968.265 US-Dollar als eines der höchsten versteigerten Werke in ihrer Liste. Artsy führt hingegen einen Bibliothekstisch aus 2021 als höchsten Eintrag.
Diese Zahlen belegen, dass Perriands Originale auf dem Sekundärmarkt hohe Preise erzielen. Sammler wie Emmanuel de Bayser, der rund 100 Objekte des Keramikers Georges Jouve besitzt, formulieren ihre Sammelphilosophie so: „The money is not in the bank; the money is with you every day. It’s a real joy to live with the objects you love.”
Ausstellungen und die Rolle des Sekundärmarktes
Die öffentliche Wahrnehmung von Perriand stärken Ausstellungen. Die Kunstmuseen Krefeld präsentieren bis zum 15. März 2026 die Ausstellung „Charlotte Perriand.
L’Art d’habiter / The Art of Living“. Das Museum der Moderne Salzburg zeigt vom 1. Mai 2026 bis zum 13. September 2026 die Schau „Charlotte Perriand. Living Modernism: Design, Photography, Architecture“. Bei der Organisation arbeiten die Veranstalter laut Recherche eng mit den Archives Charlotte Perriand sowie mit Pernette Perriand-Barsac und Jacques Barsac zusammen.
Auktionshäuser wie Christie’s, Sotheby’s, Phillips und Artcurial spielen eine zentrale Rolle bei der Etablierung des Sekundärmarktes für Perriands Werke. Sie kuratieren und vermarkten Stücke, schaffen Transparenz über Preise und Herkunft und ziehen ein internationales Publikum von Sammlern und Investoren an. Förderer wie Mark Isaacson und Greg Nacozy von der Fifty/50 Gallery in New York trugen laut Recherche bereits in den 1980er und frühen 1990er Jahren dazu bei, Perriands Arbeiten auf dem US-Markt bekannter zu machen.
Ausblick: Nachhaltige Wertentwicklung oder Spekulationsrisiko?
Die anhaltend hohen Preise und die gestiegene Nachfrage signalisieren eine Verankerung von Perriands Werken im Bereich des 20th-Century-Designs als Wertobjekte. Für Investoren und Sammler bleibt die Bewertung von Authentizität und Provenienz entscheidend, insbesondere angesichts autorisierter Neuauflagen. Die Verfügbarkeit von Perriands „Complete Works“, herausgegeben von Jacques Barsac, dient als wichtige Referenz.
Experten beobachten, wie sich die gestiegene öffentliche Präsenz – etwa durch große Museumsausstellungen – auf die Preisentwicklung auswirkt. Während die Nachfrage nach etablierten Designikonen voraussichtlich stabil bleiben dürfte, ist unklar, ob auch weniger bekannte Stücke ähnliche Zuwächse verzeichnen. Die Recherche dokumentiert eine robuste Marktentwicklung.
Gleichwohl wird geraten, spezifische Segmente genau zu verfolgen, um mögliche Risiken einer Überhitzung zu erkennen.







