Peking hat ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Belebung des heimischen Immobilienmarktes angekündigt. Ein landesweites Programm sieht vor, Erstkäufern von günstigerem Wohnraum einen Teil der Hypothekenzinsen zu erstatten. Parallel lockern Städte wie Shanghai und Guangzhou lokale Regeln, zudem erleichtert die Regierung ausländischen Investoren den Zugang.
Diese Initiativen sollen die Wohnkosten senken und die Nachfrage stabilisieren. Die chinesische Wirtschaft verzeichnete zuletzt eine verlangsamte Dynamik.
Die neuen Regelungen treten am 1. Oktober in Kraft und sind zunächst für ein Jahr befristet. Erstkäufer von Wohnungen mit höchstens 120 Quadratmetern Fläche und einem Kaufpreis von maximal 1,5 Millionen Yuan können einen Zuschuss erhalten.
Die Förderung gilt maximal fünf Jahre und entspricht einem annualisierten Satz von einem Prozentpunkt der Hypothekensumme. Das Finanzministerium nennt einkommensschwächere Haushalte als Zielgruppen. Dazu zählen neu Zugezogene in Städten, Hochschulabsolventen und Beschäftigte ohne Führungspositionen.
Analysten schätzen die Wirkung der Maßnahmen jedoch begrenzt ein. Daniel Fan von Bloomberg Intelligence bezeichnete sie als „sehr begrenzt“. Robin Xing, China-Chefökonom bei Morgan Stanley, sprach von einem „weiterhin bescheidenen“
Gesamtpaket. KOF-Ökonomen wie Vera Eichenauer und Heiner Mikosch führen einen Teil des Vertrauensverlusts auf die strengen Corona-Maßnahmen und deren abrupte Beendigung zurück.
Massive lokale und nationale Lockerungen
Die Zentralbank (People’s Bank of China, PBOC) stockte ein Refinanzierungsprogramm zur Förderung technologischer Innovationen und der Modernisierung von Ausrüstung um 200 Milliarden Yuan auf insgesamt 1,4 Billionen Yuan auf. Zugleich erhöhte sie den Anteil förderfähiger Kredite. Die Regierung kündigte zudem Maßnahmen an, Banken zu verstärkter Kreditvergabe in Bereichen wie Infrastruktur und Technologie zu bewegen.
Auf lokaler Ebene treten tiefgreifende Änderungen in Kraft. In Shanghai wurden Kaufbeschränkungen gelockert: Lokale Bewohner dürfen nun unbegrenzt viele Wohnungen außerhalb des äußeren Autobahnrings besitzen. Zuvor war die Zahl auf maximal zwei Einheiten begrenzt.
Dieses Gebiet umfasst rund zwei Drittel des gesamten Wohnraums der Stadt. Die Hypothekenzinsen für Zweitkäufer in Shanghai wurden von 3,35 Prozent auf 3,05 Prozent gesenkt und entsprechen damit dem Satz für Erstkäufer.
Zhu Xinhai, Vertriebsleiter bei 5i5j Real Estate Brokerage, bewertete die Anreize als „erwartungskonform“. Er merkte aber an, dass sie angesichts des vorherrschenden Pessimismus bezüglich der Wirtschaft und des Lohnwachstums möglicherweise nicht ausreichen, um starkes Kaufinteresse zu entfachen.
Weitere Städte ziehen nach. Guangzhou kündigte eine Lockerung der Hypothekenvergabe an. Hauskäufer erhalten dort nun unabhängig von ihrer Kreditwürdigkeit Vorzugsdarlehen. Nanjing und Suzhou haben bereits Einschränkungen für ausländische Käufer reduziert.
Öffnung für ausländisches Kapital
China hat die Regeln für Immobilieninvestitionen ausländischer Personen und Institutionen gelockert. Ausländische institutionelle Investoren werden von Registrierungsgebühren für Kredite und Devisengeschäfte befreit. Ausländische Privatpersonen und Unternehmen dürfen unter gewissen Bedingungen mehr Immobilien kaufen, unterliegen aber weiterhin lokalen Kaufbeschränkungen.
In einigen Städten werden Vorauflagen gelockert. Shanghai verkürzte im Februar 2026 die erforderliche Vorlaufzeit für den Steuernachweis von drei auf ein Jahr. Qualifizierten ausländischen Käufern erlaubt die Stadt zudem den Erwerb einer zweiten Wohnung.
Die Deed Tax für ausländische Einzelpersonen wurde ab Dezember 2024 auf ein bis zwei Prozent reduziert. Zuvor betrug sie drei bis fünf Prozent.
Gleichwohl warnen Beobachter davor, den chinesischen Immobilienmarkt pauschal als Renditeinvestment aus dem Ausland zu sehen. Kapitalverkehrskontrollen und fallende Preise machen den Markt vorrangig für dauerhaft in China lebende und arbeitende Personen interessanter.
Angespannte Marktlage und Zinspolitik
Der Immobilienmarkt befindet sich seit Ende 2020 in einem anhaltenden Abschwung. Dieser wurde durch Pekings Maßnahmen zur Eindämmung übermäßiger Verschuldung bei Entwicklern ausgelöst. Das System der Vorverkäufe machte im vergangenen Jahr noch 68 Prozent aller Verkäufe neuer Wohnungen aus.
Neue Regeln, wonach Hypotheken erst bei Fertigstellung des Wohnprojekts vergeben werden dürfen, könnten laut Analysten den Cashflow der Bauträger um 40 Prozent reduzieren. Dies belastet die Investitionskapazität. Everbright Securities erwartet dadurch eine beschleunigte Marktkonsolidierung, in der viele kleine Akteure den Markt verlassen müssen.
Prominente Fälle wie der des einst größten Immobilienkonzerns Evergrande und dessen umfangreiche Schulden sind Teil dieser Krise. Evergrande-Gründer Xu Jiayin wurde im August 2026 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Die Investitionen in Immobilien sanken von Januar bis November dieses Jahres um 15,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Preise für Neubauimmobilien fallen seit mehr als drei Jahren. Im September 2026 sanken die Preise im Monatsvergleich um 0,4 Prozent und im Jahresvergleich um 2,2 Prozent. 63 von 70 untersuchten Städten meldeten im September einen Rückgang.
Die Zentralbank reagierte mit einer flexibleren Zinspolitik. Der Hypothekenzins für Erstkäufer lag in 42 Großstädten im September unverändert bei 3,05 Prozent. Der einjährige Loan Prime Rate (LPR) wurde im August 2023 um 10 Basispunkte auf 3,45 Prozent gesenkt.
Im Februar 2024 wurde der fünfjährige LPR von 4,20 Prozent auf 3,95 Prozent reduziert. Die Nettozinsmarge chinesischer Banken lag zuletzt bei 1,41 Prozent und befindet sich damit nahe einem Rekordtief.
Ausblick: Vertrauen als entscheidender Faktor
Die Regierung verfolgt mit den Maßnahmen das Ziel, den Immobilienmarkt zu stabilisieren und die Konjunktur zu stützen. Auf seinem Höhepunkt trug der Immobiliensektor rund 35 Prozent zum BIP bei. Inklusive verbundener Industrien wie Haushaltsgeräten und Baumaterialien macht er noch immer etwa ein Viertel der Wirtschaftsleistung aus.
Robin Xing von Morgan Stanley rechnet für das Gesamtjahr mit einem realen BIP-Wachstum nahe dem unteren Ende der Zielspanne von 4,5 bis 5 Prozent.
Ob die jüngsten Anreize und Lockerungen das Vertrauen der Haushalte nachhaltig zurückbringen und die Nachfrage wiederbeleben, bleibt offen. Der Staatsrat hatte bereits angekündigt, weitere Schritte zur Stabilisierung zu prüfen. Dies deutet darauf hin, dass das aktuelle Paket möglicherweise nur ein erster Schritt ist.
Die Entwicklung der Verkäufe und Preise in den kommenden Monaten wird zeigen, ob Peking eine Trendwende einleiten kann oder weitere Eingriffe nötig sind.







