Koreanische Familienregister inspirieren Web3-Identitätssystem

Das südkoreanische Web3-Unternehmen Chon stellte am 16. September 2026 in Seoul den dezentralen Identitätsdienst „CHON“ vor. Die Plattform ermöglicht eine beziehungsbasierte, gegenseitige Authentifizierung ohne zentrale Instanz. Sie orientiert sich an der über 1.000 Jahre alten Methode der koreanischen Familienregister zur Erstellung präziser Stammbäume.

Dezentrale Authentifizierung statt zentraler Server

Der von Chon entwickelte Dienst nutzt ein Blockchain-basiertes Modell zur Identitätsprüfung. Du authentifizierst Dich und andere Nutzer gegenseitig über eine App, anstatt Deine Identität gegenüber einer zentralen Plattform zu belegen. Dieses Prinzip der „mutual authentication“ bildet die Grundlage des Systems.

Deine persönlichen Daten verbleiben dabei ausschließlich auf Deinem Mobiltelefon. Auf der Distributed Ledger wird lediglich ein Hash – ein digitaler Fingerabdruck der Daten – als Nachweis der Identitätsausstellung gespeichert. Diese Architektur, als „Nothing to Steal“-Struktur bezeichnet, eliminiert nach Angaben des Unternehmens den Anreiz, persönliche Daten durch Angriffe auf zentrale Server zu stehlen.

Shin Geun-young, CEO von Chon, erklärte bei der Präsentation im COEX in Seoul, die Inspiration für den Blockchain-basierten DID-Dienst stamme aus der koreanischen Tradition der Familienregister. Diese ermöglichen seit mehr als 1.000 Jahren durch gegenseitige Bestätigung genaue Stammbäume. Parallel dazu sprach Shin die Herausforderung an, in einer Ära, in der KI-Agenten menschliche Aufgaben übernehmen, die menschliche Identität im Web3 nachzuweisen.

Ziel sei es, die Web3-Ära durch die Verbindung von Individuen als Nachweis menschlicher Identität zu eröffnen.

Sichere Beziehungen und vorgestellte Anwendungen

Die durch gegenseitige Authentifizierung aufgebauten Beziehungen bilden einen sogenannten „Relationship Graph“. Laut Chon ergibt sich daraus ein fälschungssicheres Identitätssystem, da die Identität eines Nutzers im Kontext seiner bestätigten Beziehungen verankert ist. Das Unternehmen hält 24 Patente im Zusammenhang mit gegenseitiger Authentifizierung für Relationship Graphs.

Während der Vorstellung demonstrierte Chon, wie Familienmitglieder einander authentifizieren, um einen digitalen Stammbaum zu erstellen. Ebenfalls vorgestellt wurde die Funktion „Safe Call“. Anrufe von authentifizierten Familienmitgliedern kennzeichnet diese grün, Anrufe von nicht authentifizierten Geräten mit derselben Nummer rot. Dies soll vor mutmaßlichem Voice-Phishing warnen.

Zudem plant Chon, in Zusammenarbeit mit sogenannten Bio Data Corporations einen Gesundheitsinformationsdienst zu entwickeln. Dieser Dienst soll Stammbaum- und Beziehungsdaten mit Biodaten analysieren.

Geschäftsmodell und weitere Schritte

Chon arbeitete sechs Jahre an der Vorbereitung des Dienstes „CHON“. Das Unternehmen erwägt ein Einnahmemodell, bei dem 40 Prozent der Werbeeinnahmen an die Nutzer zurückfließen.

Offene Fragen betreffen die Skalierbarkeit des Relationship Graph für eine breite Nutzerbasis und die Akzeptanz bei Unternehmen und Diensten außerhalb Südkoreas. Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob das Konzept der beziehungsbasierten Identität ein Vorbild für die sichere und private Authentifizierung im Web3 werden kann. Analysten werden beobachten, wie das System die potenziellen Herausforderungen der Datenintegrität bei steigender Nutzerzahl bewältigt und ob es sich als Standard etablieren kann.