Coinbase setzt auf Abu Dhabi: Neuer Tokenisierungs-Hub soll Kapitalmärkte reformieren
Coinbase erweitert seine Präsenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Abu Dhabi fokussiert sich das Unternehmen auf die Tokenisierung von Vermögenswerten. Die Financial Services Regulatory Authority (FSRA) des Abu Dhabi Global Market (ADGM) erteilte Coinbase eine Genehmigung für Finanzdienstleistungen (Financial Services Permission, FSP).
Damit kann Coinbase einen internationalen Tokenisierungs-Hub im ADGM betreiben. Dieser soll traditionelle Finanzanlagen auf die Blockchain bringen und den Zugang zu Kapitalmärkten erweitern.
Strategische Expansion in die VAE
Die Entscheidung, einen Tokenisierungs-Hub im ADGM zu etablieren, ist Teil von Coinbases Expansion in die VAE und ein wichtiger Schritt zur Internationalisierung des Geschäfts. Berichte stellen Abu Dhabi und das ADGM als innovationsfreundlichen Standort für digitale Assets dar. Bereits im Jahr 2018 veröffentlichte der ADGM einen der weltweit ersten Regulierungsrahmen für virtuelle Assets.
Coinbase betont die regulatorische Klarheit des ADGM. Brett Tejpaul, Co-CEO von Coinbase Institutional, erklärte dazu: „Dies ist der bislang bedeutendste Schritt, den wir auf dem Weg zum Aufbau der Infrastruktur für ein offeneres, zugänglicheres globales Finanzsystem unternommen haben.“ Er wies darauf hin, dass der ADGM einen Rahmen geschaffen habe, der tokenisierte Aktien gleichzeitig als Wertpapiere, Blockchain-native Token und DeFi-kompatible Assets behandle.
Arvind Ramamurthy, Chief Market Development Officer beim ADGM, begrüßte die Ansiedlung von Coinbase als Bestätigung für Abu Dhabis Rolle in der Entwicklung globaler Finanzdienstleistungen.
Tokenisierte Wertpapiere und breiterer Zugang
Ziel des Hubs ist es, traditionelle Finanzanlagen wie Aktien auf die Blockchain zu überführen und als tokenisierte Wertpapiere anzubieten. Gemäß der FSRA-Genehmigung sollen diese tokenisierten Wertpapiere vollständig durch zugrunde liegende Aktien gedeckt und unter Aufsicht der FSRA ausgegeben werden. Investoren sollen die digitalen Assets direkt in digitalen Wallets halten können, ohne ein Brokerkonto oder eine Korrespondenzbankbeziehung zu benötigen.
Coinbase weist darauf hin, dass rund vier Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu den Kapitalmärkten haben. Die Tokenisierung soll helfen, solche Zugangsbarrieren abzubauen. Bereits im Dezember 2023 initiierte Coinbase in Abu Dhabi „Project Diamond“, eine Plattform für digitale Schuldtitel für institutionelle Investoren.
Im Juli 2026 tokenisierte Mubadala Capital, der Asset-Management-Arm des Staatsfonds von Abu Dhabi, eine Private-Market-Investmentstrategie auf der Blockchain – unter Beteiligung von Coinbase.
Kontrast zur Situation in den USA
Die Expansion in die VAE steht im Kontrast zu anhaltenden regulatorischen Herausforderungen in den USA. In New York läuft eine Klage der Generalstaatsanwältin Letitia James gegen Coinbase. Sie wirft dem Unternehmen irreführendes Marketing und unerlaubtes Glücksspiel vor. Zugleich reichte Coinbase Klagen gegen die US-Bundesstaaten Connecticut, Illinois und Michigan ein.
Diese Auseinandersetzungen werden in Berichten als Folge unklarer oder restriktiver Regulierung der Digital-Asset-Branche in den USA dargestellt. Die geografische Diversifizierung und die Wahl eines Standorts mit einem klaren regulatorischen Rahmen wie dem ADGM gelten in der Berichterstattung als strategische Antwort auf diese Unsicherheiten. Einige Quellen weisen zudem darauf hin, dass Verzögerungen bei regulatorischen Freigaben in den USA den Handel mit tokenisierten Wertpapieren belasten und Kursrückgänge bei betroffenen Unternehmen bewirken können.
Beobachter wie Owen Lau von Clear Street bezeichnen solche Rückschläge als „speed bump“ für die Tokenisierung.
Marktpotenzial und finanzielle Einblicke
Beratungsunternehmen wie Kearney prognostizieren, dass bis 2030 fast 500 Milliarden US-Dollar an GCC-Assets auf der Blockchain repräsentiert sein könnten. Dieses Potenzial wird in der Berichterstattung als Treiber für Investitionen in Tokenisierung genannt.
Coinbase wies für das zweite Quartal 2026 einen Nettoverlust von 359,47 Millionen US-Dollar aus. Kumulierte Verluste im ersten Halbjahr 2026 lagen demnach bei über 750 Millionen US-Dollar. Die Aktie notierte in den Quellen mit einer Year-to-Date-Performance von etwa minus 34 Prozent.
Analystenschätzungen von Simply Wall St. nennen einen erwarteten Umsatz von rund 8,5 Milliarden US-Dollar bis 2028 bei einem jährlichen Wachstum von 8,3 Prozent. Optimistischere Szenarien sehen bis 2029 Umsätze von etwa 9,6 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von rund 2,9 Milliarden US-Dollar vor.
Ausblick: Die Zukunft der On-Chain-Finanzmärkte
Die Gründung des Tokenisierungs-Hubs in Abu Dhabi bezeichnet Coinbase in der eigenen Darstellung als einen bedeutenden Schritt. Das Unternehmen formuliert damit die Vision, die Kapitalmärkte durch Blockchain-Technologie zugänglicher zu machen. Es wird sich zeigen, in welchem Umfang der Hub die Überführung traditioneller Assets in digitale Form vorantreibt und ob die erwarteten Vorteile in der Praxis realisiert werden.
Ein erfolgreicher Start des Hubs könnte Modellwirkung für andere Finanzzentren und Kryptoanbieter entfalten. Zugleich bleibt die Spannung zwischen Vorstößen in regulierungsfreundlicheren Regionen und den rechtlichen Herausforderungen in etablierten Märkten ein prägendes Thema für die Branche. Marktbeobachter werden die Entwicklung genau verfolgen, um die langfristigen Auswirkungen auf die globale Finanzarchitektur einschätzen zu können.







