Die Kryptobörse Coinbase fordert die Bitcoin-Community auf, sich sofort auf eine Migration zu quantenresistenter Kryptografie vorzubereiten. Zwar stellen Quantencomputer derzeit keine unmittelbare Bedrohung für die Blockchain-Kryptografie dar, doch der Zeitplan für ihre Entwicklung ist ungewiss. Coinbase und sein unabhängiger Beirat für Quantencomputing und Blockchain betonen die Notwendigkeit einer frühzeitigen Vorbereitung, um die Sicherheit von Bitcoin-Beständen langfristig zu schützen.
Quantenrisiko für Bitcoin-Wallets
Eine der größten Schwachstellen in der aktuellen Bitcoin-Kryptografie betrifft Wallets, insbesondere digitale Signaturen. Sollte ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer – ein sogenannter „cryptographically relevant quantum computer“ (CRQC) – entwickelt werden, könnte dieser private Schlüssel aus öffentlich sichtbaren Schlüsseln ableiten. Dies würde es ermöglichen, Bestände zu entwenden.
Google-Forscher prognostizieren die Existenz eines solchen CRQC für das Jahr 2029; andere Forscher nennen 2030 als mögliche Grenze. Das US-National Institute of Standards and Technology (NIST) empfiehlt, die Migration zu Post-Quanten-Kryptografie bis 2035 abzuschließen.
Je nach Berechnung gelten derzeit zwischen etwa 6,9 Millionen und 7 Millionen Bitcoins als quantengefährdet. Rund 1,7 Millionen Bitcoins liegen in älteren Adresstypen (P2PK), bei denen der öffentliche Schlüssel vollständig sichtbar ist. Dazu gehören auch Coins, die Satoshi Nakamoto zugeschrieben werden.
Berücksichtigt man Adressen, die ihren öffentlichen Schlüssel nach einer ersten Transaktion offenlegen, steckt laut einer Quelle etwa 32,7 Prozent des Bitcoin-Angebots in Adressen mit exponiertem öffentlichem Schlüssel.
Technische Lösungen und Governance-Herausforderungen
Aus technischer Sicht gilt die Umstellung auf quantensichere Signaturen als lösbar. Coinbase empfiehlt flexible Post-Quanten-Signaturen, eine schrittweise Einführung, zuverlässige Implementierungen sowie Unterstützung für Einzelnutzer und Institutionen mit Mehrparteien-Sicherheitssystemen.
Das NIST hat bereits quantensichere kryptografische Verfahren standardisiert. Aktuelle Elliptic-Curve-Signaturen sind etwa 64 Byte groß. Hash-basierte Post-Quanten-Signaturen wie SLH-DSA erzeugen Signaturen von rund 8 Kilobyte, etwa 125-mal so groß.
Solche Größenunterschiede könnten den Netzwerkdurchsatz stark beeinträchtigen. Eine einfache Ersetzung heutiger Signaturen durch SLH-DSA würde den Bitcoin-Durchsatz von etwa sechs Transaktionen pro Sekunde auf circa 0,3 Transaktionen pro Sekunde reduzieren. Optimierte Vorschläge wie der SHRINCS-Ansatz von Blockstream zielen auf Signaturen von etwa 324 Byte ab, was immer noch ein Vielfaches der heutigen Größe darstellt.
Die größere Herausforderung sehen Coinbase und sein Beirat in der Koordination und im Konsens innerhalb der dezentralen Bitcoin-Community. Das unabhängige Advisory Board, das Anfang 2026 gegründet wurde, hebt hervor, dass die schwierigste Frage nicht technischer, sondern governance-bezogener Natur ist. Die Debatte um die Blockgröße von 2015 bis 2017 dient als Beispiel, wie kontrovers Bitcoin-Upgrades sein können und wie solche Konflikte zu Community-Spaltungen führen.
Ähnliche Konflikte könnten bei der Frage entstehen, wie mit nicht migrierten oder „verlorenen“ Coins umgegangen werden soll. Coinbase empfiehlt, diese Debatte separat zu führen, um eine Verzögerung allgemeiner Schutzmaßnahmen zu vermeiden.
Die Rolle von Coinbase und nächste Schritte
Coinbase hält aktuell etwa fünf Prozent aller existierenden Bitcoins für seine Kunden und engagiert sich aktiv in der Thematik. Das Unternehmen arbeitet an einem Post-Quanten-Verwahrungssystem und finanziert entsprechende Krypto-Upgrades für Bitcoin. Im Juli 2026 kündigte CEO Brian Armstrong den Start des Bitcoin Security Consortium an.
Zu den genannten Teilnehmern zählen unter anderem BlackRock, Fidelity Digital Assets und Blockstream.
In den nächsten Monaten plant Coinbase, Arbeitsgruppen mit Bitcoin-Core-Entwicklern, Kryptografen und Forschern abzuhalten, um Migrationsstrategien zu diskutieren. Coinbase und sein Advisory Board nennen die Koordination über die fragmentierte Entwicklergemeinschaft hinweg als eine entscheidende Voraussetzung, um die langfristige Sicherheit von Bitcoin vor möglichen künftigen Quantenbedrohungen zu erhöhen. Der Erfolg dieser Bemühungen wird maßgeblich von der Fähigkeit abhängen, einen breiten Konsens innerhalb der Bitcoin-Community zu erzielen und technische Lösungen effizient zu implementieren.
Die Branche verfolgt gespannt, wie die vorgeschlagenen Maßnahmen in die Praxis umgesetzt werden und ob eine gemeinsame Strategie zur Sicherung der Bitcoin-Bestände gelingt.







