Aktuelle Analystenschätzungen signalisieren deutlich angehobene Dividendenaussichten für drei DAX-Werte. Die Nettogewinne der 40 DAX-Konzerne stiegen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 13,5 Prozent auf 68,3 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr zeichnen sich Rekordgewinne ab. Vor diesem Hintergrund rücken die Dividendenaussichten für Anleger in den Fokus.

Für die Commerzbank, Siemens Energy und Hochtief sind die Prognosen für die nächste Dividendenausschüttung seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent gestiegen. Bei der Commerzbank und Siemens Energy liegen die Erhöhungen bei rund 23 beziehungsweise 22 Prozent.

Commerzbank: Dividendenanstieg inmitten von Übernahmespekulationen

Analysten hoben die Dividendenprognose für die Commerzbank seit Jahresbeginn im Schnitt um 23 Prozent an. Aktuell wird eine Dividende von 1,59 Euro je Aktie prognostiziert, welche nach der Hauptversammlung am 19. Mai 2027 ausgeschüttet werden könnte.

Im Frühjahr 2026 gab es bereits eine Ausschüttung von 1,10 Euro je Aktie. Damit wäre dies die fünfte Steigerung in Folge nach einer langen Phase ohne Dividenden infolge der Finanzkrise 2008 und 2009.

Das Institut meldete für das zweite Quartal 2026 einen Nettogewinn von knapp 900 Millionen Euro, für das erste Halbjahr 2026 summierten sich die Gewinne auf 1,8 Milliarden Euro. Die Prognose für das Gesamtjahr liegt bei knapp 3,5 Milliarden Euro. Dies wäre der höchste Wert in der 156-jährigen Geschichte der Commerzbank.

Berichten zufolge treiben das Wertpapiergeschäft und höhere Gebühreneinnahmen aus der Begleitung von Anleiheemissionen diese Entwicklung voran.

Die Aktie der Commerzbank hat seit Jahresanfang um 17 Prozent zugelegt, in den zwei Jahren zuvor hatte sich der Kurs bereits mehr als verdreifacht. Aktuell empfehlen 11 von 19 Experten die Aktie zum Kauf, lediglich zwei raten zum Verkauf. Zu Jahresbeginn lag das Verhältnis noch bei acht Kauf-, neun Halten- und drei Verkaufsempfehlungen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt beim 11,9-fachen des prognostizierten Nettogewinns der nächsten vier Quartale und damit 25 Prozent unter dem Zehn-Jahres-Mittel.

Die Commerzbank steht zudem im Fokus eines Übernahmekampfs mit der italienischen Großbank UniCredit. UniCredit hält nach mehreren Zukäufen knapp 50 Prozent der Commerzbank-Anteile. Die Bundesregierung ist zweitgrößter Aktionär mit einem Stimmrechtsanteil von 12,7 Prozent.

Sie war lange gegen eine Übernahme, inzwischen gibt es einen konstruktiven Dialog. UniCredit-Chef Andrea Orcel schlug vor, die Commerzbank zwei Jahre eigenständig zu belassen und sie dann mit der HypoVereinsbank zusammenzuführen. In dieser Übergangsphase nannte Orcel Einsparungen von 7.000 von 40.000 Stellen, erhöhte Investitionen und eine stärkere Risikovorsorge.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp verfolgt Maßnahmen wie einen Rückkauf eigener Aktien im Volumen von 1,2 Milliarden Euro, um das Angebot an frei handelbaren Aktien zu verknappen und den Übernahmepreis zu beeinflussen.

Siemens Energy: Rekordwerte und Marktentwicklungen durch Energiewende

Fachanalysten hoben die Dividendenprognose für Siemens Energy seit Jahresbeginn im Schnitt um 22 Prozent an. Aktuell wird eine Dividende von 1,97 Euro je Aktie prognostiziert, die nach der Hauptversammlung am 25. Februar 2027 ausgeschüttet werden könnte. Im laufenden Jahr lag die Dividende bei 0,70 Euro. Dies wäre die zweite Steigerung in Folge.

Siemens Energy meldete im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, welches Ende Juni 2026 endete, Rekordwerte bei Umsatz, Gewinn und Profitabilität. Der Auftragsbestand erreichte Ende Juni 162 Milliarden Euro. Die Windkraftsparte Gamesa schrieb im vergangenen Quartal erstmals seit dem ersten Quartal 2022 wieder Gewinne.

Wachstumstreiber sind das Gasturbinen- und Servicegeschäft sowie Technologien für Stromnetze. Der Nettogewinn der ersten neun Monate stieg um 91 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr prognostiziert das Unternehmen einen Rekord-Nettogewinn von 3,8 Milliarden Euro nach 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr.

In den vergangenen zwölf Monaten legte die Aktie um gut 40 Prozent zu. Das KGV liegt bei 23,7 und damit rund 28 Prozent unter dem eigenen Durchschnitt. Die Aktie ist seit September 2020 an der Börse notiert.

Siemens Energy profitiert von der steigenden Stromnachfrage durch Digitalisierung, Rechenzentren und die Energiewende. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass die Spitzenstromnachfrage bis 2035 um rund 40 Prozent steigen wird. Das Geschäft mit großen Technologiekonzernen wie Amazon, Alphabet und Microsoft, die stark in Rechenzentren investieren, ist für Siemens Energy wichtig.

Das Unternehmen liefert Turbinen und erbringt Wartungs- und Serviceleistungen. In den USA steuern Wind-, Solar- und Speicherprojekte auf ein starkes Jahr zu. Im Vorjahr gingen dort über 50 Gigawatt sauberer Kraftwerksleistung ans Netz.

Im ersten Halbjahr 2026 lieferten Wind und Sonne gut ein Fünftel des US-Stroms und überholten damit die Kernkraft. Von 32 Fachanalysten empfehlen 25 die Aktie zum Kauf, lediglich zwei raten zum Verkauf.

Hochtief: Stabile Ausschüttungen durch spezialisiertes Baugeschäft

Für Hochtief stiegen die Dividendenschätzungen seit Anfang Januar 2026 um zehn Prozent. Die Durchschnittsprognose liegt aktuell bei 9,07 Euro je Aktie, die nach der Hauptversammlung am 28. April 2028 ausgeschüttet werden könnte. Im laufenden Jahr erhielten Anleger 6,60 Euro je Aktie, dies wäre die fünfte Erhöhung in Folge.

Hochtief ist im Bau von Straßen, Brücken, Tunneln, Flughäfen, Krankenhäusern und Wolkenkratzern tätig. Das Unternehmen errichtet zudem Anlagen für die Energiewende und ist in weiteren Infrastruktursegmenten aktiv. Berichten zufolge wird die Dividendenentwicklung durch die breit aufgestellten Geschäftsbereiche und eine solide Auftragslage gestützt.

Der spanische Konzern ACS hält rund 80 Prozent der Anteile, etwa 20 Prozent sind frei handelbar.

Ausblick auf kommende Entscheidungen

Die erhöhten Dividendenprognosen für Commerzbank, Siemens Energy und Hochtief spiegeln die derzeitigen Gewinnperspektiven dieser Unternehmen wider. Die jeweiligen Hauptversammlungen, Siemens Energy am 25. Februar 2027, Commerzbank am 19. Mai 2027 und Hochtief am 28. April 2028, werden über die finalen Dividendenvorschläge entscheiden.

Die Entwicklung der Übernahmesituation bei der Commerzbank, insbesondere die Reaktion der Bundesregierung und die weiteren Schritte von UniCredit, bleibt ein zentraler Beobachtungspunkt für den Finanzmarkt. Bei Siemens Energy werden künftige Quartalsergebnisse und die Entwicklung der Windkraftsparte Gamesa Hinweise auf die Nachhaltigkeit der Erholung liefern. Analysten beobachten zudem die Auswirkungen der Energiewende und des Ausbaus der Dateninfrastruktur auf Auftragslage und Margen des Unternehmens.