Im ländlichen Delaware County, Iowa, beeinflusst eine bevorstehende Entscheidung das lokale Zusammenleben. Eine Bitcoin-Mining-Anlage, betrieben von Compass Mining westlich von Hopkinton, erzeugt Lärm und wirft Fragen zum Energiebedarf auf. Das County Board of Supervisors soll über die Umwidmung des landwirtschaftlich genutzten Grundstücks in „Light Industrial Use“ befinden.

Die Entscheidung in Delaware County setzt einen Präzedenzfall für die Debatte um Krypto-Infrastruktur in ländlichen Regionen. Sie zeigt die Spannungen zwischen wirtschaftlichen Interessen und lokalen Bedürfnissen.

Lokale Widerstände gegen Rechenzentren

Die Anlage von Compass Mining entstand auf landwirtschaftlichem Grund und benötigt für den dauerhaften Betrieb eine formelle Umwidmung. Das County Board of Supervisors stimmt innerhalb der nächsten 30 Tage über den Antrag ab. Die County Zoning Commission empfahl die Ablehnung des Umwidmungsantrags.

Anwohner wie Randy Fitzgerald und Amy Kropf berichten von erheblicher Lärmbelästigung durch die Kühlgebläse der Computer. Fitzgerald vergleicht den Lärm mit einem Düsentriebwerk und fordert die Stilllegung der Anlage. Kropf kritisiert den permanenten Geräuschpegel, der die Lebensqualität beeinträchtige.

Während der Umwidmungsprüfung darf Compass Mining den Betrieb fortsetzen. Die Pachtgeber des Farmlands, Dan und Dale Hush, unterzeichneten einen Fünfjahres-Leasingvertrag mit Compass Mining und betrachten die Anlage als „Gelegenheit“. Sie warnen, eine Ablehnung könne das County im Wettbewerb mit Nachbarregionen benachteiligen.

Bedenken zu Wasser- und Stromverbrauch widersprechen sie; im Leasingvertrag seien keine gefährlichen Materialien zugelassen.

Der hohe Energiebedarf von Bitcoin

Bitcoin-Mining validiert Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk und erzeugt neue Bitcoins. Dafür kommen leistungsstarke ASIC-Computer zum Einsatz, die im Rahmen des Proof-of-Work-Konsensverfahrens komplexe Rechenaufgaben lösen. Dieser Prozess ist energieintensiv.

Untersuchungen belegen, dass der Energieverbrauch des Bitcoin-Systems das Niveau ganzer Staaten erreichen kann. Eine Studie der Universität Witten/Herdecke vergleicht den Verbrauch mit dem Polens. Die University of Cambridge schätzte den jährlichen Stromverbrauch im Mai 2022 auf das Niveau Argentiniens oder der Tschechischen Republik.

Alex de Vries vom Digiconomist bezifferte den Verbrauch 2021 auf 77 Terawattstunden jährlich. Dies entspreche etwa der Hälfte des Verbrauchs aller Rechenzentren weltweit, so seine Einschätzung.

Die US Energy Information Administration (EIA) schätzt, dass Krypto-Mining zwischen 0,6 und 2,3 Prozent des gesamten US-Jahresstromverbrauchs ausmachen könnte. Ein hoher und unvorhersehbarer Bedarf kann lokale Stromnetze belasten und die Stromkosten für Anwohner erhöhen. In Texas wurde in diesem Zusammenhang ein jährlicher Kostenanstieg für Anwohner von 1,8 Milliarden US-Dollar genannt.

Neben dem Energiebedarf stellen Lärmemissionen durch Hochgeschwindigkeitslüfter einen zentralen Kritikpunkt dar. Der Lärm kann laut Berichten kilometerweit hörbar sein. Bitcoin-Mining erzeugt zudem jährlich große Mengen Elektroschrott, vergleichbar mit dem Niveau der Niederlande.

Die spezialisierten ASICs haben eine begrenzte Lebensdauer. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zur Stromerzeugung führt zu CO2-Emissionen; eine einzelne Bitcoin-Transaktion beziffert eine Quelle mit einem Fußabdruck von 428 Kilogramm CO2.

Pro und Contra: Bitcoin-Mining und die Energiewende

Befürworter betonen, Mining-Anlagen könnten als flexible Stromabnehmer fungieren. Sie ließen sich schnell hoch- und herunterfahren, nähmen überschüssigen Strom auf und könnten so Netze stabilisieren. Solche Anlagen könnten die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Erzeuger verbessern, etwa bei negativen Strompreisen.

Ein konkretes Beispiel ist ein Projekt von Stackforest in Melle, Niedersachsen. Dort wird überschüssiger Fotovoltaik-Strom in einer 150-kW-Mining-Anlage in nutzbare Wärme und Bitcoin umgewandelt. Matthias Kief, Unternehmer hinter dem Projekt, verweist auf diese wirtschaftlichen Anreize.

Kritiker halten diese Effekte für kurzfristig. Maximilian Gill von der Universität Witten/Herdecke warnt, die Möglichkeit, überschüssige Energie direkt für Mining zu nutzen, könne den Druck mindern, in Speichertechnologien und Netzausbau zu investieren. Dies könnte die Energiewende langfristig verzögern.

Elon Musk äußerte 2021 Bedenken über den steigenden Einsatz fossiler Brennstoffe beim Bitcoin-Mining. Er setzte temporär Bitcoin-Zahlungen für Tesla aus.

Politische Einflussnahme und alternative Ansätze

Die Debatte besitzt eine politische Dimension. Der Satoshi Action Fund veröffentlichte einen Gesetzesentwurf, der früher „Right to Mine“ hieß und nun „Blockchain Basics“ genannt wird. Der Entwurf sieht unter anderem vor, Kommunen das Erlassen von Bebauungs- und Lärmschutzverordnungen für Krypto-Mining-Operationen zu verbieten und die Aufsicht von Versorgungsregulierungsbehörden einzuschränken.

Mandy DeRoche von Earthjustice kritisiert die mangelnde Transparenz bezüglich des Energieverbrauchs der Mining-Industrie. Joseph DeCarolis von der EIA betont die Dringlichkeit, verlässliche Daten zu diesem sich schnell verändernden Thema zu gewinnen.

Andere Kryptowährungen, etwa Ethereum, planen den Umstieg von Proof-of-Work auf Proof-of-Stake. Dies würde nach Angaben der Quellen den Energieverbrauch um mehr als 99,9 Prozent reduzieren. Zudem prognostiziert Denis Rusinovich eine Entwicklung hin zur Tauchkühlung von Mining-Hardware.

Dabei gehe die Abwärme nicht in die Luft, sondern könne beispielsweise für Fischfarmen oder zum Heizen genutzt werden.

Ausblick: Ein Präzedenzfall für die Krypto-Infrastruktur

Die Entscheidung des County Board of Supervisors in Delaware County wird mit Spannung erwartet. Die Empfehlung der Zoning Commission, den Umwidmungsantrag abzulehnen, zeigt bestehenden Widerstand gegen die aktuelle Betriebspraxis.

Unabhängig vom Ausgang des Falls verdeutlicht die Debatte die wachsende Spannung zwischen den Potenzialen der Krypto-Technologie und ihren Umweltauswirkungen. Die Präsenz von Mining-Anlagen im ländlichen Raum stellt Kommunen vor Fragen zu Landnutzung, Umweltauflagen und Energiepolitik. Ob sich Gesetze wie „Right to Mine“ regional oder national durchsetzen, bleibt offen.

Die Entwicklung hin zu energieärmeren Konsensmechanismen und zu integrierten Lösungen zur Wärmenutzung betrachten Beobachter als relevant für die Akzeptanz und Nachhaltigkeit der Branche. Investoren und Technologieanbieter beobachten diese Entwicklungen, weil sie die Rahmenbedingungen für künftige Investitionen im Mining-Sektor beeinflussen.