SEO im Wandel: Supplement-Branche benötigt laut Studie keine eigene KI-Suchstrategie
Marken aus der Nahrungsergänzungsmittelbranche benötigen nach einer aktuellen Studie von Content Stream keine separate KI-Suchstrategie, um in KI-Suchergebnissen wie AI Overviews oder ChatGPT sichtbar zu sein. Die Untersuchung stellt eine starke Korrelation zwischen organischer Suchmaschinen-Performance und der Sichtbarkeit in KI-Ergebnissen fest. 97 Prozent der analysierten Supplement-Websites erscheinen bereits in AI Overviews oder ChatGPT-Ergebnissen. Dies liegt laut Bericht über dem Durchschnitt anderer Branchen.
Organische SEO als Schlüssel zur KI-Sichtbarkeit
Der „2026 Supplement Industry SEO Report“ von Content Stream basiert auf Ahrefs-Daten vom Juli und analysiert 116 US-amerikanische Supplement-Websites. Dazu gehören große Einzelhändler, D2C-Anbieter und etablierte Hersteller. Die Studie zieht daraus den Schluss, dass gute organische SEO eng mit KI-Sichtbarkeit verknüpft ist.
Der Report formuliert es so: „AI visibility is a result of good SEO strategy, and brands don’t need a separate strategy. If you’re ranking well organically, you’re likely already showing up in AI results.“
Als wahrscheinliche Erklärung nennt die Studie den Inhaltstyp. „Content type is the most likely explanation. Supplement brands rank for everyday queries—ingredients, dosages, product comparisons—that buyers in the awareness stage will ask AI chatbots.“
Inhaltliche Strategie und der Mythos des informativen Contents
Die Studie thematisiert den verbreiteten Glauben, SEO-Content müsse primär informieren und erst sekundär verkaufen. Diese Annahme stellt sie infrage. Matthew Iyiola, Co-Founder und SEO Strategist bei Content Stream, wird dazu mit den Worten zitiert: „This is no longer true, and hasn’t been for a while.“
Marken, die überwiegend informative Inhalte wie How‑to‑Guides, Ingredient‑Breakdowns oder Bildungsblogs produzieren, generieren laut Analyse fast dreimal weniger organischen Traffic pro Keyword. Dies im Vergleich zu Marken mit einem ausgewogenen Mix aus informativen, kommerziellen und transaktionalen Inhalten. Seiten mit starkem informativem Fokus verzeichnen dem Bericht zufolge durchschnittlich 8.400 monatliche Besuche.
Ausgewogenere Content-Strategien erreichen im Schnitt 46.900 monatliche Besuche.
Die Studie weist zudem darauf hin, dass Autoren-Credentials und ein Übermaß an rein informativen Inhalten nicht automatisch zu mehr organischem Traffic führen. Klare Quellenangaben sind zwar wichtig, erreichen aber nicht dasselbe Ergebnis wie ein ausgewogener Content-Mix.
Zusammenspiel von bezahlter und organischer Suche
Die Analyse entkräftet die Vorstellung, organische Suche könne die bezahlte Suche irgendwann ersetzen. Daten von 85 Marken, die bezahlte Suche betreiben, zeigen, dass bezahlter und organischer Traffic zusammenwachsen. Marken mit der besten organischen Performance investieren dem Bericht zufolge auch am meisten in bezahlte Werbung.
Oft ist dies doppelt so viel wie der Branchendurchschnitt. Die Top 20 der organisch erfolgreichsten Performer erhalten 13,6 Prozent ihres Traffics aus bezahlter Suche. Dies ist ein höherer Wert als der Durchschnitt von 6,6 Prozent.
Der Report fasst zusammen: „If you’re waiting for your organic traffic to get strong enough to pull back on paid, the data suggests that moment may never come.“ Er stellt weiter fest: „The biggest supplement brands treat both channels as a big part of their overall strategy.“
Markentraffic: Qualität statt Quantität
Die Studie analysiert auch den Anteil des Markentraffics. Dies sind Suchanfragen, die Markennamen, Varianten und Tippfehler enthalten. Matthew Iyiola erklärt gegenüber Marketing Daily: „Branded traffic refers to keywords being brand names, variations, and misspellings.“
Ein hoher Anteil an Markentraffic, der durch starke Offsite-Bekanntheit entsteht, ist vorteilhaft. Ein hoher Markenanteil, der aus einer schwachen organischen Präsenz resultiert, ist hingegen problematisch. Als Beispiele für kleine Seiten mit hohem Markenanteil nennt die Analyse nutrabolt.com (93,3 Prozent) und americanmetabolix.com (100 Prozent).
Top-Supplement-Seiten erzielen dem Bericht zufolge etwa 80 Prozent ihres Traffics aus nicht-markenbezogener Suche. Die 20 Websites mit dem geringsten Traffic weisen durchschnittlich 54 Prozent Markentraffic auf. Bei den 20 Websites mit dem höchsten Traffic sind es demgegenüber rund 20 Prozent.
Der Report folgert, dass eine breite organische Präsenz für nachhaltiges Wachstum wichtig ist.
Herausforderungen und nächste Schritte für die KI-Sichtbarkeit
Eine ergänzende Perspektive liefert Michael Rueckert von Centium in einem LinkedIn-Beitrag. Er argumentiert, dass KI-Sichtbarkeit nicht eins zu eins wie traditionelles SEO behandelt werden sollte. Rueckert stellt fest, dass Zitierungen direkt auf Marken- oder Wettbewerbswebsites nur einen Bruchteil von 13 Prozent der Informationsquellen für KI-Modelle ausmachen.
KI-Modelle nutzen demnach stärker Medienquellen, Bewertungsplattformen und wissenschaftliche Forschung. Blog-Posts allein reichen nicht aus, um KI-Modelle maßgeblich zu beeinflussen. Eine Vielzahl externer Quellen ist notwendig.
Daraus folgt laut Rueckert, dass Marken über klassische SEO-Maßnahmen hinaus in PR, die Präsenz in relevanten Branchenmedien, Kundenbewertungen auf öffentlichen Plattformen und die Pflege von Unternehmenseinträgen auf Drittanbieter-Sites investieren sollten.
Parallel dazu zeigen Umfragen und Marktwerte eine gemischte Wahrnehmung der KI-Suche. Zwei Drittel der Verbraucher gehen davon aus, dass KI die Suche in den nächsten fünf Jahren ersetzen wird. Zugleich machen KI-Chatbots aktuell nur 2,96 Prozent des Suchmaschinen-Traffics aus. 82 Prozent der Verbraucher empfinden KI-gestützte Suche als hilfreicher als traditionelle SERPs. 78 Prozent der Marketer und 68 Prozent der Verbraucher äußern zugleich Sorgen über potenzielle Fehlinformationen.
Viele Marketer nutzen bereits KI-Tools in ihren Workflows und berichten, dadurch Zeit zu sparen.
Analysten beobachten nun, wie Marken diese Erkenntnisse über die Verknüpfung von organischer Reichweite und KI-Sichtbarkeit in ihre Marketingbudgets und Content-Strategien integrieren. Die Studie von Content Stream liefert eine neue Grundlage, um die Effektivität bestehender SEO-Maßnahmen im Hinblick auf zukünftige KI-Suchlandschaften zu bewerten. Dies könnte zu einer Neuausrichtung von Investitionen führen, insbesondere in Bereiche jenseits der reinen On-Page-Optimierung, um eine breitere externe Präsenz sicherzustellen.







