New York, 22. September 2026 – Cornell Tech präsentiert die neue Kohorte des Runway Startup Program am Roosevelt Island Campus. Insgesamt dreizehn Startups wurden im Herbst 2026 aufgenommen. Viele der Neugründungen fokussieren auf Anwendungen Künstlicher Intelligenz (KI), darunter Projekte in den Biowissenschaften und in klinischen Anwendungsfeldern.
Die Ventures verteilen sich auf drei Programme des Jacobs Technion-Cornell Institute an der Cornell Tech: das Runway Startup Postdoc Program, das Spinouts Program und das neue Runway Pilot Program for Technology Founders. Die Projekte der Startups reichen von zugänglicher Kommunikation über klinische Ausbildung, Robotik und Finanztechnologie bis zu Biowissenschaften und KI.
KI als Katalysator in der klinischen Praxis
Mehrere Startups der Runway-Kohorte entwickeln KI-basierte Technologien mit Anwendungen in klinischen Prozessen. Pehuén Moure (Understood) arbeitet an personalisierten KI-Sprachmodellen für Menschen mit Sprachstörungen. Die Technologie soll in unter dreißig Minuten trainierbar sein, sich an Stimmveränderungen anpassen und Kliniker mit Werkzeugen zur Bewertung und Fortschrittsverfolgung unterstützen.
Dawei Liang (Cool Labs Inc.) entwickelt einen KI-Workflow zur Analyse von Echtzeit-Daten aus klinischen Studien. Er unterstützt Biotechnologie-Teams bei der Interpretation von Ergebnissen, der Erstellung von Prognosen und der Kommunikation des Wertes eines Studien-Assets. Louis Paone (Instant Bio Inc.) baut patientenbasierte Zellmodelle für die präklinische Arzneimittelforschung.
Die Organoid-on-Chip-Plattform ist für automatisierte Labore konzipiert und soll Forschern helfen, die Leistung potenzieller Medikamente in Patienten besser vorherzusagen.
Yann Hicke (MedSimAI) zielt auf die Skalierung klinischer Praxis und Bewertung für Gesundheitsfachschulen ab. Fakultäten entwerfen Lernerfahrungen und Bewertungskriterien, während Studierende mit KI‑simulierten Patienten üben und sofortiges Feedback von KI-Lehrern erhalten.
Unterstützung bei Blutgerinnungsstörungen und Herzinsuffizienz
Zwei Spinouts der Cornell Tech adressieren spezifische klinische Probleme. CoagHealth, gegründet von Medi Tolou und Cara Shi, entwickelt eine KI-gestützte klinische Entscheidungsunterstützungsplattform. Diese nutzt routinemäßige Bluttests und proprietäre Gerinnungssignale, um Patienten mit dem Risiko lebensbedrohlicher Blutgerinnsel zu identifizieren.
Die Plattform entstand in Zusammenarbeit mit Weill Cornell Medicine, wird in einer klinischen Studie evaluiert und ist für die Integration in elektronische Krankenhausakten konzipiert.
MedComm Health Inc., gegründet von Royi Rozen, Rishabh Patel und Brock Daniels, baut eine KI-gestützte Follow-up-Plattform für Herzinsuffizienz-Patienten nach der Entlassung. Ihr KI-Agent „Heather“ kommuniziert per Sprache und Textnachricht in über fünfzehn Sprachen und alarmiert Kliniker über ein Dashboard, wenn ein Patient Aufmerksamkeit benötigt.
Diese Initiativen stehen in einem weiteren Kontext: Agentic AI und andere KI-Anwendungen automatisieren administrative Prozesse und orchestrieren klinische Arbeitsabläufe. Schätzungen zufolge entfallen etwa ein Viertel der fast vier Billionen US-Dollar, die jährlich im US-Gesundheitswesen ausgegeben werden, auf administrative Kosten.
Programminitiativen und Förderlandschaft
Fernando Gómez-Baquero, Director of Runway and Spinouts an der Cornell Tech, betont, dass die diesjährige Kohorte zu den vielfältigsten gehört und das Potenzial von KI zur Transformation von Branchen unterstreicht. Er sieht darin zudem einen wichtigen Meilenstein für das Programm, da die Zusammenarbeit mit Kollegen in Ithaca und Weill Cornell vertieft wird. Dies etabliere Runway weiter als vereinende Kraft für Unternehmertum innerhalb von Cornell.
Das Runway Startup Postdoc Program unterstützt Gründer von führenden Universitäten und Forschungseinrichtungen dabei, technische Forschung in skalierbare Unternehmen zu überführen. Teilnehmende des Programms erhalten über zwei Jahre bis zu 325.000 US-Dollar Unterstützung. Dies umfasst Gehalt, Forschungsförderung, Campus‑Arbeitsplätze, Registrierung sowie die Nutzung von geistigem Eigentum und Mentoring durch Cornell Tech‑Dozenten und Branchenberater.
Das neue Runway Pilot Program for Technology Founders ist ein universitätsweites Pilotprojekt, das das Runway Startup Program und das Ignite‑Programm des Cornell Center for Technology Licensing zusammenbringt. Es wird vom Office of the Vice Provost for Entrepreneurship, Innovation and External Engagement gesponsert. Ziel ist es, Best Practices, Mentoring- und Ausbildungsangebote für Gründer zu erweitern sowie die Verbindungen zwischen den Gründerszenen von Cornell in New York City und Ithaca zu stärken.
Marktumfeld und weitere Entwicklungen
Die Finanzierungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich KI und MedTech sind sichtbar. Die globale klinische KI‑Plattform Heidi hat eine Finanzierungsrunde über 340 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Das Unternehmen gibt an, einen jährlichen wiederkehrenden Umsatz (ARR) von fünfzig Millionen US-Dollar erreicht zu haben.
Heidi erweitert seine Angebote von klinischer Dokumentation hin zu überwachten agentischen Workflows und bietet Produkte wie Heidi Evidence, Remote (ein tragbares klinisches Mikrofon) und Dictate (Sprache‑zu‑Text) an.
Anthropic hat ein physisches Biologie‑Labor in der San Francisco Bay Area eingerichtet, um die Arbeiten im Bereich Arzneimittelwissenschaften voranzutreiben. Ein Vertreter von Anthropic betonte, dass reale Laborarbeit weiterhin notwendig sei und das Labor nicht primär der Arzneimittelentdeckung dienen solle. Anthropic bietet zudem Dienste und Tools für Pharmaunternehmen an, darunter Partnerschaften mit Firmen wie Genentech, Bristol Myers Squibb und Novo Nordisk.
Roche und Genentech haben in Boston ein Forschungs‑ und Entwicklungszentrum eröffnet. Es konzentriert sich auf Herz‑Kreislauf-, Nieren‑ und Stoffwechselerkrankungen und bringt Forscher in Arzneimittelentdeckung, klinischer Entwicklung, KI und Datenwissenschaft zusammen. Boehringer Ingelheim kündigte eine Partnerschaft mit Envisagenics an, die Boehringer finanzielle Verpflichtungen von mehr als einer Milliarde US‑Dollar vorsehen könnte.
Ausblick auf die weitere Entwicklung
Die Runway‑Kohorte sowie Entwicklungen bei Unternehmen wie Heidi und Kooperationen zwischen Technologie‑ und Pharmafirmen zeigen eine verstärkte Ausrichtung auf KI‑gestützte Anwendungen im Gesundheitswesen. Die Integration von KI‑Systemen in klinische Workflows dürfte weiter voranschreiten. Beispiele hierfür sind die Erhöhung der Effizienz in administrativen Abläufen und die Unterstützung klinischer Entscheidungsprozesse.
Analysten beobachten besonders die Entwicklung sogenannter "Agentic AI", die Arbeitsabläufe orchestrieren und administrative Aufgaben automatisieren kann.
Für Startups und etablierte Akteure bleibt die Validierung der Skalierbarkeit und der klinischen Wirksamkeit eine zentrale Herausforderung. Die Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen wie Cornell Tech und der Industrie wird als wesentlich für die erfolgreiche Marktreife und die Integration neuer Technologien in Gesundheitssysteme angesehen.







