Das US-Rüstungsunternehmen Covenant hat seine neue Produktionshalle im Leipziger Norden bezogen. Ab dem ersten Quartal 2027 plant das 2024 gegründete Unternehmen dort die Serienfertigung von Mittelstreckenraketen. Leipzig wird damit zum weltweit größten Produktionsstandort von Covenant, noch vor den Werken in Texas und Israel.

Massenproduktion für Marschflugkörper

Covenant operierte nach seiner Gründung im Jahr 2024 zunächst zwei Jahre im „Stealth Mode“. Erst danach wurden die Expansionspläne nach Deutschland öffentlich. Die Serienfertigung des Marschflugkörpers „Anthem“ soll im ersten Quartal 2027 anlaufen.

Covenant strebt zunächst eine Produktionskapazität von 1.000 Einheiten pro Jahr an. Dieses Ziel will das Unternehmen bis 2028 auf bis zu 5.000 Stück jährlich erhöhen.

Der Standort Leipzig würde damit die Kapazität traditioneller Rüstungshersteller übertreffen. Raytheon fertigt etwa aktuell rund 100 Tomahawk-Marschflugkörper pro Jahr.

Die „Anthem“-Marschflugkörper haben eine Reichweite von mehr als 1.500 Kilometern und einen Gefechtskopf von über 200 Kilogramm. Sie sind für „Deep Precision Strike“-Einsätze konzipiert. Covenant nennt einen Zielpreis im sechsstelligen US-Dollar-Bereich pro Flugkörper. Dies liegt unter dem Marktniveau vergleichbarer Systeme wie dem Tomahawk.

Hoher Bedarf und politische Unterstützung

Die Bundeswehr zeigt Interesse an der raschen Beschaffung weitreichender Waffensysteme. Gespräche zwischen Covenant und dem deutschen Verteidigungsministerium laufen bereits. Der Leipziger Bundestagsabgeordnete Jens Lehmann (CDU), Mitglied im Verteidigungsausschuss, betonte, genau diese Marschflugkörper fehlten in ausreichender Menge.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Wirtschaftsminister Dirk Panter begrüßen das Ansiedlungsprojekt in Leipzig. Die lokale Fertigung soll die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferketten reduzieren. Weniger als fünf Prozent der Zulieferteile sollen aus außereuropäischen Quellen stammen.

Die meisten Komponenten kommen nach Angaben des Unternehmens aus Deutschland und anderen europäischen Ländern.

Covenant hat eigenen Aussagen zufolge bereits einen Vertrag für „Anthem“ in Europa abgeschlossen. Erste Lieferungen erwartet das Unternehmen Anfang 2027.

Finanzierung und Personal

Covenant hat über drei Finanzierungsrunden 250 Millionen US-Dollar eingesammelt. Quellen nennen in diesem Zusammenhang sowohl 250 Millionen Euro als auch 250 Millionen US-Dollar. Zu den genannten Investoren gehören Andreessen Horowitz, Founders Fund (zu dem auch Peter Thiel gehört), sowie Lux, 8VC, Aleph, Lightspeed und Altimeter Capital.

Das Unternehmen beschäftigt aktuell 200 Mitarbeiter. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe wurden 29 Positionen ausgeschrieben, davon sieben in Deutschland. Perspektivisch sollen in Leipzig bis zu 250 Arbeitsplätze entstehen. Michael Kaufman ist Co‑Gründer und CEO von Covenant. Zum Gründerteam gehört Offir Harnoy, der in den Quellen als Chefingenieur des israelischen Iron Dome‑Programms genannt wird.

Die Produktionsstätte liegt in einem Industriegebiet im Norden von Leipzig, nahe dem Flughafen Leipzig‑Halle. Die Anlage soll keine Explosivstoffe handhaben und fällt daher unter die Bestimmungen für Metallverarbeitungsbetriebe.

Offene Fragen und nächste Schritte

Die genaue Zusammensetzung und Währung des 250‑Millionen‑Finanzierungsvolumens ist in den Quellen uneinheitlich. Einige Aussagen sprechen von Euro, andere von US‑Dollar. Auch die konkrete Zuordnung der Leipziger Stellen zur Gesamtbelegschaft ist nicht eindeutig geklärt.

Covenant machte keine detaillierten Angaben dazu, wo die Integration von Treibstoff und Sprengköpfen für europäische Einheiten erfolgen wird. Die Leipziger Anlage soll diese Komponenten nicht handhaben. Die Bezeichnung „Rüstungs‑Startup“ wird in den Quellen verwendet.

Zugleich werfen die Größe der Finanzierung und die geplanten Produktionskapazitäten Fragen zur üblichen Definition von Startups auf.

Die ersten Lieferungen der „Anthem“-Marschflugkörper an europäische Kunden werden für Anfang 2027 erwartet. Weiteres Augenmerk gilt der Entwicklung der Produktionskapazitäten in Leipzig und dem Fortgang der Gespräche mit dem Verteidigungsministerium. Analysten beobachten, inwiefern Covenant seine ambitionierten Produktionsziele erreichen und sich als wichtiger Akteur im europäischen Rüstungsmarkt etablieren kann.