Das Berliner Biotech-Startup Cultimate Foods, spezialisiert auf zellkultivierte Fettzutaten für pflanzliche Fleischalternativen, hat seinen Betrieb eingestellt. Das Unternehmen stellte bereits im April 2026 einen Insolvenzantrag und versuchte eine finanzielle Restrukturierung, um den Betrieb zu retten. Trotz dieser Bemühungen scheiterte die Sanierung.
Die Schließung reiht sich in einen Trend finanzieller Schwierigkeiten im zellkultivierten Fleischsektor ein.
Kultiviertes Fett für den pflanzlichen Markt
Cultimate Foods wurde 2022 gegründet, wobei eine Quelle auch 2021 als Gründungsjahr nennt. Das Startup konzentrierte sich auf die Entwicklung von zellkultivierten Schweine- und Rinderfettzellen unter den Produktnamen CultiSense oder CultiFat. Diese Zutaten sollten pflanzlichen Fleischalternativen einen authentischen Fleischgeschmack sowie verbesserte Saftigkeit und Textur verleihen.
Ziel war es, den Geschmack von Schweine- und Rindfleisch ohne Tierhaltung nachzubilden. Das Unternehmen agierte als B2B-Anbieter und wollte seine Fettzutaten an andere Lebensmittelproduzenten liefern.
Die Technologie umfasste die Entwicklung eigener unsterblicher Zelllinien für Rind- und Schweinefett. Diese Zellen wurden anschließend in Bioreaktoren in proprietären Kulturmedien gezüchtet. Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten fanden unter anderem in Laboren der Life Science Factory in Göttingen sowie im BioCube in Berlin statt.
Eine langfristige Partnerschaft mit der Leibniz Universität Hannover unterstützte zudem die Skalierung der Prozesse. Eugenia Sagué, Mitgründerin und Managing Director, betonte bei der Gründung moralische Motive für das Unternehmen. Sie sprach davon, eine wegweisende Technologie zu etablieren, um schmackhafte Fleischalternativen massentauglich zu machen.
Finanzierungsbemühungen und Investorenrückzug
Cultimate Foods absolvierte mehrere Finanzierungsrunden. Insgesamt wurden nach unterschiedlichen Angaben rund 2,61 Millionen US-Dollar, 2,5 Millionen US-Dollar oder mehr als drei Millionen Euro akquiriert. Im April 2024 schloss das Unternehmen eine Seed-Finanzierungsrunde über 2,3 Millionen Euro ab.
Leadinvestor der Seed-Runde war der High-Tech Gründerfonds (HTGF). Weitere Investoren der Runde waren der Life Science Valley Wachstumsfonds, die b.value AG, Kale United und Big Idea Ventures. Zu den Pre-Seed-Investoren zählten Big Idea Ventures und ProVeg International.
George Zheleznyi, Mitgründer und Managing Director, hob die Validierung des technischen Ansatzes und der Teamleistung durch den Abschluss der Seed-Runde hervor.
Im November 2024 erhielt das Unternehmen eine Förderung vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Land Niedersachsen. Diese Mittel waren für ein Projekt zum Aufbau einer skalierbaren Produktionsplattform vorgesehen. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags im April 2026 beschäftigte Cultimate Foods rund 21 Mitarbeitende.
Im August 2026 stellte das Unternehmen seinen Betrieb endgültig ein.
Herausforderungen im zellkultivierten Fleischsektor
Die Schließung von Cultimate Foods ist symptomatisch für die aktuellen Turbulenzen in der zellkultivierten Lebensmittelindustrie. Investitionen in den Sektor gehen zurück: 2025 lagen die Finanzierungen bei 74 Millionen US-Dollar. Dies entsprach nahezu der Hälfte des Vorjahreswerts und etwa einem Zwanzigstel des Höchststands von 2021.
Dieser Rückgang erschwert Startups die Finanzierung der hohen Kosten für Forschung, Entwicklung und Skalierung.
Jordi Morales-Dalmau, Co-Founder und CTO von Cultimate Foods, äußerte sich nach der Schließung enttäuscht: „The company didn't become what we hoped it would become. That hurts.“ Zugleich betonte er, dass das Team wertvolle Erfahrungen im Aufbau von Technologie, Teams und im Fundraising gesammelt habe.
Das Unternehmen meldete zudem eine Patentanmeldung („Methods for the fabrication of 3d-structured edible fat using plant-based scaffolds“ mit Anmeldedatum 24. November 2023) und verwies auf erzielte wissenschaftliche Arbeit. Vor der Schließung lag der Fokus auf Märkten wie Singapur und den USA, in denen zellkultivierte Produkte bereits zugelassen sind, sowie auf der Schweiz und dem Vereinigten Königreich, wo keine EFSA-Zulassung erforderlich ist.
Ausblick: Eine Branche im Wandel
Die Insolvenz von Cultimate Foods fällt in ein Umfeld, in dem Analysten eine Konsolidierung im Food-Tech-Sektor beobachten. Es stellt sich die Frage, welche Geschäftsmodelle sich als widerstandsfähiger erweisen. Die hohen Kapitalkosten und langen Entwicklungszyklen treffen auf ein schwieriges Finanzierungsumfeld.
Offen bleibt, welche Akteure ausreichend Kapital und politische Unterstützung finden, um Marktreife und Skalierbarkeit zu erreichen. Die Branche steht vor der Herausforderung, innovative Technologien unter zunehmendem finanziellen Druck zur kommerziellen Anwendung zu bringen.







