Der Gesundheitssektor erlebt eine Zunahme von Cyberangriffen. Im Jahr 2022 waren Gesundheitsorganisationen wöchentlich 1.426 Attacken ausgesetzt, eine Steigerung um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die finanziellen Auswirkungen sind erheblich: Eine Datenschutzverletzung im Gesundheitswesen kostet durchschnittlich 10,10 Millionen US-Dollar, ein Anstieg von 42 Prozent innerhalb von zwei Jahren.

Der deutsche E-Health-Anbieter HelloBetter meldet nun ebenfalls einen Datenabfluss nach einem Cyberangriff.

Dieser Vorfall bei HelloBetter reiht sich in eine Serie von Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen ein. Gesundheitsorganisationen verwalten sensible Patientendaten und sind oft Teil kritischer Infrastrukturen. Diese Faktoren machen sie zu attraktiven Zielen für Cyberkriminelle.

Die wachsende Bedrohungslage im Gesundheitswesen

Im ersten Halbjahr 2026 identifizierten Experten sechsmal mehr Lieferkettenrisiken im Gesundheitswesen als im Vorjahreszeitraum. Fast zwei Drittel dieser Risiken betrafen kritische oder hochgradige Schwachstellen.

Prominente Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit verdeutlichen das Ausmaß. Die britische Softwarefirma Craneware, die nach eigenen Angaben über 2.000 Gesundheitseinrichtungen betreut, verzeichnete im Juli 2026 einen Diebstahl von Kundendaten. Im Februar 2024 wurde Change Healthcare, eine Tochtergesellschaft von UnitedHealth, Ziel eines massiven Ransomware-Angriffs.

Berichten zufolge steckte die BlackCat-Ransomware-Gruppe dahinter; persönliche, finanzielle und gesundheitsbezogene Daten von etwa 100 Millionen US-Amerikanern waren betroffen.

Auch in Deutschland kam es zu Angriffen auf verbundene Dienstleister. Mitte April 2026 griffen Täter den Abrechnungsdienstleister Unimed an. Dabei wurden mehr als 72.000 Datensätze der Universitätskliniken Freiburg, Ulm, Heidelberg und Tübingen erbeutet.

Für einzelne Einrichtungen wurden konkrete Zahlen genannt: Die Uniklinik Köln meldete 30.000 betroffene Patienten, das Universitätsklinikum Düsseldorf über 3.000 Fälle, die Mainzer Universitätsmedizin maximal 2.764 und das UKE in Hamburg über 5.000 Patienten. Das Universitätsklinikum des Saarlands meldete gut 1.200 Fälle. Bei Privatpatienten und Selbstzahlern betraf dies Stammdaten wie Name, Anschrift und Geburtsdatum.

In Teilen waren auch Rechnungsverkehr und Informationen über Krankheiten einsehbar.

Finanzielle und reputationelle Folgen der Datenpannen

Die finanziellen Auswirkungen solcher Angriffe sind erheblich. McDermott-Law-Partner Ryan S. Higgins weist auf die Gefahr von Patientenklagen nach Cyberangriffen im Gesundheitswesen hin.

Der australische Krankenversicherer Medibank musste nach einem Hackerangriff den Zugriff auf Daten von 9,7 Millionen aktuellen und ehemaligen Kunden einräumen. Der Medibank-CEO David Koczkar rief zur Wachsamkeit auf. Bei etwa 160.000 Medibank-Kunden waren auch Gesundheitsansprüche zugänglich.

Die indische Star Health Insurance erlitt im August 2024 einen Angriff, bei dem über 31 Millionen Kundendaten offengelegt wurden. Der Hacker forderte ein Lösegeld von 68.000 US-Dollar. Die Aktien des Unternehmens fielen nach Bekanntwerden der Nachricht um elf Prozent.

Kommentatoren wie der Sprinto-Blog bewerteten den Vorfall als Hinweis darauf, wie exponierte Gesundheitsdaten Sicherheits- und Vertrauensrisiken schaffen. Sie forderten stärkere Überwachung, Zugangskontrollen, Verschlüsselung und Reaktionsbereitschaft.

Herausforderungen für die E-Health-Branche

Für Startups wie HelloBetter ist das Vertrauen der Nutzer entscheidend. Datenpannen wie jene bei HealthEC LLC, einem Gesundheitstechnologieunternehmen aus New Jersey, zeigen die Breite möglicher Folgen. Hier waren persönliche und gesundheitsbezogene Daten von fast 4,5 Millionen Patienten betroffen.

Der unbefugte Zugriff fand im Juli 2023 statt; HealthEC begann erst ab dem 22. Dezember 2023 mit der Benachrichtigung betroffener Patienten.

Jahresangaben in Berichten variieren. Einige Quellen verwenden Daten oder Prognosen für 2025/2026, andere dokumentieren Ereignisse aus 2023 oder 2024. Dies erfordert eine sorgfältige Einordnung der zeitlichen Abläufe. Als Lehren aus vergangenen Vorfällen werden verstärkt Maßnahmen wie bessere Überwachung, Zugangskontrollen, Verschlüsselung und Reaktionsbereitschaft genannt.

Ausblick: Regulierung und Meldepflichten

Der Vorfall bei HelloBetter fügt sich in die Reihe von Cyberangriffen im Gesundheitssektor ein. Berichte zu vergleichbaren Vorfällen nennen wiederholt zuständige Datenschutzbehörden und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie die Meldepflichten nach der DSGVO. Im Unimed-Fall etwa wurden die zuständige Datenschutzbehörde und das BSI am 16. April 2026 informiert.

HelloBetter hat einen Datenabfluss nach einem Cyberangriff gemeldet. Weitere Details und mögliche Folgen sind in den bisher vorliegenden Quellen nicht dokumentiert. Die Reaktion des Marktes und der Aufsichtsbehörden auf den aktuellen Vorfall bleibt abzuwarten.

Solche Pannen unterstreichen die anhaltende Notwendigkeit für E-Health-Anbieter, ihre Sicherheitsstrategien kontinuierlich anzupassen und auszubauen.