Geplatzter DHDL-Deal für Compact Greens: Eine Frage der Strategie
Erlangen. Der angestrebte Investment-Deal zwischen dem Erlanger Startup Compact Greens und der Investorin Dagmar Wöhrl, der in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ (DHDL) zustande kam, wurde nach der Ausstrahlung nicht realisiert. Unterschiedliche strategische Vorstellungen zwischen dem Gründerteam und dem Team der Investorin führten dazu, dass die vereinbarte Finanzierung von 180.000 Euro für 15 Prozent der Unternehmensanteile nach der Due Diligence nicht erfolgte. Das auf modulare Pflanzenwände spezialisierte Unternehmen sichert sich stattdessen eine Finanzierung durch Angel-Investoren.
Das junge Gründerteam von Compact Greens, bestehend aus Max Lauterbach, Simon Zitzmann, Jonas Frank, Nick Werneck und Niklas Gabriel, erhielt in der am 21. September 2026 ausgestrahlten Sendung zwei Angebote. Sowohl Carsten Maschmeyer als auch Dagmar Wöhrl zeigten Interesse an der Geschäftsidee der vertikalen Indoor-Gärten.
Die Gründer entschieden sich für das Angebot Wöhrls. Compact Greens, das erst im Sommer 2025 formal gegründet wurde, präsentierte eine modulare Pflanzwand für den erdelosen Anbau von Kräutern, Salaten und anderen Nutzpflanzen, gesteuert per App. Die Bewertung des Unternehmens belief sich zum Zeitpunkt des Pitches auf 1,2 Millionen Euro, basierend auf dem gesuchten Kapital von 180.000 Euro für 15 Prozent der Anteile.
Von der Schulbank zum Startup
Die Ursprünge von Compact Greens reichen bis zu einem Schulprojekt am Marie-Therese-Gymnasium in Erlangen zurück. Die Idee für die smarten Pflanzwände entstand, während die Gründer noch die Schulbank drückten und kurz vor ihren Abiturprüfungen standen. Bereits 2024 entwickelten sie im Rahmen von Startup Teens die erste funktionstüchtige Version und gewannen unter anderem 10.000 Euro Preisgeld.
Nach dem Abitur stiegen alle fünf Gründer vollzeit in das Startup ein. Max Lauterbach formulierte die Vision, das Produkt solle ein „Design-Objekt“ sein und „nicht bloß die Kräuter auf der Fensterbank, sondern ein ganzes Hochbeet ersetzen“. Dieses Ziel unterstreicht die Ambition, über die reine Funktionalität hinauszugehen und ein hochwertiges Wohnaccessoire zu schaffen.
Das Produktportfolio umfasst Modelle wie Oasis, Garden, Harvest und Forest mit Kapazitäten von 12 bis 30 Pflanzenplätzen. Diese Systeme arbeiten mit einem geschlossenen Wasserkreislauf, automatischer Bewässerung und Vollspektrum-LEDs. Der Stromverbrauch liegt laut Angaben bei 30 bis 60 Watt, je nach Ausführung. Endkunden zahlen für die Geräte zwischen 250 und 350 Euro.
Zwar lag der Umsatz zum Zeitpunkt des DHDL-Pitches bei null Euro, doch konnten die Gründer über 170 Kaufanfragen vorweisen. Dies entsprach einem geschätzten Umsatzpotenzial von rund 51.000 Euro. Die Marge lag anfänglich bei 20 Prozent.
Laut Gründerangaben konnte das Team diese nach dem Pitch auf 25 bis 30 Prozent steigern. Die Entwicklung der Marge ist ein Indikator für die verbesserte Kostenstruktur oder Preisgestaltung des Startups.
Fallstricke der Due Diligence
Der geplatzte Deal zwischen Compact Greens und Dagmar Wöhrl kam nach der in der Sendung gezeigten grundsätzlichen Zusage in der anschließenden Due Diligence nicht zustande. Die Gründer von Compact Greens äußerten, es seien „unterschiedliche Vorstellungen über die weitere Entwicklung des Unternehmens“ deutlich geworden. Dagmar Wöhrl betonte indes, dass sie die Idee und das Produkt weiterhin „spannend“ finde.
Solche Differenzen in der strategischen Ausrichtung sind ein häufiger Grund für das Scheitern von DHDL-Deals und zeigen, dass eine erste Einigung nicht zwangsläufig zu einem Abschluss führt.
Zukünftige Ausrichtung und Marktaussichten
Trotz des nicht zustande gekommenen Deals mit Dagmar Wöhrl hat Compact Greens alternative Finanzierungswege erschlossen. Aktuell sichern lokale Angel-Investoren das Wachstum des Startups ab. Das Unternehmen konzentriert sich auf die weitere Auslieferung seiner Pflanzwände; ein erster Schwung wurde bereits ausgeliefert.
Für den Ausbau des Online-Shops wurde zudem ein erster Mitarbeiter für Web-Development engagiert.
Die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und die zukünftige Marktdurchdringung von Compact Greens bleiben entscheidende Faktoren. Die Gewinnung von Angel-Investoren nach einem geplatzten TV-Deal zeigt, dass das Konzept auch außerhalb des Rampenlichts der Öffentlichkeit Investoren überzeugt. Es wird sich zeigen, wie schnell Compact Greens seine Produktion hochfahren und seine Marktposition im Bereich der smarten Indoor-Gärten festigen kann.







