Die Dangote Petroleum Refinery and Petrochemicals FZE hat den größten Börsengang in der Geschichte Afrikas gestartet. Das Unternehmen von Aliko Dangote, dem reichsten Mann des Kontinents, will 1,6 Milliarden US-Dollar über die Nigerian Exchange (NGX) einnehmen. Die Zeichnungsfrist für die 4,1 Milliarden Stammaktien, die zu einem Preis von 525 Naira (etwa 0,40 US-Dollar) pro Stück angeboten werden, läuft vom 14.
September 2026 bis zum 13. Oktober 2026. Das Ziel ist eine Verdopplung der Raffineriekapazität von derzeit rund 650.000 Barrel pro Tag auf 1,4 Millionen Barrel pro Tag bis zum ersten Quartal 2029.
Aliko Dangote verfolgt mit dem IPO nicht nur finanzielle Ziele. Er möchte auch zehn Millionen Investoren in ganz Afrika gewinnen, hauptsächlich Kleinanleger. Diese breite Beteiligung soll die Kapitalmärkte des Kontinents stärken und ein Modell für künftige afrikanische Börsengänge etablieren. Die minimale Zeichnungssumme liegt bei zehn Aktien für 5.250 Naira.
Strategische Investition in Afrikas Energieunabhängigkeit
Die Raffinerie im Ibeju Lekki District in Lagos, Nigeria, ging 2024 in Betrieb und erreichte im Februar 2026 ihre volle Nennkapazität. Mit 650.000 Barrel pro Tag ist sie die größte Single-Train-Raffinerie Afrikas. Eine angestrebte Verdopplung der Kapazität würde sie zu den weltweit größten Raffinerien zählen lassen.
Diese Expansion soll die afrikanische Industrialisierung durch eine zuverlässige Energieversorgung vorantreiben. Die IPO-Erlöse von 1,6 Milliarden US-Dollar decken dabei einen Teil des geplanten Expansionsvolumens von 14,3 Milliarden US-Dollar ab, das für die Kapazitätserweiterung benötigt wird.
Ein Anreiz für Investoren ist die Erwartung, Dividenden in US-Dollar zu zahlen. Da die Raffinerie einen Großteil ihrer Produkte – darunter auch Flugkraftstoff nach Europa – exportiert und damit Dollar-Einnahmen generiert, erwartet das Management US-Dollar-Ausschüttungen. Aliko Dangote erklärte dazu: „You will be getting your dividend in dollars.“
Die formelle Genehmigung hierfür durch die nigerianische SEC und das Bundesfinanzministerium steht noch aus.
Hohe Bewertung und breite Mobilisierung
Im Juli 2026 schloss die Raffinerie ein Private Placement über 2,5 Milliarden US-Dollar für einen sechs Prozent umfassenden Anteil ab. Das Placement war 3,7-fach überzeichnet und verzeichnete eine Nachfrage von fast vier Milliarden US-Dollar. Das Private Placement bewertete das Unternehmen mit über 40 Milliarden US-Dollar. Die aktuelle IPO-Bewertung liegt bei rund 49 Milliarden US-Dollar.
Die Baukosten der Raffinerie beliefen sich auf 19 bis 20 Milliarden US-Dollar, was die Bewertung in einigen Kommentaren infrage stellt. Kritiker wie der Lagos-basierte Forscher Abdulkabeer Tijani halten den Ausgabepreis von 525 Naira für potenziell zu hoch. Er sieht dafür sehr substanzielle Gewinne und Cashflows als Voraussetzung. Die Raffinerie bestreitet eine überhöhte Bewertung.
Die Marketingkampagne zielt auf eine breite Masse ab. Aliko Dangote wirbt in Interviews für eine breite Beteiligung. „We want every human being living on the continent to be part of this action“, so Dangote.
Emir Sanusi II (Khalifa Muhammadu Sanusi II) rief Bewohner von Kano zur Teilnahme am IPO auf. Im Mai 2026 erließ Nigerias National Pension Commission (PenCom) ein Rundschreiben, das Pensionsfonds die Investition in den Dangote-Refinery-IPO ermöglicht.
Ausblick und Marktreaktionen
Die Durchführung des Börsengangs und die Beteiligung der Kleinanleger werden als Test für die nigerianischen Kapitalmärkte gewertet. Mohammed Saidu von TrustBanc in Lagos sagte: „It is going to be a game-changing IPO for Nigeria’s markets.“ Oyinkansola Aregbesola, Investment Professional in Lagos, sieht in der Notierung das Potenzial, einen Wendepunkt für afrikanische Unternehmen darzustellen, die Kapital benötigen.
Sie nennt die Dollar-Dividendenstruktur als einen Faktor, der ausländische Investoren ansprechen könnte.
Das Modell könnte als Blaupause für künftige große afrikanische Börsengänge dienen. Die Notierung der Aktien an der Nigerian Exchange (NGX) wird für November 2026 erwartet. Nach Abschluss der Zeichnungsfrist am 13. Oktober 2026 werden die tatsächliche Nachfrage und die Verteilung der Anteile unter Kleinanlegern und institutionellen Investoren Aufschluss über den Erfolg dieser Strategie geben.
Die Fähigkeit der Raffinerie, die prognostizierten Gewinne zu erzielen – im ersten Halbjahr 2026 belief sich der Gewinn nach Steuern auf 1,82 Milliarden US-Dollar, nach einem Nettoverlust von 476 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 – sowie die Genehmigung der US-Dollar-Dividenden werden die weitere Entwicklung und die Attraktivität der Aktie beeinflussen.







