David Samra, US-Value-Investor und Manager bei Artisan Partners, identifiziert zunehmend unterbewertete Aktien an europäischen Märkten. Er nannte dabei deutsche Unternehmen wie Adidas und Brenntag. Samras Ansatz reiht sich in ein größeres Muster ein: Zahlreiche US-Investoren suchen derzeit vermehrt außerhalb der Vereinigten Staaten nach Chancen, gestützt von einem günstigeren Bewertungsumfeld und zuletzt starken Unternehmensgewinnen.
Samras Anlagestrategie: Wert jenseits des Preises
Samras Investmentphilosophie konzentriert sich auf Unternehmen, deren Aktienkurs den geschätzten inneren Wert nicht widerspiegelt. Für ihn zählt nicht allein eine niedrige Bewertung; er betont zudem, dass das Management liefern muss. Samra investiert primär außerhalb der Vereinigten Staaten und sieht in Europa aktuell eine Kombination aus solider Unternehmensleistung und moderaten Bewertungen.
Diese Herangehensweise steht in der Tradition des Value-Investings, wie es von Benjamin Graham begründet und später von Investoren wie Warren Buffett weiterentwickelt wurde. Der Ansatz zielt darauf ab, Unternehmen zu finden, deren Marktpreis unter ihrem intrinsischen Wert liegt.
Deutschland im Fokus: Adidas und Brenntag als Beispiele
Im Gespräch mit dem Handelsblatt in New York nannte Samra konkrete Beispiele für europäische Engagements. Dazu gehören die deutschen Unternehmen Adidas und Brenntag, ein globaler Chemikalienhändler. Ferner erwähnte Samra internationale Titel wie Samsung.
Der Marktexperte Stefan Riße von ACATIS beschreibt eine ähnliche Entwicklung. ACATIS nutzt eine datenbankgestützte Auswahlmethode, die klassische Value-Kennzahlen wie Kurs-Buchwert- und Kurs-Gewinn-Verhältnisse berücksichtigt. Künstliche Intelligenz dient dort zudem als Filterwerkzeug, um aus dem globalen Anlageuniversum potenzielle Kandidaten herauszufiltern.
Bei ACATIS spielen Kriterien wie strategischer Wettbewerbsvorteil, auch bekannt als „Burggraben“, und Unternehmensführung eine entscheidende Rolle.
Moderne Value-Ansätze und die Rolle der Bewertungen
Andere Marktteilnehmer bestätigen die Relevanz moderner Value-Ansätze. Ashish Bhardwaj, Portfolio-Manager des FF America Fund bei Fidelity, wies 2022 darauf hin, dass es zu einem Re-Rating von Growth-Aktien gekommen sei. Frühere Innovationswellen in Bereichen wie Smartphones und Cloud Computing hätten demnach ihre Sättigungsgrenzen erreicht.
Überdies kombiniert WisdomTree traditionelle Bewertungskennzahlen mit Rentabilitäts- und Aktionärsrenditekennzahlen. Dies dient dazu, hochwertige Unternehmen mit nachhaltigen Renditen zu identifizieren und solche zu meiden, die den Shareholder Value verwässern.
Diese Ausrichtungen passen zu einem weiteren Trend, dass Value-Kriterien wieder stärker in den Blick von Investoren rücken. Die Rückkehr zu fundamentalen Kennzahlen gewinnt an Bedeutung in einem Umfeld, in dem Growth-Aktien oft hohe Bewertungen aufweisen.
Ausblick: Europa als Ziel für Value-Investoren?
Das verstärkte Engagement von Investoren wie David Samra in europäischen, insbesondere deutschen Unternehmen, könnte ein Indiz für eine Verschiebung der Kapitalströme sein. Europäische Unternehmen bieten nach Ansicht vieler Beobachter oft solidere Fundamentaldaten bei vergleichsweise niedrigeren Bewertungen. Die Fähigkeit, Managementqualität und den inneren Wert eines Unternehmens zu beurteilen, bleibt dabei zentral.
Analysten werden beobachten, ob diese Entwicklung dauerhaft ist oder vorübergehend im Zusammenhang mit Zins- und Inflationsdynamik steht. Die weitere Entwicklung der Unternehmensgewinne in Europa und die Stabilität der Wirtschaftspolitik werden maßgeblichen Einfluss darauf haben, ob Value-Investoren langfristig in diesem Markt engagiert bleiben.







