Starke Impulse von der Wall Street treiben derzeit den deutschen Leitindex nach oben. Technologieaktien erreichen in den USA Höchststände. Zinsspekulationen und geopolitische Faktoren prägen das aktuelle Marktgeschehen. Der DAX zeigt im frühen Handel Stärke, der Nasdaq 100 markiert ein neues Rekordhoch.

Rally der Tech-Giganten und Nasdaq-Höhenflug

Technologiewerte an der Wall Street beflügeln den Gesamtmarkt. Der technologielastige Nasdaq 100 erreichte zuletzt ein Rekordhoch von 30.808 Punkten. Auch der breitere Nasdaq Composite verzeichnet einen neuen Höchststand von 21.885 Zählern.

Die Aktien von Nvidia, Meta Platforms, Microsoft und Tesla legen zuletzt zwischen rund 1 und 2 Prozent zu. „Die KI- und Tech-Story treibt den Markt weiterhin an; sie ist so stark, dass sie dem Gegenwind durch höhere Zinsen trotzen kann“, sagt Dennis Dick, Analyst bei Triple D Trading.

Cerebras Systems klettert um 9 Prozent, nachdem OpenAI-Chef Sam Altman das Unternehmen als „enger Partner“ bezeichnet. Er lobt es als „stark engagiert, die Leistungsgrenzen zu verschieben“. Broadcoms Aktie steigt um 3,2 Prozent. Der Konzern weist einen Börsenwert von über 1,6 Billionen US-Dollar aus.

DAX auf Rekordkurs durch Zinsspekulationen

Der deutsche Leitindex DAX setzt seine Aufwärtsbewegung fort. Im frühen Handel am Dienstag verzeichnet er leichte Zugewinne von 0,4 Prozent und bewegt sich zeitweise über der Marke von 25.400 Punkten. Das jüngste Allzeithoch liegt am Montag bei 25.912,59 Punkten. Damit übertrifft der Index einen früheren Höchststand aus Anfang Juli.

„Der Rekord-Rausch am deutschen Aktienmarkt findet kein Ende“, kommentiert Frank Sohlleder, Analyst bei ActivTrades.

Schwächer als erwartete US-Arbeitsmarktdaten dämpfen die Erwartungen an eine schnelle Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Oktober. Die offiziellen Arbeitsmarktdaten melden 7,079 Millionen offene Stellen (JOLTS) sowie 29.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft im September. Erwartet wurden 90.000 Stellen.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinspause der Fed im Oktober sinkt von 64 Prozent auf 23 Prozent.

Börsianer rechnen nun weitgehend mit einer späteren Zinssenkung um 25 Basispunkte, vereinzelt wird auch über 50 Basispunkte spekuliert. Solche Zinserwartungen entlasten wachstumsstarke Technologieunternehmen und stützen den breiteren Aktienmarkt.

Geopolitische Risiken und Rohstoffmärkte

Geopolitische Spannungen beeinflussen die Rohstoffmärkte. Der Preis für die Ölsorte Brent notiert weiterhin über 100 US-Dollar pro Barrel. Der Iran-Konflikt, Vorfälle in der Straße von Hormus und Unsicherheit in Venezuela belasten den Ölmarkt.

Die britische Behörde für Sicherheit in der Schifffahrt (UKMTO) berichtet von einem Tanker, der in der Straße von Hormus unter Beschuss gerät. Meldungen über eine mögliche Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro durch US-Spezialkräfte und Berichte zu Plänen der US-Administration bezüglich Venezuela kursieren.

Der Goldpreis gerät angesichts des starken US-Dollars und gestiegener US-Anleiherenditen unter Druck. Er verliert auf Wochensicht rund 2,8 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt zuletzt bei 5,328 Prozent. Der Euro fällt im vergangenen Monat um etwa 2,5 Prozent gegenüber dem US-Dollar und erreicht am Montag zeitweise 1,1162 US-Dollar.

Einzelwerte im Fokus: Rüstung, Technologie und Konsumgüter

Unter den deutschen Einzelwerten zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Rheinmetall steigt am Montag um 6,6 Prozent. Das Unternehmen sichert sich Aufträge über 200 Millionen Euro für die Produktion von „Loitering Munition“ sowie rund 120 Millionen Euro Umsatz mit LUNA NG Drohnen im Jahr 2024.

Renk weist einen Rekordauftragsbestand von 5,9 Milliarden Euro aus und plant den Ausbau der Fertigung auf über 1.000 Getriebe pro Jahr. Die DZ Bank sieht weiterhin Aufrüstungsbedarf in Europa.

Halbleiterwerte verzeichnen starke Kursgewinne: Infineon gewinnt 8,8 Prozent, Aixtron 7,6 Prozent. Fraport verliert auf Tradegate mehr als 3 Prozent, Beiersdorf sinkt um mehr als 2 Prozent. Gerresheimer bricht nach der Kappung der Jahresziele um 11 Prozent ein. Hellofresh verteuert sich um mehr als 7 Prozent, gestützt durch eine Kaufempfehlung der UBS.

Ausblick: Arbeitsmarktdaten und Fed-Politik entscheidend

Die weitere Marktentwicklung dürfte von kommenden Wirtschaftsdaten und der Reaktion der US-Notenbank abhängen. Die Fed hält ihre nächste Sitzung Mitte September ab. In diesem Zeitraum gilt eine „Blackout“-Phase, in der sich Notenbanker nicht zu geldpolitischen Entscheidungen äußern.

Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, weist auf das Risiko hin: „Das Risiko der laufenden Bewegung im Dax liegt in den Arbeitsmarktdaten aus den USA und darin, dass sie nicht wie gewünscht ausfallen.“

Die US-Energiebehörde EIA veröffentlicht im weiteren Tagesverlauf ihren kurzfristigen Energieausblick, der neue Impulse für den Ölmarkt liefern könnte. Analysten von JPMorgan nennen als mögliches Szenario, dass eine Annäherung zwischen den USA und Iran zusätzliche Impulse geben könnte, etwa falls US-Angriffe ausbleiben. Dies wird in der Berichterstattung zu Donald Trump angedeutet.