Der US-Schuhkonzern Deckers Outdoor baut seine Ertragskraft im laufenden Geschäftsjahr weiter aus und hebt seine Jahresprognose an. Getragen von der anhaltend hohen Nachfrage nach den Kernmarken HOKA und UGG erzielt das Unternehmen im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 1,481 Milliarden US-Dollar. Die Aktie durchlief zuvor eine deutliche Bewertungskorrektur, während handelspolitische Risiken und eine Normalisierung des bisherigen Expansionstempos das Marktumfeld bestimmen.
Duales Markenmodell sichert operative Margenstärke
Deckers stützt sein Geschäftsmodell auf zwei Säulen, die zusammen mehr als 90 Prozent des Konzernumsatzes generieren. Die Lammfell- und Lifestyle-Marke UGG liefert verlässliche Volumina im Freizeitbereich, während das Performance-Label HOKA seit Jahren für überdurchschnittliche Zuwächse sorgt. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 klettert der HOKA-Umsatz um 6,8 Prozent im Vorjahresvergleich, nachdem die Marke im Auftaktquartal bereits um 7,7 Prozent auf 703,5 Millionen US-Dollar zulegte.
Das UGG-Segment verzeichnet im gleichen Zeitraum ein Plus von 3,5 Prozent, nach 4,9 Prozent im ersten Quartal.
Hinter diesen Zuwächsen steht eine stringente Vermarktungsstrategie mit weitgehendem Verzicht auf Rabatte im Vollpreisverkauf. Parallel dazu forciert der Konzern den Direktvertrieb an Endkunden. Diese Direct-to-Consumer-Kanäle wachsen im ersten Quartal um 13 Prozent, bei HOKA sogar um 17 Prozent.
Die Produktion lagert Deckers vollständig an Dritthersteller in Asien aus, schwerpunktmäßig nach Vietnam. Das Zusammenspiel aus strikter Preisdisziplin, wachsendem Direktvertrieb und flexibler Fertigung schlägt sich unmittelbar in der Profitabilität nieder. Die operative Marge erreicht im zweiten Quartal 26,3 Prozent, während die Bruttomarge auf 60,5 Prozent steigt.
Bereinigt um Sondereffekte beläuft sich die operative Marge auf 23,2 Prozent und die Bruttomarge auf 57,4 Prozent.
Zolldruck und Lieferkettenrisiken belasten das US-Geschäft
Die Auslagerung der Produktion an Partnerbetriebe in Vietnam birgt erhebliche außenwirtschaftliche Risiken. Ein bilaterales Handelsabkommen legte im Oktober Importzölle in Höhe von 20 Prozent auf Schuhe aus Vietnam fest, was die Margen spürbar unter Druck setzte.
Deckers reagiert mit Preiserhöhungen bei HOKA, was das Absatzwachstum im US-Heimatmarkt kurzfristig bremst. Im Schnitt kosten HOKA-Modelle in den USA rund 160 US-Dollar. Damit positioniert sich das Label preislich weiterhin unter Konkurrenten wie On Running, deren Kernmodelle häufig bei etwa 180 US-Dollar notieren.
Nachträgliche Zollerstattungen kehren den negativen Effekt jedoch zwischenzeitlich um. Diese Rückflüsse entlasten die Bruttomarge im zweiten Quartal um rund 310 Basispunkte und steuern 0,28 US-Dollar zum verwässerten Gewinn je Aktie bei. Finanzchef Stephen Fasching betont, dass die Kunden der Marke auch unter Zollauflagen treu bleiben und die Nachfrage robuster ausfalle als zu Jahresbeginn erwartet.
Gleichwohl verdeutlichen diese Schwankungen, wie stark das Geschäftsmodell auf regulatorische Eingriffe im Welthandel reagiert.
Solide Bilanz stützt umfangreiche Aktienrückkäufe
Trotz der handelspolitischen Volatilität verfügt Deckers über Nettobarmittel von mehr als einer Milliarde US-Dollar und steuert auf einen jährlichen Free Cashflow von annähernd einer Milliarde US-Dollar zu. Nach dem im Geschäftsjahr 2025/2026 vollzogenen Aktiensplit liegt der bereinigte Gewinn je Aktie im zweiten Quartal bei 2,03 US-Dollar, was einem Anstieg um 11,5 Prozent entspricht. Unter Einrechnung der Zollerstattungen erreicht der verwässerte Wert 2,31 US-Dollar.
Das Management unter Chief Executive Officer Stefano Caroti, der die operative Leitung von Dave Powers übernommen hat, nutzt den Liquiditätszufluss für massive Kapitalrückführungen. Das Führungsgremium genehmigte im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 ein Aktienrückkaufprogramm über 5,0 Milliarden US-Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 sind Rückkäufe im Umfang von 1,0 Milliarde US-Dollar eingeplant.
Seit 2015 zog Deckers bereits rund ein Viertel aller ausstehenden Aktien ein. Zugleich liegt die Gesamtkapitalrentabilität zuletzt bei 36 Prozent und klettert ohne Berücksichtigung der Barbestände auf 69 Prozent.
Bewertungskompression und strategische Ziele bis 2030
Zollbelastungen und die Abkühlung der Wachstumsraten bei HOKA führten an den Märkten zu einer spürbaren Neubewertung. Zuvor erzielte die Marke regelmäßig Quartalszuwächse von 20 bis 30 Prozent. Die Marktkapitalisierung des Konzerns pendelt mittlerweile zwischen 12 und 17 Milliarden US-Dollar.
Lag das historische Kurs-Gewinn-Verhältnis in Spitzenzeiten bei rund 35, bewegt es sich nun in einer Spanne von 12 bis 15. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis notiert bei rund 11,5, während das Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,96 weiterhin über dem Branchenschnitt von 1,30 liegt.
Angesichts der soliden Nachfrage hebt Deckers die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 an. Der Vorstand rechnet mit einem Jahresumsatz von 5,700 bis 5,725 Milliarden US-Dollar. Die Bruttomarge soll rund 58,5 Prozent erreichen, beziehungsweise 57,0 Prozent ohne Berücksichtigung von Zollerstattungen. Die Spanne für den bereinigten Gewinn je Aktie setzt der Konzern bei 7,80 bis 7,95 US-Dollar an.
Strategisch zielt der Mehrjahresplan bis zum Geschäftsjahr 2030 auf die internationale Skalierung beider Kernmarken ab, flankiert von Investitionen in digitale Kanäle und automatisierte Systeme zur Kundenakquise. Marktbeobachter wie Jessica Ramirez von Jane Hali und Associates sehen weiteres operatives Potenzial in der globalen Expansion. Analysten von Instituten wie der UBS verweisen hingegen darauf, dass sich das außergewöhnliche Wachstumstempo von HOKA strukturell normalisiert.
In den kommenden Quartalen entscheidet sich, ob Deckers die prognostizierten Margen auch ohne staatliche Zollerstattungen auf diesem Niveau verteidigen kann.







