Das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek steht kurz vor dem Abschluss einer zweiten externen Finanzierungsrunde im Umfang von mindestens 80 Milliarden bis zu 100 Milliarden Yuan, was umgerechnet rund 12 bis 15 Milliarden US-Dollar entspricht. Die Transaktion taxiert das Start-up vor dem Kapitalzufluss auf einen Pre-Money-Wert von rund 500 Milliarden Yuan oder umgerechnet 74 bis 75 Milliarden US-Dollar. Parallel dazu forciert die Führung des Unternehmens die Vorbereitungen für eine Erstnotiz am technologieorientierten STAR Market der Shanghai Stock Exchange, die für Anfang 2027 geplant ist.
Als federführende Investmentbank hat DeepSeek dafür CITIC Securities mandatiert.
Überzeichnung verdoppelt das Rundenvolumen
Die deutliche Aufstockung der Finanzierungsrunde markiert eine Reaktion auf das massive Interesse institutioneller Kapitalgeber. Ursprünglich peilte das Management für diese zweite externe Runde ein Volumen von 50 Milliarden Yuan an. Weil die Nachfrage das Angebot deutlich überstieg, belaufen sich die festen Zusagen nun auf mindestens 80 Milliarden Yuan und erreichen voraussichtlich bis zu 100 Milliarden Yuan.
Damit verdoppelt sich das Finanzierungsvolumen gegenüber dem ursprünglichen Plan nahezu.
Die Transaktion schließt unmittelbar an die erste externe Runde aus dem Juni 2026 an. Damals öffnete sich DeepSeek erstmals für fremde Investoren und sammelte rund 50 Milliarden Yuan beziehungsweise 7,4 Milliarden US-Dollar ein. Der Unternehmenswert belief sich zu diesem Zeitpunkt auf etwa 350 bis 400 Milliarden Yuan, was einer Bewertung von 50 bis 59 Milliarden US-Dollar entsprach.
Bemerkenswert blieb dabei der persönliche Einsatz des Managements: Gründer Liang Wenfeng steuerte im Juni 2026 allein 20 Milliarden Yuan aus seinem Privatvermögen bei.
Strategische Konzerne dominieren das Investorenfeld
Beim Zugang zur aktuellen Finanzierungsrunde agiert DeepSeek äußerst selektiv. Klassische private Finanzfonds sowie Einzelinvestoren bleiben außen vor. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen vollständig auf staatliche Vehikel und strategische Industriepartner.
Angeführt wird das Konsortium erneut von dem Technologiekonzern Tencent und dem Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology, kurz CATL.
Bereits im Juni 2026 hatte Tencent 10 Milliarden Yuan (rund 1,5 Milliarden US-Dollar) und CATL weitere 5 Milliarden Yuan (etwa 750 Millionen US-Dollar) bereitgestellt, flankiert vom nationalen chinesischen KI-Industriefonds. Für die laufende Runde stoßen nun weitere Schwergewichte der chinesischen Wirtschaft hinzu, darunter der Automobilhersteller Geely Auto, der Haushaltsgerätekonzern Midea und die Lieferplattform Meituan. Aus dem institutionellen Sektor beteiligen sich zudem die Asset-Manager Monolith Management und Loyal Valley Capital.
Trotz der massiven Kapitalaufnahme bleibt die strategische Ausrichtung fest in Gründerhand, denn Liang Wenfeng sichert sich die operative Führung über eine von ihm kontrollierte Limited-Partnership-Struktur.
Kostenvorteile erschüttern das Bewertungsgefüge
Der wachsende Kapitalbedarf von DeepSeek spiegelt die globale Dynamik im Sektor wider, unterscheidet sich jedoch grundlegend in der operativen Effizienz. Während westliche Wettbewerber wie OpenAI im März 2026 rund 122 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar aufnahmen und Anthropic im Mai 2026 eine Runde über 65 Milliarden US-Dollar vermeldete, setzt DeepSeek auf radikale Kostendisziplin.
Spätestens seit dem Launch des Modells DeepSeek-R1 im Januar 2025 steht der chinesische Entwickler im Zentrum der globalen Branchenaufmerksamkeit. Eine in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Untersuchung beziffert die Kosten für die Reinforcement-Learning-Phase dieses Modells auf lediglich 294.000 US-Dollar. Die Gesamtaufwendungen für das Basismodell und das Training beliefen sich auf rund 6 Millionen US-Dollar.
Auch das Vorgängermodell DeepSeek-V3 aus dem Dezember 2024 erforderte lediglich reine Trainingskosten von rund 5,58 Millionen US-Dollar.
Diese Effizienz schlug unmittelbar auf den Markt durch. Binnen zwölf Tagen nach der Veröffentlichung von R1 verzeichnete das Unternehmen 30 Millionen täglich aktive Nutzer. Zudem unterboten die Inferenzpreise der Chinesen vergleichbare US-Modelle um 90 bis 95 Prozent.
Die Nachricht löste an den internationalen Finanzmärkten ein Beben aus: Am 27. Januar 2025 verlor der Chiphersteller Nvidia an einem einzigen Handelstag 16,86 Prozent an Wert, was einer Vernichtung von Börsenkapitalisierung in Höhe von rund 588,86 Milliarden US-Dollar entsprach.
Hardware-Autarkie und Vorstoß in die Robotik
Die technologische Basis schuf Liang bereits vor der formellen Gründung von DeepSeek über seinen quantitativen Hedgefonds Huanfang. Damals investierte der Gründer fast 200 Millionen Yuan in den konzerneigenen Rechencluster „Yinghuo No. 1“ mit rund 1.100 Grafikprozessoren, gefolgt von einer Milliarde Yuan für „Yinghuo No. 2“, der mit rund 10.000 Nvidia-A100-Chips ausgestattet wurde.
Aufgrund der verschärften US-Exportkontrollen treibt DeepSeek nun die Loslösung von westlichen Chipherstellern voran. Gemeinsam mit Huawei optimiert das Unternehmen seine Softwarearchitektur für die Ascend-Prozessoren, um die Abhängigkeit vom Nvidia-Ökosystem CUDA zu brechen. Alfredo Montufar-Helu, leitender Analyst bei Ankura China Advisors, ordnet diesen Schritt nüchtern ein: Die Exportverbote sorgen dafür, dass das chinesische Unternehmen keinen Zugang zu modernster und teurer US-Chiptechnologie hat.
Parallel zum Kernbereich expandiert DeepSeek in angrenzende Zukunftsmärkte. Das Unternehmen plant ein Lead-Investment in Höhe von 400 Millionen US-Dollar als Seed-Finanzierung für den Robotik-Spezialisten Winverse AI und sicherte sich zudem eine Vor-IPO-Beteiligung von 2,31 Prozent am Robotik-Hersteller Unitree.
Bis zum anvisierten Börsengang am STAR Market Anfang 2027 richtet sich der Blick der Finanzmärkte vorrangig auf die technische Belastbarkeit dieses Kurses. Entscheidend wird sein, ob die Softwareoptimierung auf heimischen Ascend-Prozessoren ausreicht, um bei der Rechenleistung kommender Modellgenerationen mit den milliardenschweren Entwicklungen aus den USA Schritt zu halten.







