Delivery Hero: Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen Annahme des Uber-Angebots

Berlin/San Francisco. Vorstand und Aufsichtsrat von Delivery Hero empfehlen den Aktionären die Annahme des Übernahmeangebots des US-Fahrdienstvermittlers Uber. Das Angebot bewertet den Berliner Essenslieferdienst mit knapp 13 Milliarden Euro. Die Gremien beurteilen den gebotenen Preis von 41,50 Euro pro Aktie als fair.

Sie erachten das Angebot als im Interesse der Gesellschaft, der Aktionäre, Mitarbeiter und weiteren Stakeholder.

Die Empfehlung ist am Mittwochabend, dem 2. September 2026, veröffentlicht worden. Mit diesem Zukauf würde Uber zum weltweit größten Essenslieferdienst außerhalb Chinas aufsteigen. Der Deal ist an den Verkauf von Delivery Heros Geschäftsfeldern in 14 Ländern gebunden, um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen.

Details des Milliarden-Deals

Uber bietet 41,50 Euro je Delivery-Hero-Aktie in bar. Dieser Preis entspricht einer Prämie von rund 35 Prozent auf den Dreimonatsdurchschnittskurs vor der Veröffentlichung von Ubers Angebotsabsicht Mitte Juli 2026. Gegenüber dem unbeeinflussten Xetra-Schlusskurs vom 8.

Mai 2026, dem Stichtag vor bekannt gewordenen Transaktionsaktivitäten, beträgt die Prämie etwa 108 Prozent. Das angebotene Niveau übertrifft zudem das durchschnittliche Analysten-Kursziel vor dem 8. Mai 2026 um rund 52 Prozent.

Die Finanzberater von Delivery Hero, J.P. Morgan Securities, und der Fairness-Opinion-Anbieter für den Aufsichtsrat, UniCredit Bank, kommen zu dem Ergebnis, dass die Barofferte aus finanzieller Sicht angemessen ist. Ein Bieterwettkampf gilt als ausgeschlossen, da sich Uber bereits ein wirtschaftliches Interesse von mehr als 53 Prozent am Grundkapital von Delivery Hero gesichert hat.

Dieses setzt sich aus einem direkten Anteil von 24,77 Prozent und einer wirtschaftlichen Beteiligung von 11,74 Prozent über Aktienderivate zusammen. Der Großaktionär Prosus hat eine unwiderrufliche Andienungszusage für 16,68 Prozent der Aktien erteilt.

Das Angebot steht unter der Bedingung einer Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie des Grundkapitals, ohne eigene Aktien. Die Annahmefrist läuft voraussichtlich bis zum 5. November 2026.

Umstrukturierung und Marktbereinigung

Um die Übernahme kartellrechtlich zu ermöglichen, trennt sich Delivery Hero von seinen Aktivitäten in 14 Ländern. Zu den betroffenen Märkten gehören unter anderem Österreich, Chile, Griechenland, Norwegen, Polen, Spanien, Schweden und die Türkei. Käufer dieser Geschäftsbereiche ist die Beteiligungsgesellschaft SSW Partners aus New York; der Kaufpreis beträgt 1,4 Milliarden Euro.

Uber verfolgt mit der Übernahme die Ausweitung seiner Multi-Produkt-Plattform. Durch den Zusammenschluss soll das Pro-Forma-Bruttobuchungsvolumen im Jahr 2025 auf 236 Milliarden US-Dollar ansteigen. Die Anzahl der Märkte, in denen Uber sowohl Mobilitäts- als auch Lieferdienste anbietet, erhöht sich von 34 auf 58.

Uber hat außerdem zugesichert, den Sitz von Delivery Hero bis mindestens 2029 in Berlin zu belassen, die Belegschaft dort stabil zu halten und bis zu zwei Milliarden Euro in Deutschland zu investieren. Ab Vollzug verzichtet Uber für drei Jahre auf den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags.

Finanzielle Entwicklung und Marktreaktion

Im Zuge der Angebotsveröffentlichung hob Delivery Hero die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 an. Das Unternehmen erwartet nun ein Umsatzwachstum von 17 bis 19 Prozent, zuvor 14 bis 16 Prozent. Das bereinigte EBITDA wird nun mit 960 Millionen bis einer Milliarde Euro prognostiziert, zuvor 910 bis 960 Millionen Euro.

Die Erwartungen für den Bruttowarenwert (GMV) erhöhten sich von acht bis zehn Prozent auf neun bis elf Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Delivery Hero ein bereinigtes EBITDA von 427 Millionen Euro; Analysten hatten mit 396 Millionen Euro gerechnet.

Die Delivery-Hero-Aktie, gelistet im MDAX, reagierte auf die Nachricht nur verhalten: Am Donnerstagmorgen nach der Empfehlung stieg der Kurs um 0,5 Prozent auf 36,75 Euro. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie bereits mehr als 60 Prozent zugelegt.

Der Vollzug der Übernahme wird für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet. Dieser Zusammenschluss würde Ubers Position im globalen Wettbewerb, etwa gegenüber DoorDash und Just Eat Takeaway, stärken. Marktbeobachter werden verfolgen, welche Auswirkungen die Integration der Delivery-Hero-Geschäfte auf Ubers Strategie und die Wettbewerbslandschaft der Essenslieferdienste haben wird.