Deutsche Bahn blockiert Drittanbieter-App für Verspätungsdaten

Die Deutsche Bahn (DB) hat den Datenzugriff für die App „DelayBahn“ des Indie-Entwicklers Shashank Tripathi gesperrt. Die Sperrung am 19. August betraf den Zugriff auf Verspätungsinformationen. Inzwischen ist die App, die die Verspätungshistorie von Zugverbindungen anzeigt, wieder funktionsfähig.

Die App „DelayBahn“ bietet Funktionalitäten, die in der offiziellen DB-Navigator-App fehlen. Sie kombiniert aktuelle Fahrplandaten mit historischen Verspätungsinformationen. Nutzer können das Umstiegsrisiko bewerten und Verbindungen nach Zuverlässigkeit, Verspätung, Preis, Abfahrtszeit oder Anzahl der Umstiege sortieren.

Zudem enthält der Dienst einen Fahrgastrechte-Checker zur Ermittlung potenzieller Entschädigungsansprüche.

Bereits in der ersten Woche nach dem Start verzeichnete DelayBahn mehr als 100.000 Nutzer. Basierend auf den gesammelten Daten ermittelte die App eine Pünktlichkeit von 58,7 Prozent für Fernverkehrszüge der DB.

Gründe der DB für Sperrung unklar

Die genauen Gründe der Deutschen Bahn für die Sperrung des Datenzugriffs sind bislang nicht öffentlich kommuniziert. Die DB hat sich zu dem Vorfall nicht offiziell geäußert. Ein Zitat deutet darauf hin, dass die DB versucht habe, den Entwickler gänzlich „abzuschalten“, statt lediglich den Datenzugriff zu unterbinden.

Unklar bleibt, wie Shashank Tripathi die Sperre letztlich umgehen konnte und welche technischen oder rechtlichen Schritte zur Wiederherstellung der Funktionalität führten.

Eine ähnliche Anwendung, „Bahnsparer“ von Max Ritter, zeigt ebenfalls historische Daten zur Zuverlässigkeit von Bahnverbindungen an und ist weiterhin funktionsfähig. Parallel dazu reichte DB InfraGO am 14. August eine Klage gegen eine Regel der Bundesnetzagentur ein.

Diese Regel, erlassen am 17. Juli, begrenzt ab dem Fahrplan 2028 die Kapazitätszuteilung auf Strecken mit Wettbewerb. Dieser Vorgang steht im Kontext von Wettbewerb und Zugang im Bahnsektor.

Pünktlichkeit als zentrales Thema

Die Diskussion um DelayBahn verweist auf deutliche Unterschiede in der Pünktlichkeit von Bahnbetreibern. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) erreichten im ersten Halbjahr 2026 eine Pünktlichkeit von 94,1 Prozent, was einem Rückgang von 0,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die DelayBahn-Analyse für den DB-Fernverkehr hingegen weist eine Pünktlichkeit von 58,7 Prozent aus.

Ein VRR-Qualitätsbericht nennt für die Regionalexpress-Linie RE 14 im Jahr 2025 eine durchschnittliche Verspätung von über zwei Minuten pro Fahrt. Im Jahr 2024 lag dieser Wert noch unter zwei Minuten. Bei 29,2 Prozent der Fahrten der RE 14 standen 2025 zudem nicht ausreichend Sitzplätze zur Verfügung.

Der VCÖ-Bahntest in Österreich zeigt, dass 46 Prozent der Befragten von mehr Zugausfällen und Störungen berichten. 37 Prozent äußern sich unzufrieden mit der Pünktlichkeit.

Der Fall DelayBahn unterstreicht die Relevanz transparenter Informationen zur Pünktlichkeit sowie des Zugangs zu Datenschnittstellen für Drittanbieter. Beobachter verfolgen nun, ob der Vorfall zu einer Überarbeitung der Datenzugangsrichtlinien bei der Deutschen Bahn oder zu ähnlichen Konflikten mit Drittanbietern führen wird. Die weitere Entwicklung im Spannungsfeld zwischen der Datenhoheit der Bahn und dem Innovationspotenzial unabhängiger Entwickler bleibt ein wichtiges Thema für den digitalen Wandel im Verkehrssektor.