Altersvorsorgedepot: Deutsche Bank verschärft Preiskampf gegen Neobroker

Das Altersvorsorgedepot (AVD) löst ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente als staatlich geförderte private Altersvorsorge ab. Es entwickelt sich zu einem neuen Wettbewerbsfeld zwischen etablierten Banken und Neobrokern. Die Deutsche Bank tritt nun mit eigenen Konditionen in den Wettbewerb ein. Zuvor hatten insbesondere Scalable Capital und die Deka mit ihren Angeboten für Aufmerksamkeit gesorgt.

Marktteilnehmer bezeichnen das AVD als „Game Changer“ für Banken und Broker.

Das Altersvorsorgedepot: Ein „Game Changer“ für den Markt

Das Altersvorsorgedepot stellt eine staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge dar. Ab 2027 ermöglicht es Sparern Investitionen in Indexfonds (ETFs), Aktienfonds und Anleihen. Im Gegensatz zur Riester-Rente schreibt das AVD keine vollständige Beitragsgarantie vor. Garantien – etwa über 0 Prozent, 80 Prozent oder 100 Prozent des Kapitals – bleiben jedoch möglich.

Die jährliche Fördergrenze für Eigenbeiträge soll ab 2030 von 3.000 Euro auf 3.500 Euro steigen. Zudem sind Zulagen von bis zu 540 Euro pro Person sowie zusätzliche Kinder- und Berufseinsteiger-Boni vorgesehen. Förderberechtigt sind unter anderem Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung, Beamte, aber auch Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende.

Dies bedeutet eine Ausweitung gegenüber der Riester-Rente.

Für das Standarddepot gilt gesetzlich ein Kostendeckel von einem Prozent pro Jahr. Einen Gesetzentwurf des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge hat das Ministerium im September 2024 vorgelegt.

Deutsche Bank positioniert sich mit dualer Strategie

Die Deutsche Bank steigt aktiv in den Wettbewerb um das Altersvorsorgedepot ein. Raffael Gasser, zuständig für das Produktmanagement im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank, betont: „Lockvogelangebote sind nicht unsere Strategie. Unser Ziel ist, dass Kunden genau wissen, worauf sie sich einlassen.“

Die Bank bietet ein ETF-Standarddepot an, das von der Fondstochter DWS entwickelt wurde und ausschließlich digital verfügbar sein soll. Die jährlichen Kosten für dieses Standarddepot sollen in den ersten zwei Jahren 0,1 Prozent betragen und danach 0,28 Prozent.

Parallel dazu plant die Deutsche Bank ein erweitertes Vorsorgedepot mit persönlicher Beratung, für das ein jährliches Entgelt von 0,99 Prozent vorgesehen ist. Ergänzt werden die Angebote durch zwei gemeinsam mit der Zurich entwickelte Versicherungsprodukte. Eines davon beinhaltet eine Garantie, das andere nicht.

Beide bieten eine Beratungsoption. Dominik Hennen, verantwortlich für das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank und Postbank, erwartet, dass viele Anleger weiterhin Beratung wünschen und benötigen. Er und Raffael Gasser sehen im AVD einen Impuls für die Aktienkultur in Deutschland.

Neobroker und Deka als frühe Wettbewerber

Der Neobroker Scalable Capital eröffnete den Preiswettbewerb bereits im August. CEO Erik Podzuweit kündigte an, dass beim Standarddepot keine Gebühren für Depotführung, Sparpläne, Ein- oder Auszahlungen sowie Käufe und Verkäufe anfallen sollen. Scalable beziffert die laufenden Fondskosten auf höchstens 0,15 Prozent pro Jahr.

Im ersten Jahr will Scalable diese Fondskosten auf null reduzieren, für ausgewählte Produkte sogar bis Ende 2027.

Die Deka, der Fondsdienstleister der Sparkassen, veranschlagt für ihr Standarddepot 0,1 Prozent Gebühren pro Jahr. Die Depotführung und Zulagenverwaltung sollen kostenlos sein. Um das Angebot zu nutzen, müssen Anleger Kunde einer Sparkasse sein oder werden.

Das Standardmodell der Deka sieht eine automatische Umschichtung vor: zunächst eine vollständige Aktienposition, fünf Jahre vor Rentenbeginn 50 Prozent Aktienanteil und zwei Jahre vor Rentenbeginn eine weitere Reduzierung. Für das aktiv gemanagte Individualprodukt sind Effektivkosten zwischen 1,0 und 1,5 Prozent pro Jahr angekündigt.

Smartbroker+ kündigte ebenfalls ein kostenfreies Depot an. Das Unternehmen will für drei Jahre die Kosten der enthaltenen ETFs bis zu einem Anlagevolumen von 25.000 Euro erstatten. Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe sollen ebenfalls kostenlos sein. Um diesen Rabatt langfristig zu sichern, ist laut Anbieter eine Mindestaktivität von 15 Trades pro Jahr vorgesehen.

Quirion plant für ausgewählte Vanguard-ETFs Fondskosten von 0,07 beziehungsweise 0,08 Prozent. Union Investment, der größte Riester-Anbieter, will beim Standarddepot „Uni-Vorsorge Basis“ deutlich unter dem gesetzlichen Kostendeckel bleiben.

Marktreaktionen und offene Fragen

Die Ankündigungen der Anbieter sind derzeit bisher nicht alle verbindlich. Neobroker warten auf die finale BZSt-Zertifizierung, bei der Deka steht noch die BaFin-Genehmigung aus. Bis zum Start des AVD am 1. Januar 2027 können sich Konditionen noch ändern.

Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht vor übereilten Abschlüssen. Viele Details sind noch offen und Produkte könnten sich als Kostenfalle erweisen. Kritik an der Kostengrenze von einem Prozent kommt unter anderem mit der Forderung, sie auf 0,5 Prozent abzusenken. Eine entsprechende Online-Petition wurde laut Berichten von über 250.000 Menschen unterstützt.

Die ING-Deutschland hat zwei ETFs über eine White-Label-Plattform registriert. Es wird spekuliert, dass die Bank im Zuge des AVD-Starts eigene Produkte einsetzen könnte, um einen größeren Teil der Fondskosten zu vereinnahmen. ING-Deutschland-Chef Lars Stoy äußerte: „Das Beste, was dem Land in Sachen Altersvorsorge passieren könnte, ist, dass sich eine Bewegung in Gang setzt.“

Der Wettbewerb wird sich nicht nur über Preise, sondern auch über Paketlösungen, Beratungsangebote und Zugangsbedingungen entwickeln. Ein günstiger Einstieg über das AVD könnte als Türöffner für margenstärkere Folgeprodukte dienen. Das Finanzministerium plant eine Vergleichsplattform, auf der Anbieter ihre Kosten listen müssen.

Marktteilnehmer erwarten eine Verschiebung von Vertriebskanälen hin zu digitalen Anbietern. Zugleich bleiben die Diskussion über den Kauf von Einzelaktien im AVD und die Notwendigkeit von mehr Finanzbildung bestehen.