Die Inflation in Deutschland hat erstmals seit Ende 2023 wieder die Drei-Prozent-Marke überschritten. Laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise im September um 3,3 Prozent über dem Vorjahresmonat. Der Anstieg von 2,9 Prozent im August auf 3,3 Prozent setzt die Geldpolitik unter neuen Druck. Er wird maßgeblich von hohen Energiepreisen angetrieben.
Energiepreise forcieren Teuerung
Die Entwicklung der Energiepreise bildet den Hauptgrund für den erneuten Anstieg der Teuerungsrate. Diese stiegen im September um 14,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nach einem Plus von 10,5 Prozent im August.
Besonders Kraftstoffe verteuerten sich deutlich. Diesel verzeichnete in Nordrhein-Westfalen eine Preissteigerung von 48,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Benzin legte um 33,8 Prozent zu, Heizöl um 49,9 Prozent. Der Automobilclub ADAC berichtete bereits von Rekordpreisen an den Zapfsäulen.
Der schwelende Iran-Konflikt und das Vorrücken der Huthis an der Meerenge von Bab al-Mandab schüren zudem Sorgen um die globale Ölversorgung. Dies ließ den Preis für Brent-Rohöl zeitweise auf über 100 US-Dollar je Barrel steigen.
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, kommentiert: „Die massiv gestiegenen Energiepreise fordern ihren Tribut.“ Parallel dazu zogen die Importpreise in Deutschland bereits im August um gut acht Prozent an. Dies markiert den stärksten Anstieg seit Ende 2022.
Dämpfungsversuche und Prognosen
Die Bundesregierung hat einen erneuten Tankrabatt beschlossen. Dieser gilt vom 1. Oktober bis zum Jahresende und soll die Kraftstoffpreise um bis zu 17 Cent je Liter senken. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, erwartet, dass der Tankrabatt die Inflationsrate im Oktober um etwa 0,3 Prozentpunkte dämpft.
Michael Heise, Chefökonom des Vermögensverwalters HQ Trust, rechnet lediglich mit einer geringfügigen Dämpfung durch den Tankrabatt. Er prognostiziert, dass die Inflation in Deutschland auch im vierten Quartal etwas über drei Prozent liegen wird. Timo Wollmershäuser, Ifo-Konjunkturchef, konstatiert: „Sprit und Heizöl haben sich bereits spürbar verteuert, im Winter dürften die Energieversorger die Preise für Strom und Gas anheben.“
Die Kerninflation, welche Nahrungsmittel und Energie ausklammert, lag im September bei 2,4 Prozent. Die Preissteigerung bei Nahrungsmitteln betrug 0,4 Prozent, bei Dienstleistungen 2,7 Prozent.
Druck auf die EZB-Geldpolitik
Die wieder steigende Teuerungsrate in Deutschland erhöht den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB). Deren mittelfristiges Inflationsziel liegt bei zwei Prozent. Im August verzeichnete die Eurozone eine Inflationsrate von 3,3 Prozent.
Der EZB-Leitzins notiert aktuell bei 2,50 Prozent, nach zwei Anhebungen in diesem Jahr. Der Einlagenzinssatz wurde im Juni 2026 von 2,0 auf 2,25 Prozent erhöht. Ökonomen erwarten eine dritte Anhebung auf dann 2,75 Prozent bis zum Jahresende.
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank, bemerkt: „Wenn Rohstoffpreise steigen, sind Unternehmen immer schnell, dies an die Kunden weiterzugeben. Wenn sie wieder fallen, tun sie sich hingegen schwer damit, Preissenkungen weiterzugeben.“
Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), bezeichnete die jüngsten Inflationszahlen als „alarmierend“. Er warnte, dass steigende Zinsen notwendige Investitionen bremsen: „Steigende Zinsen erhöhen diese Kosten unmittelbar und bremsen notwendige Investitionen.“ Stefan Körzell, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), äußerte sich kritisch: „Eine Zinserhöhung wäre in der gegenwärtigen Situation ein schwerer Fehler und würde die wirtschaftliche Erholung mutwillig noch weiter abwürgen.“
Die EZB prognostiziert für das laufende Jahr eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,0 Prozent für die Eurozone und rechnet erst 2028 mit dem Erreichen des Zwei-Prozent-Ziels. Für Deutschland erwarten führende Wirtschaftsforschungsinstitute für 2027 eine Inflation von 3,2 Prozent, das Ifo-Institut rechnet mit 3,0 Prozent. Die Inflationsentwicklung bleibt damit ein zentrales Thema für die Entscheidungen der EZB und die wirtschaftliche Debatte in Deutschland.
Die Wirksamkeit des Tankrabatts und die weitere Entwicklung der Energiepreise werden von Marktbeobachtern genau verfolgt.







