Eine neue Transferstelle bündelt Erkenntnisse zur Digitalisierung von Schulen und überführt sie in die Schulpraxis. Das Projekt ist Teil einer größeren Initiative und knüpft an Vorgängerprogramme wie lernen:digital sowie BiSS beziehungsweise BiSS-Transfer an. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse für die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften nutzbar zu machen.
Damit soll die digitale Transformation im Bildungsbereich unterstützt werden.
Milliardenschwere Investition für die digitale Bildung
Die Einrichtung der Transferstelle steht im Kontext des Digitalpakts 2.0. Die Bildungsministerinnen und Bildungsminister der Länder und Bundesbildungsministerin Karin Prien haben sich am 18. Dezember 2025 auf diesen Pakt verständigt. Fünf Milliarden Euro sind über fünf Jahre von 2026 bis 2030 dafür vorgesehen. Bund und Länder finanzieren diese Summe hälftig.
Der Bund steuert 2,5 Milliarden Euro bei. Der Großteil dieser Mittel stammt aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“. Davon sind 2,25 Milliarden Euro für die Verbesserung der digitalen Bildungsinfrastruktur im Digitalpakt 2.0 vorgesehen.
Weitere 250 Millionen Euro sind für die Bund-Länder-Initiative „Digitales Lehren und Lernen“ bestimmt. Letztere sieht praxisorientierte Forschung in fünf Clustern vor und umfasst eine wissenschaftlich geleitete Transferstelle.
Für die Kommunen als Schulträger sind pauschalierte Zuweisungen geplant, um den bürokratischen Aufwand zu reduzieren. Der Maßnahmenbeginn des Digitalpakts 2.0 wurde auf den 1. Januar 2025 datiert. Die offizielle Laufzeit reicht von 2026 bis 2030.
Der Vorgänger, Digitalpakt Schule (2019 bis 2024), stellte 6,5 Milliarden Euro an Bundesmitteln bereit. Diese wurden durch Landes- und kommunale Eigenanteile ergänzt. Nach Angaben aus der Verwaltung sind etwa 97 Prozent der verfügbaren Mittel gebunden worden.
Nahezu alle rund 30.000 Schulen in Deutschland profitierten davon. Hamburgs Bildungssenatorin Ksenija Bekeris äußerte, die Einigung von Bund und Ländern habe für viele Länder die Fortführung der Digitalisierung der Schulen ermöglicht.
Brückenschlag zwischen Forschung und Schulpraxis
Die neue Transferstelle, konzipiert als Nachfolgeprojekt von lernen:digital, soll Wissen vernetzen, den Transfer gestalten und Lehrkräfte stärken. Kernaufgabe ist es, einen systematischen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis zu etablieren. Wissenschaftliche Expertise wird in Kompetenzzentren zusammengeführt.
Zusätzlich fördert die Transferstelle nutzernahe Forschung zu transferrelevanten Fragestellungen.
Prof. Dr. Katharina Scheiter, Professorin für Digitale Bildung an der Universität Potsdam und wissenschaftliche Leiterin der lernen:digital Transferstelle, betont die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit verschiedener Akteursgruppen für die digitale Transformation im Schulwesen.
Die Transferstelle arbeitet im Rahmen des Kompetenzverbunds lernen:digital, der fünf Kompetenzzentren umfasst. Sie vernetzt Akteure mit Landesinstituten für Lehrkräftebildung, der Bildungsverwaltung und der Bildungspolitik. Ziel ist es, die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften zu unterstützen, damit diese wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen und Praxisbedarfe berücksichtigen können.
Ralph Müller Eiselt, Vorstand des Forum Bildung Digitalisierung, nannte den Kompetenzverbund lernen:digital ein mögliches „Win-Win für das System Schule, um veränderte und digitale Lehr-Lern-Settings nachhaltig zu verankern.“ Das Forum wurde unter anderem von der Deutschen Telekom Stiftung, Bertelsmann Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Siemens Stiftung und Stiftung Mercator initiiert. Es bringt Expertise in Wissenschaftskommunikation und bei Dialog- und Transferformaten ein.
Bewährtes Modell: BiSS und BiSS-Transfer als Vorbild
Ein Modell für den Wissenstransfer ist die Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) und ihre Nachfolgerin BiSS-Transfer. BiSS startete 2013 und fokussiert die sprachliche Bildung sowie die Lese- und Schreibförderung von Kindern und Jugendlichen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) förderte BiSS-Transfer von 2020 bis 2025 gemeinsam mit den Ländern.
Die Leitstelle BiSS-Transfer ist seit 2026 am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung angesiedelt. Ihre Förderung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) läuft bis Ende 2027. Dr.
Stefan Luther vom BMBFSFJ bezeichnete BiSS als „eine absolute Erfolgsgeschichte“. Nach Angaben der Projektkoordination erreichten BiSS-Transfer-Maßnahmen bundesweit rund 4.200 Schulen und Kindertagesstätten.
Über BiSS-Blended-Learning-Angebote sollen mehr als 40.000 Fach- und Lehrkräfte fortgebildet worden sein. Die BiSS-Tool-Datenbank listet rund 130 Methoden zur sprachlichen Diagnostik und Förderung, jeweils mit einem Qualitätscheck. Dieses Modell des direkten Wissenstransfers und der praktischen Anwendung von Forschungsergebnissen wird in der Debatte als Vorlage für die Digitalisierungsinitiative genannt.
Die Bündelung von Expertise und die systematische Förderung durch Bund und Länder sind Teil der Strategie, die Schulen digital anschlussfähiger zu machen. Die Herausforderung besteht darin, die gewonnenen Erkenntnisse und bewährten Strukturen auf die komplexe Materie der schulischen Digitalisierung zu übertragen. Eine Verzahnung technischer Infrastruktur und pädagogischer Inhalte wird in den offiziellen Verlautbarungen als Voraussetzung für eine verantwortungsbewusste Medienbildung genannt.
Diese berücksichtigt auch Fragen im Umgang mit künstlicher Intelligenz. Analysten werden beobachten, wie die Transferstelle die unterschiedlichen Akteure und die vorhandenen Strukturen effektiv verknüpft, um die angestrebte Wirkung in der Schulpraxis zu erzielen.







