Der Hamburger Investor DTCP, einstiger Finanzarm der Deutschen Telekom, hat für seinen ersten spezialisierten Verteidigungsfonds Kapitalzusagen in Höhe von 455 Millionen Euro erhalten. Beim First Closing dieses Fonds verfolgt DTCP das Ziel, in Unternehmen mit innovativen Produkten im Rüstungsbereich zu investieren. Der Fonds reiht sich ein in einen Markttrend, bei dem Investoren vermehrt in KI-Startups und Rüstungsfirmen engagieren.

DTCP plant, pro Unternehmen zwischen 20 und 50 Millionen Euro zu investieren. Das Kapital für den Fonds stammt dabei ausschließlich aus Europa.

Wachsendes Interesse am europäischen Defense-Tech-Sektor

DTCP hatte den Start des Fonds „DTCP Defense“ im Januar bekannt gegeben und nun das First Closing über 455 Millionen Euro vermeldet. Thomas Preuß, Managing Partner bei DTCP, betont: „Wir waren die Ersten in Europa, die im Bereich ‚Defence Growth Equity‘ einen so großen Fonds aufgesetzt haben und bereits aktiv aus diesem Fonds investieren.“ Preuß unterstreicht die Notwendigkeit, dass in Europa mehr Investmentinitiativen für Verteidigungs- und Resilienztechnologien entstehen.

Solche Unternehmen fänden in Europa oft nicht ausreichend Wachstumskapital.

Zu den Ankerinvestoren des DTCP Defense Fonds zählen die Deutsche Telekom und Porsche SE. Ergänzend kommen Kapitalgeber aus Dänemark und Estland hinzu, darunter EIFO, Danica und Smartcap.

Strategische Investitionen und Expertise

DTCP hat bereits erste Investments aus dem Fonds getätigt. Dazu gehören Beteiligungen an Six Robotics, einem norwegischen Unternehmen für Rüstungssoftware, und an Kraken Technology aus Großbritannien, einem Hersteller von Drohnenbooten. Die Bandbreite der Engagements reicht somit von softwarebasierten Lösungen bis zu physischen unbemannten Systemen.

Für den DTCP Defense Fonds sind Georgia Watson und Ole Aguirre verantwortlich. Watson war zuvor bei Lakestar und Goldman Sachs tätig. Aguirre arbeitete mehr als zehn Jahre für den norwegischen Nachrichtendienst und für norwegische Spezialeinheiten des Militärs. Überdies ist DTCP an deutschen Drohnenherstellern wie Quantum Systems und Stark beteiligt.

Der Wandel im Wagniskapitalmarkt

Der DTCP-Fonds ist Teil eines breiteren Trends: Investoren engagieren sich vermehrt in Startups mit Fokus auf künstliche Intelligenz oder Verteidigungstechnologien. Jüngste Finanzierungsrunden belegen diese Dynamik: Das Münchener Rüstungs-Startup Helsing sicherte sich im Sommer 1,8 Milliarden US-Dollar von Investoren wie Dragoneer sowie den Investmentsparten von Goldman Sachs und JP Morgan Chase.

Parallel dazu erzielte Tekever, ein portugiesisch-britisches Unternehmen für KI-gestützte autonome Systeme, eine Finanzierungsrunde von 580 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 6,4 Milliarden US-Dollar. Gründer und CEO Ricardo Mendes hebt die fundamentale Bedeutung von künstlicher Intelligenz, Autonomie und souveränen technologischen Kapazitäten für die Sicherheit und Resilienz demokratischer Gesellschaften in den kommenden Jahrzehnten hervor. Ben Wallace, Portfolio Manager bei Merlyn Advisors und ehemaliger britischer Verteidigungsminister, lobt Tekever und unterstreicht die Bedeutung technologischer Kapazitäten in Europa.

Herausforderungen und Chancen in der Produktion

Die Entwicklung kostengünstiger, aber effektiver Verteidigungssysteme gewinnt zunehmend an Bedeutung. Douglas Barrie vom International Institute for Strategic Studies merkt an: „Wenn Du denkst, dass Du genug Marschflugkörper in Deinem Bestand hast, hast Du wahrscheinlich nicht genug.“ Markus Schiller vom Stockholm International Peace Research Institute ergänzt: „Große Kriege werden mit Zahlen geführt, nicht mit Wunderwaffen.“

Auch die estnischen Streitkräfte betonen die Wichtigkeit der Entwicklung günstiger und wirksamer Waffensysteme.

Cambridge Aerospace, ein britisches Unternehmen für Luft- und Raketenabwehr, sammelte zuletzt 300 Millionen US-Dollar ein. CEO Steven Barrett erläutert den Kostenfaktor beim Abfangen von Drohnen: „Es würde Milliarden von US-Dollar pro Nacht kosten, was für keinen unserer Verbündeten tragbar ist.“

Das ukrainische Startup Fire Point entwickelt ballistische Raketenabfangjäger mit Zielkosten von unter einer Million Euro. Aktuell liegen die Abfangkosten teilweise bei bis zu 20 Millionen Euro. Das Raketenunternehmen Frankenburg plant indes eine Produktion von bis zu 100 Raketen pro Tag und ein Jahresziel von 1.500 Raketen für 2026.

Mikhail Kokorich, Gründer von Destinus, sieht die größere Herausforderung für Europa in der industriellen Kapazität, nicht in der Technologie selbst.

Ausblick: Die nächste Phase der europäischen Verteidigungsindustrie

Das First Closing des DTCP Defense Fonds über 455 Millionen Euro markiert einen Schritt in der laufenden Transformation des Verteidigungssektors. DTCP nennt ein mögliches Final Closing von rund einer halben Milliarde Euro. Ein drittes Investment steht bereits kurz vor dem Abschluss, den Namen des Zielunternehmens hat DTCP noch nicht veröffentlicht.

Offen bleibt, welche weiteren Investoren dem aktuellen Trend folgen und wie sich die Bewertungen der Startups im Defense-Tech-Sektor in den kommenden Quartalen entwickeln. Zudem wird sich zeigen, welche Rolle europäische Initiativen bei der Schließung der Kapitalmärkte für Verteidigungsunternehmen spielen können.