Ein deutscher Aktienfonds trotzt einem Langzeit-Trend: Der DWS Concept Platow übertrifft im Zehnjahresvergleich seinen Vergleichsindex „Best of Germany“. Diese Leistung steht im Kontrast zu Studien, die zeigen, dass die Mehrheit aktiv gemanagter Fonds ihre Benchmarks langfristig nicht schlägt.

Aktive Fonds: Eine Ausnahme von der Regel?

Der DWS Concept Platow stellt eine positive Ausnahme dar. Studien zeichnen für die meisten aktiven Fonds ein anderes Bild: Die S&P Dow Jones Indices (SPIVA)-Studie von Ende 2023 zeigt, dass die Mehrheit aktiver Aktienfonds weder nach fünf noch nach zehn Jahren eine Outperformance erzielt. Im Zehnjahresvergleich gelang es lediglich 8,7 Prozent der Eurozonen-Aktienfonds, 13,8 Prozent der Europa-Aktienfonds und 20,9 Prozent der Deutschland-Aktienfonds, ihre jeweiligen Vergleichsindizes zu schlagen.

Eine SPIVA-Auswertung von Ende 2015 ergab, dass nur 2,2 Prozent der in Euro gehandelten globalen Aktienfonds über zehn Jahre mindestens so gut abschnitten wie ihr Vergleichsindex S&P Global 1200.

Als zentraler Grund für die generelle Underperformance dient oft die Kostenstruktur. Aktive Fonds verlangen übliche jährliche Management- oder Verwaltungsgebühren von 1,5 bis 2,0 Prozent. Dazu kommen häufig Ausgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent.

Im Vergleich dazu liegen die laufenden Gebühren für ETFs auf den MSCI World-Index zwischen 0,12 und 0,20 Prozent pro Jahr. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht dies: Bei einer monatlichen Sparrate von 200 Euro und einer angenommenen Bruttorendite von sechs Prozent pro Jahr kann sich über 25 Jahre ein Unterschied von mehr als 19.000 Euro zwischen einem günstigen ETF und einem typischen aktiven Fonds ergeben.

Deutsche Fonds in der Kritik

Deutsche Aktienfonds weisen in den Analysen eine deutliche Underperformance auf. Im ersten Halbjahr 2024 erreichten 87,8 Prozent dieser Fonds ihre Benchmark nicht. Eine Scope-Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich zwei Prozent der deutschen Aktienfonds im Jahr 2024 ihren Vergleichsindex übertrafen.

Nach einer Morningstar-Analyse lag die Underperformance-Rate deutscher Aktienfonds nach zehn Jahren bei 53,2 Prozent. Als Beispiel wird der Fonds DWS Deutschland LC genannt, der seiner Benchmark über zehn Jahre um 57 Prozentpunkte hinterherhinkt. Das verwaltete Vermögen dieses Fonds wird mit 3,52 Milliarden Euro angegeben.

Branchenvertreter äußern sich kritisch. Julian Mayer vom VZ VermögensZentrum stellt fest: „Die meisten aktiv gemanagten Investmentfonds schaffen es nämlich nicht, ihren Vergleichsindex langfristig zu schlagen.“ Kianusch Cacace von justETF.com ergänzt: „Es gibt einen guten Grund, warum versierte Anleger ihr Geld in ETFs anlegen: weil aktive Fondsmanager bei ihrer Mission, den Markt zu schlagen, routinemäßig scheitern.“

Die Europe Persistence Scorecard weist zudem darauf hin, dass die Auswahl aktiver Fonds allein auf Grundlage vergangener Performance problematisch ist.

Wachstum aktiv verwalteter ETFs und Volumen passiver Welt-ETFs

Der Markt für aktiv gemanagte ETFs verzeichnete starkes Wachstum. Weltweit stieg das verwaltete Vermögen dieser Produktkategorie im Jahr 2025 um 65 Prozent auf rund 1,9 Billionen US-Dollar. In Europa wuchs das Volumen aktiv gemanagter ETFs innerhalb von zwei Jahren auf rund 53 Milliarden Euro bis 2025.

Bei passiven Welt-ETFs sind folgende Fondsvolumina angegeben: Der Xtrackers MSCI World 1C verwaltet 16,46 Milliarden Euro mit laufenden Kosten von 0,12 Prozent. Der Vanguard FTSE All-World weist 28,41 Milliarden Euro bei 0,19 Prozent laufenden Kosten auf. Der iShares Core MSCI World managt 110,06 Milliarden Euro bei 0,20 Prozent laufenden Kosten.

Die Outperformance eines einzelnen aktiven Fonds wie des DWS Concept Platow wirft Fragen zur Einordnung solcher Fälle auf. Unklar bleiben etwa die genauen Leistungsdaten, die Methodik des „Best of Germany“-Vergleichs und ob die Outperformance durch spezifische Marktbedingungen, das Portfoliomanagement oder eine besondere Allokation erklärt werden kann. Zukünftige SPIVA-Ausgaben oder aktualisierte Analysen von Morningstar und Scope könnten weitere Einblicke in die Dynamik zwischen aktiver und passiver Vermögensverwaltung liefern.