Das Siegener Deep-Tech-Unternehmen eleQtron sichert sich in einer Series-A-Finanzierungsrunde 57 Millionen Euro. Das Konsortium führt Schwarz Digits an, die IT- und Digitalsparte der Schwarz-Gruppe. Die Transaktion zählt zu den weltweit größten Series-A-Runden im Sektor Quantencomputing und gilt als strategischer Baustein für die technologische Souveränität Europas.

Strategischer Einstieg der Schwarz-Gruppe

Mit Schwarz Digits gewinnt das Vorhaben einen industrieorientierten Lead-Investor. Die Sparte des Handelskonzerns forciert damit den Aufbau unabhängiger Kapazitäten bei systemkritischen IT-Infrastrukturen. Neben dem Lead-Investor beteiligen sich institutionelle und private Geldgeber an der Runde, darunter der European Innovation Council Fund sowie die Risikokapitalgesellschaften Earlybird Venture Capital und Ankaa Ventures aus Frankreich.

Komplettiert wird das Konsortium durch den Laserspezialisten Precitec sowie die regionalen Förderbanken NRW.BANK und IFB Innovationsstarter.

Das Gesamtvolumen von 57 Millionen Euro setzt sich aus Eigenkapital und staatlichen Fördermitteln zusammen. Für eleQtron markiert der Abschluss den Übergang vom akademischen Spin-off zum kommerziellen Technologieanbieter. Das Unternehmen entstand im Mai 2020 aus dem Lehrstuhl für Quantenoptik der Universität Siegen und beschäftigt inzwischen mehr als 100 Fachkräfte an den Standorten Siegen und Hamburg.

Die operative Führung liegt bei Mitgründer und CEO Jan Henrik Leisse sowie CTO Dr. Michael Johanning. Mitgründer Prof. Dr. Christof Wunderlich schied im Juli 2025 aus der operativen Geschäftsführung aus, begleitet das Unternehmen jedoch weiterhin als Gesellschafter.

Mikrowellen statt Laser: Skalierung der Hardware

Technologisch differenziert sich eleQtron durch eine Ionenfallen-Architektur auf Basis der proprietären MAGIC-Technologie (Magnetic Gradient Induced Coupling). Anstelle fehleranfälliger und komplexer Lasersysteme nutzt das Startup miniaturisierte Hochfrequenz- und Mikrowellensignale zur Steuerung der Qubits.

Dieser Ansatz reduziert den apparativen Aufwand signifikant und erleichtert die Fertigung robuster, industrietauglicher Recheneinheiten. Das Entwicklungsziel umfasst raumtemperaturfähige Hardware-Chassis sowie modulare Systeme mit direktem Cloud-Zugang. Im Rahmen des EPIQ-Projekts liefert eleQtron zwei Rechner an das Forschungszentrum Jülich: ein modulares HiQ-System mit bis zu 30 Qubits bei Raumtemperatur sowie ein kryogenes HiQ-Plus-System mit bis zu 60 Qubits, das an den Supercomputer JURECA DC angebunden wird.

Zudem bestehen Industriekooperationen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie mit Infineon Technologies für Anwendungen in der Chemie, Logistik und Finanzwirtschaft.

Belastbare Auftragsbücher im europäischen Ökosystem

Zum Zeitpunkt des Closings weist eleQtron einen fest kontrahierten Auftragsbestand von mehr als 54 Millionen Euro aus. Einzelne Berichte beziffern das Volumen zwar auf über 60 Millionen Euro, maßgeblich bleiben jedoch die offiziellen Angaben des Unternehmens von mehr als 54 Millionen Euro. Diese Auftragslage belegt, dass die Hardware des Unternehmens bereits vor der breiten industriellen Marktreife kommerzielle Nachfrage generiert.

Die Runde fügt sich in eine Reihe substanzieller Abschlüsse im deutschen Quantenökosystem ein. Im Juli 2024 sammelte planqc 50 Millionen Euro in einer Series A ein, während das Münchener Hardware-Startup Quint rund zwölf Monate nach seiner Gründung 9,1 Millionen Euro einwarb.

Das wachsende Engagement privater Geldgeber trifft auf staatliche Förderinitiativen wie das Handlungskonzept Quantentechnologien des Bundes und das europäische Programm Quantum Flagship. Insgesamt flossen im Jahr 2024 rund 1,7 Milliarden Euro Risikokapital in deutsche Deep-Tech-Unternehmen, verteilt auf 78 Transaktionen.

Industrielle Fertigung als nächste Hürde

Mit dem frischen Kapital leitet eleQtron die Phase der industriellen Skalierung ein. Die Mittel fließen primär in den Ausbau der Fertigungskapazitäten, die Weiterentwicklung der Prozessoren und die Einbindung in bestehende Cloud-Strukturen.

Quantencomputing entwickle sich von einer forschungsgetriebenen Technologie zu einer industriell nutzbaren Infrastruktur, betont CEO Jan Henrik Leisse. Das Unternehmen wolle mit den Systemen reale industrielle Problemstellungen lösen.

Ob der Mikrowellen-Ansatz die erhoffte Stabilität im Dauerbetrieb liefert, wird sich nun in der Praxis zeigen. Die bevorstehende Integration in den Jülicher Supercomputer gilt dabei im Markt als entscheidender Härtetest für die kommerzielle Reife der Technologie.