Empirik, ein Startup aus der Inkubation von Sequoia Capital, hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 21 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Es agiert nun als eigenständiges Unternehmen. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine KI-gestützte Plattform zur präventiven Erkennung und Vermeidung von IT-Ausfällen weiterentwickeln und die Kundenbasis ausbauen.

Prävention statt Reaktion: Empiriks Ansatz

Empirik entwickelt eine Plattform, die mittels Künstlicher Intelligenz (KI) IT-Ausfälle in der Infrastruktur vorhersagt und verhindert, noch bevor sie eintreten. Das System verfolgt Systemänderungen und leitet daraus potenzielle Auswirkungen auf die gesamte Infrastruktur ab. Empirik bezeichnet dieses Vorgehen als stromaufwärts im Vergleich zu den meisten bestehenden Observability-Tools, die sich auf die Analyse nach einem Ausfall konzentrieren.

Sequoia-Partner Bogomil Balkansky ordnet Empirik in eine eigene Kategorie ein. Er sieht das Unternehmen als Ergänzung zu AI-SRE-Plattformen wie Resolve und Traversal. Die Notwendigkeit präventiver Systeme unterstreichen aktuelle Berichte.

Laut Splunk und Ciscos Report „Hidden Costs of Downtime" 2026 kosten ungeplante Ausfälle die größten Unternehmen weltweit zusammen jährlich 600 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 50 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Jede Organisation dieser Gruppe verliert demnach im Durchschnitt 300 Millionen US-Dollar pro Jahr durch Ausfälle, das sind mehr als 900.000 US-Dollar pro Stunde.

Ursprung und Führung: Rechenzentrumsexpertise trifft KI

Die Inkubation von Empirik bei Sequoia Capital begann 2023. Zu den Gründern zählen Avon Puri und Sudheer Dhurjati. Avon Puri trat 2020 als Chief Digital and Information Officer (CDIO) bei Sequoia ein.

Er verantwortete über ein Jahrzehnt Infrastrukturaufgaben bei Unternehmen wie Rubrik und VMware. Sudheer Dhurjati war ebenfalls IT-Führungskraft bei Sequoia. Beide erkannten das Anwendungspotenzial großer Sprachmodelle (LLMs) zur Vorhersage von Ausfällen.

Anfang dieses Jahres rekrutierte Sequoia Kartik Chandrayana als CEO von Empirik. Chandrayana war zuvor CPO bei Quantum Metric und VP of Observability bei Salesforce. Zu Empiriks Zielen äußerte er: „What agentic AI did for software, Empirik wants to do for infrastructure engineering.“ Erste Kunden, darunter S&P Global und Guardant Health, nutzen Empiriks Lösung bereits.

Wettbewerbsumfeld und Marktentwicklung

Empirik tritt in ein Marktumfeld mit etablierten Observability-Anbietern wie Datadog, Splunk, Dynatrace und New Relic. Das Ökosystem umfasst zudem Root-Cause-Analysis-Tools wie Causely und Incident-Response-Anbieter wie Resolve.ai. Letzteres Unternehmen erhielt im Februar 2026 eine Finanzierungsrunde über 125 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 1 Milliarde US-Dollar.

Empirik grenzt sich nach eigenen Angaben dadurch ab, dass das System Änderungen modelliert, bevor diese live geschaltet werden. Gartners „2026 Market Guide for AI Site Reliability Engineering Tooling“ prognostiziert eine Zunahme der Unternehmensadoption von AI-SRE-Tools auf 85 Prozent bis 2029, gegenüber unter fünf Prozent im Jahr 2025. Gartner prognostiziert ferner, dass bis 2029 ein großer Anteil der Unternehmen einen durch KI verursachten Ausfall erleben wird.

Ausblick: Skalierung und Integration

Die Seed-Finanzierung soll Empiriks autonome Observability-Fähigkeiten weiterentwickeln. Zudem unterstützt sie die Integration in das breitere AI-SRE-Ökosystem. Wie schnell Empirik seine Technologie in den Produktivsystemen großer Unternehmen etabliert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Die Fähigkeit zur präventiven Ausfallvermeidung könnte einen signifikanten Wettbewerbsvorteil darstellen und die Betriebsrisiken für Großunternehmen erheblich reduzieren.