München — Das bayerische Deeptech- und Energy-Startup Reverion hat eine Series-B-Finanzierungsrunde über 175 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Das Kapital ist primär für den Aufbau eines neuen Produktionsstandorts in Deutschland vorgesehen. Dort sollen hocheffiziente, reversible Brennstoffzellenkraftwerke industriell gefertigt werden, wobei Reverion bis zu 800 neue Arbeitsplätze schaffen will.

Mit dieser Finanzierung will Reverion seine jährliche Fertigungskapazität auf 250 Megawatt steigern. Das entspricht einer Verzehnfachung der bestehenden Produktionskapazität in Eresing bei München. Die Technologie, ein Spin-off der Technischen Universität München (TU München), ermöglicht die elektrochemische Umwandlung von Gasen wie Biogas, Erdgas und Wasserstoff in Strom.

Bei Stromüberschuss wandelt das System elektrische Energie in speicherbare Gase um.

Einordnung der Finanzierung

Die 175 Millionen US-Dollar, umgerechnet etwa 154 Millionen Euro, stammen aus einer Series-B-Runde, die von Kembara, einem Deeptech- und Klimafonds, angeführt wird. Als neue Investoren beteiligen sich Allianz, KfW Capital über ein von UVC Partners verwaltetes SPV, aurum Impact und Carbon Equity. Bestehende Investoren wie Extantia, Energy Impact Partners, alfa8, UVC Partners, EIC Fund und Possible Ventures sind erneut dabei.

Diese Series B markiert einen weiteren Expansionsschritt für das 2022 gegründete Unternehmen. Zuvor hatte Reverion im Juli 2022 eine Seed-Runde über 7 Millionen Euro und im September 2024 eine Series-A-Runde über 62 Millionen US-Dollar, einschließlich nicht-verwässernder Finanzierung, abgeschlossen. Das Startup nennt bereits ein Projektportfolio von über 2 Milliarden US-Dollar.

Technologie und Marktvorteile

Reverion entwickelt containerbasierte Brennstoffzellenkraftwerke, die im Kundenbetrieb einen elektrischen Wirkungsgrad von 74,2 Prozent erreichen. Dieser Wert wird in den Quellen als Weltrekord für thermische Kraftwerke bezeichnet und liegt nahezu doppelt so hoch wie bei konventionellen Generatoren. Langfristig strebt das Unternehmen einen Wirkungsgrad von bis zu 80 Prozent an.

Im Elektrolysebetrieb liegt der Wirkungsgrad laut Unternehmensangaben bereits bei über 70 Prozent. Die Technologie ist für Betreiber von Biogasanlagen relevant, da im Biogasbetrieb ein CO₂-negativer Betrieb möglich ist. Felix Fischer, COO und Mitgründer von Reverion, erläutert, die Anlagen erzeugen Strom, wenn er teuer ist, und produzieren Gas, wenn Strom günstig ist.

Dabei sollen die Betriebsmodi so aufeinander abgestimmt werden, dass Temperaturschwankungen in den Brennstoffzellen minimiert bleiben.

Stephan Herrmann, CEO und Mitgründer von Reverion, betont, „Was die Welt braucht, ist sauberer Strom auf Abruf. Mit dem Abschluss der Series B legen wir den Grundstein für die industrielle Großserienfertigung unserer Technologie.“ Unternehmensvertreter sehen in der Möglichkeit, Strom zu erzeugen und überschüssige erneuerbare Energie in speicherbare Gase zu wandeln, vielfältige Anwendungsfälle, etwa für die Versorgung von Industrie und Netzen.

Strategische Expansion und Arbeitsplatzschaffung

Der Großteil der Finanzierung ist für den Aufbau einer neuen „Megafactory“ in Deutschland vorgesehen. Reverion sucht dafür einen Standort mit rund 100.000 Quadratmetern Fläche, davon etwa 30.000 Quadratmeter für Gebäude. Eine gute Infrastruktur sowie die Verfügbarkeit von Strom- und Gasanschluss sind dabei wesentliche Kriterien.

Die Nähe zum bestehenden Stammsitz in Eresing ist wünschenswert, aber nicht zwingend.

Europa steht nach Firmenangaben im Fokus der Produktionspläne. Außerhalb Europas plant Reverion derzeit keine Produktion. Durch die Erweiterung sollen bis zu 800 neue Arbeitsplätze entstehen, darunter Monteure, Schweißer, Elektriker und Verwaltungskräfte.

Reverion beschäftigt aktuell über 200 Mitarbeiter am Stammsitz in Eresing. Das Unternehmen will die Produktion verzehnfachen, um der nach eigenen Angaben hohen internationalen Nachfrage gerecht zu werden.

Johannes von Borries, Managing Partner von UVC Partners, kommentiert, „Die meisten sahen in Reverion ein Biogas-Unternehmen. Wir sahen die effizienteste CO2-neutrale Stromerzeugung der Welt und den besten Ersatz für konventionelle Lösungen. Das System lässt sich für eine Vielzahl von Anwendungsfällen einsetzen, von Biogas über Gas-Kraftwerke bis zu Rechenzentren.

Reverion übertrifft vergleichbare Marktteilnehmer, die bereits Bewertungen in Milliardenhöhe erreicht haben. Das zeigt uns deutlich: Europa kann im DeepTech-Bereich nicht nur mithalten, sondern tatsächlich die Führung übernehmen.“

Ausblick auf Marktentwicklungen und nächste Schritte

Die Finanzierung soll die Serienfertigung der Brennstoffzellenkraftwerke beschleunigen und die industrielle Großserienfertigung vorantreiben. Investoren und Firmenvertreter sehen Einsatzfelder bei Biogasbetreibern, Energieversorgern sowie in Rechenzentren und bei Hyperscalern.

Reverion nennt als Herausforderungen die Finanzierung und operative Umsetzung des Scale-ups sowie die Rekrutierung der benötigten Fachkräfte für die größere Fertigung. Die Marktreaktion auf die geplante Verzehnfachung der Produktionskapazität und die Schaffung hunderter neuer Arbeitsplätze wird zeigen, ob Reverion die hohen Erwartungen erfüllen und seine Technologie flächendeckend etablieren kann.