Die US-amerikanische Batterie-Startup EnerVenue verlagert seine geplante Batteriefertigung von Kentucky nach China. Am 22. September 2026 nahm das Unternehmen die Massenproduktion in einer Fabrik in Changzhou auf.

Diese Verlagerung unterstreicht die Grenzen US-amerikanischer Bemühungen, Fertigungskapazitäten zurückzugewinnen. Zudem wirft sie Fragen zur Marktzugänglichkeit und den Produktionsbedingungen in den Vereinigten Staaten auf.

Produktion in Chinas „New Energy Capital“

EnerVenue, bekannt für die Entwicklung von Nickel-Wasserstoff-Batterien basierend auf NASA-Technologie aus dem Hubble-Weltraumteleskop und der Internationalen Raumstation, entschied sich für Changzhou. Die Stadt bezeichnet sich selbst als „New Energy Capital“. CEO Henning Rath nannte die tiefe Lieferkette und spezifische Expertise vor Ort als entscheidende Kriterien.

Rath erklärte, es wäre „sehr schwierig mit dem verfügbaren Kapital gewesen, den kommerziellen Produktionsprozess ohne den Bau in China zu demonstrieren.“

Als Rath im April 2026 zu EnerVenue kam, machte er den Bau in China zur Voraussetzung für sein Engagement. Die Fabrik in Changzhou ist nach Unternehmensangaben hoch automatisiert und erreicht einen Automatisierungsgrad von rund 95 Prozent. Die Baukosten bezifferte Rath auf 20 bis 50 Millionen US-Dollar. EnerVenue erwartet bis Ende 2026 etwa 400 Mitarbeiter in der chinesischen Produktion.

Die Gehälter für Ingenieure in China liegen laut Unternehmensangaben bei rund 12.000 Yuan, etwa 1.792 US-Dollar, pro Monat. Dies ist laut EnerVenue deutlich niedriger als vergleichbare Gehälter in den USA. Die staatliche Unterstützung Chinas beschränkte sich nach Angaben des Unternehmens auf Genehmigungen, Zertifizierungen und die Standortwahl.

Das gescheiterte Kentucky-Projekt

EnerVenue hatte 2023 Pläne für eine Produktionsstätte in Kentucky bekannt gegeben. Die erste Phase war mit 264 Millionen US-Dollar veranschlagt und sollte 450 Arbeitsplätze schaffen. Diese Pläne wurden 2024 aufgegeben. Rath bezeichnete die Erfahrung in Kentucky als „eine wertvolle Lernerfahrung.“

Die Eröffnung der Fabrik in Changzhou fiel auf den 22. September 2026 – denselben Tag, an dem US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping in Washington zusammentrafen. Rath bezeichnete die zeitliche Überschneidung als Zufall.

Finanzierung und globale Expansionspläne

Im März 2026 schloss EnerVenue eine Finanzierungsrunde von mehr als 300 Millionen US-Dollar ab. Die Runde führte Full Vision Capital an, das Family Office des Hongkonger Immobilien-Erben Peter Lee Ka-kit. Weitere Investoren sind Saudi Aramco und SLB. Das Unternehmen beschreibt sich selbst als „ein amerikanisches Unternehmen mit einer chinesischen Präsenz.“

EnerVenue sieht China als „die Fabrik der Fabriken“ und „ein wichtiges Sprungbrett“ für die globale Produktion. Für 2026 strebt das Unternehmen eine Jahreskapazität von 250 Megawattstunden an, was nach Unternehmensangaben etwa 300 Batteriezellen pro Tag entspricht. Bis zum dritten Quartal 2027 soll die Jahreskapazität auf 1 Gigawattstunde steigen.

Langfristig plant EnerVenue ab 2028 weitere Fabriken in Nordamerika, dem Nahen Osten und Europa. Die Auswahl der Standorte für diese zusätzlichen Werke soll im Jahr 2027 erfolgen.

Offene Fragen zur US-Marktzugänglichkeit

Die Verlagerung nach China wirft Fragen über die Qualifikation chinesisch gefertigter Zellen für US-Clean-Energy-Steuergutschriften auf. Es ist unklar, ob in China hergestellte Batteriezellen die Voraussetzungen für solche Förderprogramme erfüllen. Trumps Steuergesetz von 2025 enthält nach vorliegenden Angaben Einschränkungen für Produkte mit chinesischem Inhalt oder chinesischen Eigentumsverhältnissen, die die Förderfähigkeit beeinflussen könnten.

Rath signalisierte Interesse an einer Präsenz auf dem nordamerikanischen Markt, betonte aber zugleich: „Wir wollen auf dem nordamerikanischen Markt agieren. Es hängt jetzt ein wenig von Gesetzgebung und Regulierung ab.“ Die Positionierung EnerVenues zwischen den politischen Ambitionen der USA und den Vorteilen des chinesischen Produktionsstandorts hängt von der weiteren Gesetzes- und Marktentwicklung ab.

Analysten beobachten, inwieweit politische Rahmenbedingungen zukünftig die globalen Fertigungsstrategien von Technologieunternehmen prägen werden.