Der Hamburger Luxusimmobilienvermittler Engel & Völkers hat im US-Bundesstaat Florida eine Schadensersatzklage gegen ehemalige Franchisenehmer eingereicht. Dieser Rechtsstreit erfolgt in einem Umfeld, das von großen Kartellklagen und mehreren hohen Vergleichen im US-Immobiliensektor geprägt ist. Details zur Engel‑&-Völkers-Klage liegen bislang nur begrenzt vor.
Turbulenzen im US-Immobilienmarkt: Eine Welle von Klagen
Die Klage von Engel & Völkers, die als juristische Gegenwehr gegen frühere Lizenzpartner dient, reiht sich in eine Serie prominenter Rechtsstreitigkeiten im US-Immobiliensektor ein. Diese Auseinandersetzungen betreffen insbesondere Fragen zu Maklerprovisionen und Wettbewerb. Im Fokus stehen dabei große Akteure wie die National Association of Realtors (NAR) sowie Online-Plattformen wie Zillow und Redfin.
Ein zentraler Punkt sind Kartellklagen wegen Maklerprovisionen. Die NAR und mehrere große Maklerfirmen wurden beschuldigt, die Provisionen für Käufermakler durch Regeln der Multiple Listing Services (MLS) künstlich hochzuhalten. Im Oktober 2023 befand eine Jury in Missouri die NAR sowie einige Franchisegeber für haftbar und sprach einen Schadenersatz von 1,785 Milliarden US-Dollar zu.
Dieser Betrag kann sich nach US-Recht verdreifachen. Die NAR stimmte einem landesweiten Vergleich über 418 Millionen US-Dollar zu. Weitere Franchisegeber leisteten Zahlungen: Keller Williams 20 Millionen US-Dollar und RE/MAX 8,5 Millionen US-Dollar.
Insgesamt summieren sich die Vergleichszahlungen der Beklagten in diesem Kontext auf über eine Milliarde US-Dollar.
Kartellrechtliche Maßnahmen gegen Tech-Plattformen
Parallel zu den Auseinandersetzungen um Maklerprovisionen geriet der Markt für Mietanzeigen in den Blick der Wettbewerbshüter. Die Federal Trade Commission (FTC) und fünf US-Bundesstaaten – Arizona, Connecticut, New York, Virginia und Washington – erzielten einen Vergleich mit den Online-Immobilienplattformen Zillow und Redfin. Den Vorwürfen zufolge zahlte Zillow Redfin 100 Millionen US-Dollar, um Wettbewerb auf dem Mietwohnungsmarkt zu unterbinden; der entsprechende Vorfall datiert auf Februar 2025.
Laut FTC sollte Redfin daraufhin keine eigenen Anzeigen mehr für große Wohngebäude verkaufen, sondern Kunden an Zillow verweisen und Zillow-Angebote auf seinen Seiten anzeigen. Die FTC und die klagenden Bundesstaaten argumentierten, diese Vereinbarung schließe Redfin bis zu neun Jahre vom Wettbewerb in diesem Markt aus. Zugleich erhöhe sie die Preise für Vermieter um durchschnittlich 14,5 Prozent pro Inserat und mindere die Qualität der Inserate für Mieter.
Im September 2025 verklagte die FTC Zillow und Redfin; im November 2025 schlossen sich fünf Bundesstaaten dieser Klage an.
Der im August 2026 erzielte Vergleich sieht vor, dass Redfin seinen Mietanzeigendienst innerhalb von sechs Monaten wieder aufnimmt und eigene Kunden akquirieren darf. Zillow und Redfin müssen zudem eine Strafzahlung von zwei Millionen US-Dollar leisten. Die Partnerschaft der beiden Unternehmen kann bis mindestens 2030 fortbestehen; Redfin behält gleichzeitig die Möglichkeit, ein eigenes Vermietungsgeschäft aufzubauen.
Ausblick: Transparenz und Wettbewerb im Wandel
Die Klage von Engel & Völkers in Florida sowie die umfangreichen juristischen Auseinandersetzungen im US-Immobilienmarkt deuten auf tiefgreifende Veränderungen in Marktstrukturen und Geschäftsmodellen hin. Die Entscheidungen der Gerichte und die erzielten Vergleiche zielen darauf ab, den Wettbewerb zu stärken, die Transparenz bei Provisionen zu erhöhen und die Kosten für Immobiliensuchende zu senken. Die Abschaffung der Cooperative Compensation Rule der NAR, welche Käufermaklerprovisionen standardisierte, dürfte den Markt signifikant beeinflussen.
Offen bleibt, wie Engel & Völkers die Details seiner Klage gegen die ehemaligen Lizenzpartner kommunizieren wird und welche konkreten Auswirkungen dies auf seine US-Geschäfte haben könnte. Die Rechtsstreitigkeiten zielen darauf ab, mehr Transparenz und Wettbewerb zu schaffen. Sie können weitreichende Folgen für die Struktur und die Praktiken des US-Immobiliensektors nach sich ziehen.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Marktteilnehmer auf diese neuen Rahmenbedingungen einstellen.







