Epic Games verschiebt die Entwicklung eines Disney-Shooters und stellt die Produktion auf ein KI-fokussiertes Modell um. Künftig sollen generative KI-Werkzeuge Code schreiben und Grafiken erstellen. Menschliche Entwickler übernehmen vorrangig Steuerung, Prüfung, Korrektur und kreative Leitung der KI-generierten Inhalte.
Der Kurswechsel erfolgt im Kontext einer 1,5 Milliarden US-Dollar-Investition der Walt Disney Co. in Epic Games im Jahr 2024.
Der geplante Shooter, der Charaktere aus dem Marvel- und Star Wars-Universum vereint, sollte ursprünglich im März 2027 erscheinen. Epic Games kommunizierte dieses Datum nie öffentlich. Das Projekt ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben.
Neuausrichtung mit KI
Intern stellt Epic Games die Entwicklung auf ein „AI-First“ beziehungsweise „KI-beschleunigtes“ Produktionsmodell um. Laut internen Berichten kommen dabei generative KI-Werkzeuge wie Claude von Anthropic zum Einsatz, um Code zu schreiben und Grafiken zu erstellen.
Eine interne Anweisung sieht vor, künftig auf „handgeschriebenen Code“ zu verzichten. Artworks sollen über vollständige KI-Workflows entstehen. Entwicklerinnen und Entwickler konzentrieren sich Berichten zufolge auf die Steuerung, Prüfung, Korrektur und kreative Leitung der KI-generierten Inhalte.
Der Kurswechsel ist nach vorliegenden Informationen eine Reaktion auf Verzögerungen beim Entwicklungsfortschritt und einen unterschätzten Personalbedarf. Tim Sweeney, CEO von Epic Games, sprach von einem „großen internen Umbau“ und von „maximaler KI-Beschleunigung“. Er widersprach der Lesart, die KI-Strategie stünde im Zusammenhang mit den Entlassungen im März 2026.
Sweeney schrieb, die Maßnahme ziele stattdessen darauf ab, „mehr und Besseres zu bauen“. Jake Jones, Kommunikationsdirektor bei Epic Games, bestätigte, das Unternehmen setze auf „KI-beschleunigte Entwicklung“, bei der die Entwickler die kreativen Treiber bleiben.
Disneys Milliarden-Engagement
Die Entwicklung des Shooters steht im Rahmen der Partnerschaft zwischen Epic Games und der Walt Disney Co. Disney investierte 2024 insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar in Epic. Ziel war der Aufbau einer langfristigen Spiele-Plattform und eines neuen „Games- und Entertainment-Universums“ für Disney-Erfahrungen.
Der Shooter ist eines von drei Disney-Projekten bei Epic und galt intern als das vielversprechendste davon.
Interne Prüfer äußerten bereits im April 2026 Bedenken, die Spielmechanik sei „nicht sehr originell“. Berichte aus dieser Zeit beschrieben das Projekt als Extraction Shooter. Vergleichbare Titel erfordern, dass Spieler um Ressourcen konkurrieren und einen Extraktionspunkt erreichen müssen.
Unklar ist weiterhin, ob das Spiel als eigenständiger Titel oder als Modus innerhalb von Fortnite erscheinen wird.
Marktumfeld und offene Fragen
Eine Umfrage vor der Game Developers Conference ergab, dass 36 Prozent der Spielefachleute generative KI-Werkzeuge nutzen. Von diesen verwenden 81 Prozent KI für Recherche und Brainstorming, 47 Prozent für Code-Unterstützung und 35 Prozent für Prototypen. Epic Games scheint diese Entwicklung intern stärker zu forcieren.
Der Ansatz wirft Fragen zur Reife der Technologie für ein derart umfassendes Projekt auf. Mitarbeiter äußerten Skepsis, die Technologie sei bereits reif genug für ein großes Produkt. Sie befürchten mögliche Qualitätsprobleme bei KI-generierten Inhalten.
Zudem besteht ein Widerspruch zwischen Berichten über eine interne Anweisung, „kein handgeschriebener Code mehr“ zu verwenden und „vollständige KI-Workflows“ für Grafiken einzusetzen, und der offiziellen Darstellung, Entwickler blieben weiterhin die „kreativen Treiber“.
Der genaue Release-Termin des Disney-Shooters bleibt nach der Verschiebung unklar. Unklar ist ebenfalls, welche Auswirkungen die Umstellung auf ein KI-fokussiertes Produktionsmodell konkret auf Entwicklungsprozesse und das finale Spielerlebnis haben wird. Analysten beobachten nun, ob das Modell trotz der internen Bedenken die erhoffte Effizienzsteigerung und Innovation liefert.







