Festgeldzinsen über drei Prozent: Banken intensivieren Wettbewerb
Der deutsche Sparmarkt verzeichnet aktuell Festgeldangebote, die in den besten Fällen die Marke von drei Prozent Zinsen pro Jahr überschreiten. Diese Entwicklung spiegelt gestiegene Kapitalmarktzinsen wider und setzt Banken unter Druck, attraktivere Konditionen zu bieten. Zuletzt lancierte der Neobroker Scalable Capital am 1. September 2026 ein neues Festgeldprodukt.
Scalable Capital steigt ins Festgeld-Geschäft ein
Seit dem 1. September 2026 offeriert Scalable Capital ein Festgeldkonto. Anleger erhalten für eine Laufzeit von zwölf Monaten 2,75 Prozent Zinsen pro Jahr. Bei einer Bindung über 24 Monate liegt der Zins bei 3,00 Prozent p.a. Die Mindestanlage beträgt 1 Euro. Laut Unternehmen gibt es keine Obergrenze für den Anlagebetrag.
Erik Podzuweit, Gründer und Co-CEO von Scalable Capital, betont: „Egal ob maximale Planbarkeit durch garantierte Renditen beim Festgeld oder volle Flexibilität beim Tagesgeld: Wir bieten Sparern mit unserem Zinsangebot eine attraktive und verlässliche Heimat für ihr Vermögen.“
Zudem erhöhte Scalable Capital den variablen Tagesgeldzinssatz für Prime+-Kunden von 2,50 Prozent auf 2,60 Prozent p. a. Die Zinsgutschrift erfolgt monatlich. Im Prime+-Abo können Kunden Guthaben auf bis zu fünf Partnerbanken verteilen, wodurch die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Bank mehrfach genutzt werden kann.
Bei Free-Nutzern wird das Guthaben teilweise in Geldmarktfonds geparkt und ist nicht immer durch die deutsche Einlagensicherung abgesichert.
Konkurrenzdruck treibt Top-Angebote an
Die Offensive von Scalable Capital reiht sich in eine Serie von Konditionsanpassungen anderer Anbieter ein. Einige Banken offerieren bereits Konditionen oberhalb von drei Prozent.
Marktbeispiele verdeutlichen dies:
- Die Isbank bietet 3,40 Prozent p. a. für zwölf Monate an. Eine Anlage von 25.000 Euro generiert hier einen Zinsertrag von 850 Euro.
- Die J&T Direktbank offeriert Festgeldzinsen von bis zu 3,5 Prozent, darunter 3,20 Prozent für zwei Jahre und 3,50 Prozent für zehn Jahre.
- Bei der Opel Bank erhalten Anleger 3,11 Prozent für einjährige Festgelder.
- Die Ferratum Bank listet 3,30 Prozent für zwei Jahre und 3,40 Prozent für drei Jahre; für zwölf Monate sind 3,20 Prozent angegeben.
- HoistSpar gewährt 3,10 Prozent p. a. für zwölf Monate.
- Die BBVA aus Spanien hat ihre Festgeldzinsen erhöht; sie bietet 3,10 Prozent für zwölf Monate und bis zu 3,50 Prozent für fünf Jahre. Das sogenannte „Flexible Festgeld“ der BBVA erlaubt zwar eine Kündigung, bei vorzeitiger Beendigung entfällt jedoch die Verzinsung für den tatsächlichen Anlagezeitraum.
Vergleiche anderer Anbieter zeigen ähnliche oder höhere Zinssätze als das Angebot von Scalable Capital.
Hintergrund des Zinsanstiegs: EZB-Politik und Inflation
Der Anstieg der Festgeldzinsen steht im direkten Zusammenhang mit der Entwicklung am Kapitalmarkt und der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Renditen deutscher Staatsanleihen liegen laut Beobachtern auf einem Stand, der zuletzt vor etwa 15 Jahren erreicht wurde. Die EZB erhöhte im Juni 2026 die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte; der Einlagensatz liegt nach den vorliegenden Angaben bei 2,25 Prozent.
Für die EZB-Sitzung am 10. September 2026 wird in vielen Berichten eine weitere Zinserhöhung erwartet; diese Erwartung sei bereits in einigen Angeboten eingepreist.
Der biallo-Index für einjährige Festgeldangebote (Anlage: 25.000 Euro) zeigt eine Aufwärtsbewegung: Zu Jahresbeginn lag er bei 1,52 Prozent, Ende Juni bei 1,95 Prozent und aktuell bei 2,05 Prozent.
Die geschätzte Inflation in Deutschland für August 2026 liegt bei 2,9 Prozent. Damit bleiben viele kurzfristige Festgeld- und Tagesgeldangebote real weiterhin im Minus. Das zwölfmonatige Festgeld von Scalable Capital mit 2,75 Prozent sowie das Tagesgeld mit 2,60 Prozent liegen unterhalb dieser Inflationsrate; einige Konkurrenzangebote überschreiten die Inflationsrate.
Risiken: Betrugsversuche im Blick
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt vor betrügerischen Angeboten im Bereich der Festgeldanlagen. Teilweise werde die Identität des Vergleichsportals CHECK24 missbraucht, unter anderem mit Domains wie „@check24group.com.de“. Betrüger versprechen hohe Zinsen, um Anleger auf gefälschte Plattformen zu locken.
Die BaFin empfiehlt, die Seriosität von Angeboten unabhängig zu prüfen und auf die IBAN des Empfängers zu achten, da diese oft nicht der beworbenen Bank zugeordnet ist.
Ausblick: Erwartungen der Märkte
Die weitere Entwicklung der Festgeldzinsen hängt maßgeblich von der Geldpolitik der EZB und der Entwicklung der Inflation ab. Eine weitere Anhebung des Leitzinses könnte den Wettbewerb unter Banken beeinflussen und zu weiteren Anpassungen der Konditionen führen. Relevant bleibt, wie sich die realen Renditen gegenüber der Inflationsrate entwickeln und wie sicher das jeweilige Angebot durch Einlagensicherung oder andere Mechanismen abgesichert ist.
Die BaFin-Warnungen unterstreichen, dass eine genaue Prüfung bei der Auswahl von Festgeldangeboten unerlässlich ist.







