Die europäische Debatte um die Regulierung Künstlicher Intelligenz (KI) droht, „gestrige Schlachten zu schlagen“. Diese Formulierung stammt vom griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis. Er fordert „smarte Regulierung“ und verweist auf Risiken wie die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung und das Suchtpotenzial von KI-Chatbots bei Kindern.

Die Europäische Union hat mit dem AI Act einen rechtlichen Rahmen geschaffen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnet diesen als ein „crucial piece“, der Europa befähige, globale Bemühungen mitzugestalten. Von der Leyen warnte vor KI-gestütztem Hacking und sprach sich dafür aus, die Entwicklung selbstverbessernder Modelle zu verlangsamen.

Zugleich kündigte sie einen sogenannten „Kids Act“ an, der Nutzungsgrenzen für Kinder vorsieht.

Griechenlands Plädoyer für smarte Regulierung

Kyriakos Mitsotakis äußerte bei einem Besuch in San Francisco Besorgnis über die rasante Entwicklung von KI. Bei Treffen mit Gründern, Investoren und Führungskräften, unter anderem bei Tesla und Sequoia Capital, betonte er: „Job displacement is something which is going to happen, and no government and no society is prepared for the speed with which it will happen.“ Er thematisierte zudem die Auswirkungen digitaler Begleiter auf Kinder: „What does it mean for our kids to grow up with digital companions or boyfriends or girlfriends?“

Griechenland plant ab Januar 2027 ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren. Zudem führte das Land ein Bildungspilotprojekt mit OpenAI durch und investierte in digitale Infrastruktur. Rund 36 Milliarden Euro aus dem Post-COVID-Wiederaufbaufonds der Europäischen Union flossen in diesen Bereich.

Unternehmen wie Hewlett Packard Enterprise, das sich am Bau eines Supercomputers in Lavrio beteiligt, Microsoft mit einem Cluster von Rechenzentren nahe Athen und AWS mit einem Deal zum Bau eines großen Rechenzentrums in einer ehemaligen Kohleregion, sind in Griechenland aktiv oder haben Projekte angekündigt.

EU kämpft gegen Risiken und für Technologieführerschaft

Die Europäische Union hat mit dem AI Act einen zentralen Regelungsbaustein verabschiedet. Von der Leyen sagte: „The AI Act is, of course, a crucial piece to put in place guardrails, and it puts Europe in a position to shape global efforts on how to tackle this.“ Zur Kinder- und Jugendschutzinitiative erklärte sie, man wolle „No social media under the age of 13.

No personal account under the age of 15.“ Die Umsetzung soll „a gradual and differentiated approach“ verfolgen. Hilfsquellen präzisieren, dass 13- und 14-Jährige elternbeaufsichtigte Konten mit eingeschränkten Funktionen und Zeitlimits erhalten sollen.

Pedro Sánchez, Spaniens Premierminister, betonte auf einer Veranstaltung zur KI-Regulierung in Madrid: „La autorregulación no funciona.“ Er lehnt eine Selbstregulierung der Branche ab und verwies darauf, dass Sicherheitswarnungen einiger Tech-Größen teilweise auch der Kapitalbeschaffung dienen könnten. Zu Spaniens Maßnahmen gehören die Einrichtung einer speziellen KI-Überwachungsbehörde (AESIA) in A Coruña und die Entwicklung neuer KI-Modelle am Barcelona Supercomputing Center.

Das nationale KI-Gesetz wurde im Mai 2026 an das Parlament übermittelt.

Offene Fragen und ein ambivalentes US-Verhältnis

Die internationale Diskussion bleibt heterogen. US-Präsident Donald Trump hat existenzielle Warnungen vor KI einerseits als „HOAX“ bezeichnet, andererseits auf Risiken und die geopolitische Dimension hingewiesen. Er befürchtet, Regulierung könne China helfen, die USA zu überholen. Die USA setzen darauf, ihre Führungsrolle in der KI-Entwicklung zu bewahren.

US-Treasury Secretary Scott Bessent traf sich mit chinesischen Beamten zu Gesprächen über KI-Sicherheit. Er schlug einen neuen Benachrichtigungsmechanismus für KI-Sicherheit zwischen Präsident Trump und Präsident Xi vor.

Umfragen zeigen unterschiedliche Nutzungsmuster und Vertrauen: Eine Morgan-Stanley-Umfrage ergab, dass 80 Prozent der chinesischen Befragten KI mindestens wöchentlich nutzen, verglichen mit 54 Prozent in den USA. Eine Edelman-Umfrage meldet ein deutlich höheres Vertrauen chinesischer Befragter in ihre Regierung bezüglich KI als in den USA.

Die Debatte um den EU CHIPS Act 2.0 wird am 24. September geführt und zeigt, wie eng Technologiepolitik und industrielle Förderung verknüpft sind. Kyriakos Mitsotakis wird am 22.

September zur UN-Generalversammlung in New York reisen. Die weitere Entwicklung der globalen KI-Regulierungslandschaft und die Koordination zwischen den Großmächten bleiben zentrale Themen für Wirtschaft und Politik. Analysten erwarten, dass insbesondere die Balance zwischen Innovationsförderung und Risikominimierung die kommenden Monate prägen wird.