Die Europäische Union startet die zweite Phase ihrer European Tech Champions Initiative (ETCI 2.0). Ein Zielvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro soll insgesamt bis zu 80 Milliarden Euro an Investitionen mobilisieren. Die Initiative zielt darauf ab, die Finanzierungslücke für Scale-ups zu schließen und diese zu globalen Marktführern zu entwickeln.

Die federführende Europäische Investitionsbank (EIB) Gruppe plant, bis zu 1,25 Milliarden Euro in ETCI 2.0 zu investieren.

Finanzierung für Wachstum

Die European Tech Champions Initiative (ETCI) ist als Dachfonds (Fund‑of‑Funds) konzipiert. Sie lenkt Kapital in größere und mittlere Wachstumsfonds. Das Vorhaben will europaweit mehr als 1.500 Scale‑ups unterstützen und ihnen Zugang zu Wachstumskapital ermöglichen.

Besonders im Fokus steht die Schließung der Lücke bei Megafonds‑Investitionen, mit einer durchschnittlichen Ticketgröße von rund 200 Millionen Euro pro Unternehmen.

Die Initiative will mehr als 100 Fonds anstoßen, darunter bis zu 45 Megafonds. Die erste Phase, ETCI 1, startete 2023 mit einem Volumen von 3,9 Milliarden Euro. Der Vorgängerfonds unterstützte 15 Megafonds und trug zur Entwicklung von zwölf europäischen „Unicorns“ bei – Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Euro.

Dazu zählt die Kölner Firma DeepL. Das Unternehmen kündigte eine Restrukturierung an, die Berichten zufolge rund 250 Arbeitsplätze betreffen und zu kleineren, KI‑gestützten Teams führen soll.

Breite Rückendeckung

Der Start von ETCI 2.0 erfolgte am Rande einer ECOFIN‑Tagung der EU‑Finanzminister in Brüssel. Alle 27 EU‑Mitgliedstaaten sind an der Initiative beteiligt. Deutschland und Frankreich bekundeten bereits 2022 ihre Absicht, jeweils eine Milliarde Euro für die ursprüngliche Initiative zu binden.

Nadia Calviño, Präsidentin der EIB‑Gruppe, erklärt, die Partnerschaft verschaffe europäischen Unternehmen schnelleren Zugang zu benötigtem Wachstumskapital. Sie bezeichnet dies als wichtigen Schritt, um die Finanzierungslücke für Scale‑ups zu schließen und sicherzustellen, dass in Europa entstehende Ideen, Technologien und innovative Unternehmen hier ihr Potenzial entfalten können.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ordnet die Initiative als strategische Investition in Europas Zukunft ein. Er betont, dass die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, technologischen Souveränität und des wirtschaftlichen Wohlstands Europas durch besseren Zugang zu Wachstumskapital für innovative Unternehmen „Made in Europe“ gefördert werde. Eine enge Zusammenarbeit mit europäischen Partnern zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung in Europa bleibe bestehen.

Neben staatlichen Akteuren beteiligen sich bereits private institutionelle Investoren. Dazu gehören die Danske Bank (Dänemark), AltamarCAM und Banco Santander (Spanien) sowie Azimut Holding und Green Arrow Capital (Italien). Weitere private Investoren werden zu einem späteren Zeitpunkt erwartet.

Umfassende Tech-Strategie

Die ETCI 2.0 fügt sich in einen breiteren Zusammenhang von EU‑Initiativen zur Stärkung technologischer Souveränität ein. Dazu zählen die im März 2024 geschaffene Strategic Technologies for Europe Platform (STEP), die 2025 auch um Verteidigungstechnologien erweitert wurde, sowie das von der Kommission vorgestellte „Tech Sovereignty Package“.

Dieses Paket umfasst unter anderem den Chips Act 2.0 und den Cloud and AI Development Act (CADA). Ziel ist es, die europäische Halbleiterproduktion und die Entwicklung von Cloud‑ und KI‑Diensten zu fördern. Ferner diskutiert die EU die Einführung von „Made in Europe“‑Regeln für die öffentliche Beschaffung grüner Technologien.

Der Industrial Accelerator Act (IAA) soll die europäische Fertigung unterstützen und die Dekarbonisierung vorantreiben. Für 2035 formuliert die EU das Ziel, den Anteil des verarbeitenden Gewerbes am BIP der EU von 14,3 Prozent (2024) auf 20 Prozent zu steigern.

Ausblick und offene Fragen

Das First Closing von ETCI 2.0 wird im zweiten Halbjahr 2026 erwartet. Dann soll auch das endgültige Fondsvolumen feststehen. Marktbeobachter wie Lisa Brauer, Geschäftsführerin von digihub, begrüßen die Initiative.

Sie weisen jedoch darauf hin, dass bürokratische Hürden abgebaut werden müssen, damit die Maßnahme die Bedürfnisse von Scale‑ups erfüllt. Brauer sieht die Initiative als wichtiges Signal aus der EU, betont aber die Notwendigkeit einer Anpassung des bürokratischen Teils an die Bedürfnisse innovativer Unternehmen.

Gleichzeitig besteht die Aufgabe nicht nur darin, Kapital zu mobilisieren, sondern auch ein Umfeld zu schaffen, das Talent anzieht und grenzüberschreitende Marktchancen erschließt. Die Verschiebung der vollständigen Compliance‑Anforderungen für Hochrisiko‑KI‑Systeme im Rahmen der EU‑KI‑Regulierung auf Dezember 2027 macht die Komplexität der Umsetzung solcher politischen Vorhaben deutlich. Der Erfolg von ETCI 2.0 hängt daher auch davon ab, wie gut die Initiative sich in das Geflecht aus parallelen Programmen und Regulierungen einfügt und wie effizient das mobilisierte Kapital bei den wachstumsstärksten Unternehmen ankommt.