Khosla Ventures intensiviert sein Engagement im indischen Gesundheitssektor und führt eine neue Finanzierungsrunde für Even Healthcare an. Das indische Startup, welches ein mitgliedschaftsbasiertes Gesundheitsmodell betreibt, sammelt in der Series B 50 Millionen US-Dollar ein. Mit diesem Kapital will Even Healthcare den Aufbau und Betrieb eigener Krankenhäuser vorantreiben.

Ziel ist es, in einem der weltweit größten Märkte die Gesundheitsversorgung neu zu gestalten und den Fokus von unnötigen Behandlungen auf ergebnisorientierte Patientenversorgung zu verschieben.

Erneutes Vertrauen in ein disruptives Modell

Khosla Ventures, die Venture-Capital-Firma von Vinod Khosla, investiert bereits seit der Seed-Runde im Jahr 2021 in Even Healthcare und erhöht nun seine Beteiligung. Vinod Khosla erklärte, die klinischen und wirtschaftlichen Ergebnisse hätten ihn überzeugt. Even könne ein wichtiges neues Modell für die Gesundheitsversorgung in Indien und darüber hinaus werden.

Er sieht in dem Startup eine Kombination aus Finanzierung, Technologie und Versorgung, die darauf abzielt, bessere Gesundheitsergebnisse zu belohnen.

Die neue Finanzierungsrunde bewertet Even Healthcare nach der Transaktion mit 300 Millionen US-Dollar. Laut Angaben entspricht dies einer Verdreifachung der Bewertung im Vergleich zu vor 18 Monaten. Zu den weiteren Investoren in dieser Runde zählen Alpha Wave, DLB Ventures und Simon Fiduciaria.

Die gesamte bislang von Even Healthcare eingeworbene Kapitalsumme wird in einer Quelle mit über 120 Millionen US-Dollar angegeben.

Skalierung durch eigene Infrastruktur

Even Healthcare wurde 2020 von Mayank Banerjee, Matilde Giglio und Alessandro Davide Ialongo gegründet und hat seinen Hauptsitz in Bengaluru, Indien. Das Geschäftsmodell basiert auf monatlichen Abonnements, die eine kontinuierliche Versorgung umfassen. Diese reicht von Beratungen über Diagnosetests bis zu Krankenhausaufenthalten und Nachsorge.

Ein zentraler Bestandteil ist die Bezahlung der Ärzte mit einem Festgehalt anstatt leistungsbezogener Vergütung, um Anreize für unnötige Behandlungen zu reduzieren.

Mit den frischen Mitteln plant Even Healthcare den Aufbau und Betrieb eigener Krankenhäuser. Bislang hat das Unternehmen zwei Kliniken in Bengaluru eröffnet, die laut Unternehmensangaben innerhalb eines Jahres operativ profitabel sind, exklusive Abschreibungen. Die Strategie, eigene Einrichtungen zu betreiben, soll eine größere Kontrolle über die Patientenversorgung und die Kostenstruktur ermöglichen.

Mayank Banerjee, Mitgründer von Even Healthcare, konstatiert, Patienten erhielten nicht nur eine schlechte Erfahrung, sondern Versicherer auch ein schlechtes wirtschaftliches Geschäft. Daher habe man beschlossen, dies durch den Bau eigener Krankenhäuser zu ändern. Fünf weitere Krankenhäuser in Bengaluru sollen innerhalb der nächsten sechs Monate eröffnet werden.

Kennzahlen und Herausforderungen

Even Healthcare verzeichnet rund 250.000 Mitglieder und hat seit seinem Start im Jahr 2021 mehr als 750.000 Patientenkontakte registriert. Das Unternehmen hebt hervor, dass die Rate ungeplanter Wiedereinweisungen bei unter einem Prozent liegt. Der Branchendurchschnitt bewegt sich dagegen zwischen acht und 15 Prozent.

Zudem nennt das Unternehmen eine Verkürzung der Krankenhausverweildauer um 40 Prozent.

Das Unternehmen gibt Einsparungen für Versicherer in Höhe von über 500 Millionen indischen Rupien an. Der Umsatz von Even Healthcare wird für das Geschäftsjahr 2025 mit 272 Millionen indischen Rupien (etwa 2,86 Millionen US-Dollar) angegeben. Der Nettoverlust wird für das Geschäftsjahr 2025 mit 902 Millionen indischen Rupien (etwa 9,50 Millionen US-Dollar) beziffert.

Dieser Verlust liegt laut Quelle fast 25 Prozent über dem Vorjahreswert. Im August kam es zu Entlassungen von rund 350 Mitarbeitern. Aktuell beschäftigt Even Healthcare rund 650 Mitarbeiter, davon etwa 300 festangestellte Ärzte.

Operative Verluste und personelle Anpassungen stellen Herausforderungen dar, denen sich das Unternehmen stellen muss.

Ausblick auf eine sich wandelnde Gesundheitslandschaft

Die Investition von Khosla Ventures in Even Healthcare steht im Kontext einer verstärkten Fokussierung auf digitale Angebote und neue Versorgungsmodelle im indischen Gesundheitswesen. Der Aufbau einer integrierten Versorgungsinfrastruktur, die auf Technologie und eigene physische Präsenz setzt, ist Teil der Strategie von Even. Entscheidend für den langfristigen Erfolg wird sein, ob Even Healthcare die Skalierung der eigenen Krankenhäuser effizient umsetzen und gleichzeitig die Profitabilität nachhaltig verbessern kann.

Analysten werden die Entwicklung des Nettoverlustes und die Umsatzsteigerungen in den kommenden Geschäftsjahren genau beobachten, um das Potenzial des Modells besser einzuschätzen.