Das Hamburger Biotech-Unternehmen Evotec hat vorläufige Neunmonatszahlen veröffentlicht, die über den aktuellen Markterwartungen liegen. Gleichzeitig vollzieht der SDax-Konzern mit dem Verkauf seiner französischen Biologika-Produktion an Sandoz einen strategischen Schnitt. Die Transaktion unterstreicht die Neuausrichtung des Geschäftsmodells.

Sie spült dem Unternehmen sofort rund 350 Millionen US-Dollar in die Kassen.

Evotecs Zahlen über Markterwartung

Evotec, ein im SDax und an der NASDAQ gelistetes Unternehmen, hat vorläufige Ergebnisse für die ersten neun Monate vorgelegt. Konzernumsatz und bereinigtes Konzern-EBITDA variieren in der Berichtsperiode je nach Quelle. Für 9M 2025 werden ein Konzernumsatz von 535,1 Millionen Euro und ein bereinigtes Konzern-EBITDA von minus 16,9 Millionen Euro genannt.

Einige Quellen ordnen diese Zahlen jedoch dem laufenden Jahr zu. Diese widersprüchliche Zuordnung ist in den Quellen dokumentiert.

Die vorgelegten vorläufigen Zahlen liegen nach Unternehmensangaben über den Konsensschätzungen der Analysten. Evotec führt die Abweichung auf die zeitliche Verteilung der Schätzungen zurück. Die vollständigen Zahlen für die neun Monate will das Unternehmen planmäßig am 5. November 2026 veröffentlichen.

Trotz der besseren vorläufigen Neunmonatsergebnisse bestätigt Evotec die Jahresprognose für 2026 unverändert. Diese sieht einen Konzernumsatz zwischen 570 und 610 Millionen Euro sowie ein bereinigtes Konzern-EBITDA von minus 70 bis minus 105 Millionen Euro vor.

Strategischer Verkauf an Sandoz zur Fokussierung

Ein wesentlicher strategischer Schritt ist der Verkauf der EU-Aktivitäten der Tochterfirma Just – Evotec Biologics (JEB) am Standort Toulouse an Sandoz. Der Vertrag wurde am 4. November nach Ende des Berichtszeitraums unterzeichnet.

Die Transaktion umfasst ein potenzielles Volumen von über 650 Millionen US-Dollar. Dazu gehört eine sofortige Barzahlung von rund 350 Millionen US-Dollar, was etwa 302 Millionen Euro entspricht.

Zusätzlich sind erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen sowie Umsatzbeteiligungen an einem Portfolio von bis zu zehn Biosimilar-Molekülen vorgesehen. Diese adressieren Originalpräparate mit kumulierten Netto-Umsätzen von mehr als 90 Milliarden US-Dollar. Sandoz will mit dem Zukauf interne Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten im Bereich Biosimilars ausbauen.

Evotecs CEO Dr. Christian Wojczewski betont, der Verkauf ermögliche eine stärkere Konzentration auf die JEB-Kompetenzen als skalierbarer Technologieanbieter. Dies führt zu einem weniger kapitalintensiven Geschäftsmodell. Der Konzern will sein Angebot schärfen und die Komplexität reduzieren.

Dieser Schritt erfolgt, während sich Evotec in einem Sanierungsprozess befindet. Das Unternehmen verzeichnet Umsatzrückgänge im Kerngeschäft und eine sinkende Nachfrage in der Auftragsforschung.

Herausforderungen im Kerngeschäft und Sparmaßnahmen

Im Segment Discovery und Preclinical Development (D&PD), dem Kerngeschäft der Wirkstoffforschung und -entwicklung, verzeichnete Evotec für die ersten neun Monate 2025 einen Umsatzrückgang um 12,3 Prozent auf 392,1 Millionen Euro. Als Gründe werden eine schwache Nachfrage im Markt für frühe Arzneimittelforschung sowie anhaltende Unterauslastung und hohe Fixkosten genannt. Das bereinigte Segment-EBITDA ist negativ.

Das Segment Just – Evotec Biologics (JEB) verzeichnete für 9M 2025 ein Umsatzplus von 11,3 Prozent auf 143,4 Millionen Euro. Dieses Wachstum trugen unter anderem Geschäfte außerhalb der Kooperationen mit Sandoz und dem US-Verteidigungsministerium. Anlaufkosten der JEB-Anlage in Toulouse belasteten das Ergebnis.

Im Juli 2026 senkte Evotec die Jahresziele für 2026 deutlich. Das Unternehmen begründete dies mit verzögerten Meilensteinzahlungen und später als geplant abgeschlossenen neuen Partnerschaften. Die ursprüngliche Umsatzprognose für 2026 lag bei 700 bis 780 Millionen Euro. Das bereinigte Konzern-EBITDA sollte ursprünglich zwischen minus 40 Millionen Euro und einem ausgeglichenen Ergebnis liegen.

Parallel treibt Evotec das Sparprogramm „Horizon" voran. Es soll ab Ende 2027 jährlich rund 75 Millionen Euro einsparen. Dafür soll die Zahl der Standorte von 14 auf zehn reduziert werden, und rund 800 Stellen sollen entfallen.

Die dafür anfallenden Barkosten beziffert Evotec mit rund 100 Millionen Euro, davon etwa die Hälfte im zweiten Halbjahr. Für 2025 liegen die Kosteneinsparungen über Plan. Sie sollen voraussichtlich zu einer Kostensenkung von insgesamt mehr als 60 Millionen Euro führen.

Ausblick und Marktreaktionen

Die Evotec-Aktie verzeichnete am 14. Oktober 2026 einen Anstieg um 6,73 Prozent auf 2,60 Euro nach Börsenschluss. Am Vortag war das Papier auf 2,406 Euro gefallen, den tiefsten Stand seit 13 Jahren.

Berenberg stuft die Aktie mit „Hold" und einem Kursziel von 3,60 Euro ein. BofA Global Research gibt ein „Underperform" mit einem Kursziel von 3 US-Dollar an. Der Analystenkonsens nennt ein durchschnittliches Kursziel von 8,8 Euro.

Die Neuausrichtung und der Verkauf der europäischen Biologika-Produktion an Sandoz sollen Evotec ermöglichen, den Fokus stärker auf strategische Partnerschaften und Technologieplattformen zu legen. Evotec strebt bis 2028 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des Konzernumsatzes von 8 bis 12 Prozent (für 2024 bis 2028) sowie eine bereinigte Konzern-EBITDA-Marge von mehr als 20 Prozent an. Investoren und Marktbeobachter warten nun auf die vollständigen Zahlen am 5.

November 2026, um die Auswirkungen der Maßnahmen auf die mittelfristigen Ziele zu beurteilen.