Der Unternehmensverkauf entpuppt sich für viele Gründer als psychologische Herausforderung. Rund 75 Prozent der Inhaber bereuen den Exit ihres Unternehmens innerhalb eines Jahres. Dieses Bedauern speist sich weniger aus finanziellen Aspekten, sondern resultiert primär aus dem Verlust von Identität, Gemeinschaft und der täglichen Aufgabe, die das Unternehmen bot.

Das psychologische Nachbeben des Exits

Während Unternehmer Monate oder gar Jahre in die finanzielle und operative Vorbereitung eines Verkaufs investieren, von der Optimierung der Finanzberichte über die Due Diligence bis zur Verhandlung der Kaufverträge, bereiten sich wenige auf das „Was jetzt?“ nach dem Closing vor. Nur 44 Prozent der Inhaber fühlen sich emotional ausreichend auf einen solchen Übergang vorbereitet. Die intensive Fokussierung auf den reinen Verkaufspreis überschattet dabei oft die emotionalen und strategischen Planungen, die für einen erfolgreichen Exit wichtig sind.

Experten wie Beat Wyss, Unternehmer und Scale-up-Coach, weisen darauf hin, dass fehlende Klarheit über die eigenen Erwartungen nach dem Verkauf maßgeblich zur Reue beiträgt. Gefühle von Trauer, Identitätsverlust und Unsicherheit nach einem Verkauf beschreiben Studien und Beiträge. Forbes und Morgan Stanley thematisieren dieses Phänomen als „post-exit void“ beziehungsweise in vergleichbaren Begriffen.

Sie verweisen darauf, dass viele Unternehmer ihren Sinn und ihre Identität eng mit dem aufgebauten Geschäft verknüpfen.

Mehr als nur der Verkaufspreis

Die Konzentration auf Bewertungsfaktoren lenkt oft von tieferliegenden emotionalen Komponenten ab. Bei SaaS-Transaktionen lag der Median des EV/Revenue-Multiplikators der letzten zehn Jahre bei dem 4,7-fachen des Umsatzes. Im Jahr 2024 wurden über 5.000 Software-M&A-Transaktionen registriert. Der Medianwert solcher Transaktionen lag 2024 bei über 15 Millionen US-Dollar.

Auch prominente Fälle zeigen die emotionale Komponente. Mark Cuban, ehemaliger Mehrheitseigner der Dallas Mavericks, äußerte Bedauern über eine Spielerentscheidung nach dem Verkauf, weil entsprechende Regelungen nicht vorab verhandelt worden waren.

Aventis Advisors, ein M&A-Berater für Software-Unternehmen, begleitete unter anderem den Verkauf von CKSource. Wiktor Walc, Präsident von CKSource, sagte, Aventis habe die „Schwerstarbeit übernommen“, sodass sich das Management-Team auf das operative Geschäft konzentrieren konnte. Solche Aussagen illustrieren, wie stark sich Gründer während des Prozesses auf operative und vertragliche Fragen fokussieren – die persönliche Dimension bleibt dabei häufig unbeleuchtet.

Strategische Vorbereitung auf das Danach

Ein erfolgreicher Exit erfordert, die emotionale Seite des Übergangs bereits vor Vertragsabschluss zu gestalten. Dazu gehört, die eigenen Vorstellungen von Erfolg zu definieren, Aspekte wie Unternehmenskultur und das Erbe des Geschäfts in Gespräche einzubringen und eine Vision für die Zeit nach dem Verkauf zu entwickeln. Unternehmen, die bereits vor dem Exit so aufgestellt sind, dass sie ohne die ständige Präsenz des CEOs funktionieren, erzielen laut Berichten oft zwei- bis dreifach höhere Verkaufssummen.

Manuel Hinz, Gründer von DailyDeal und Toroleo sowie Co-Founder von CrossEngage, spricht offen über die oft unrealistischen Erwartungen an millionenschwere Exits und die damit verbundenen Herausforderungen. Seine Erfahrungen zeigen, dass die Realität eines Verkaufs häufig von idealisierten Vorstellungen abweicht.

Ausblick: Ein Paradigmenwechsel in der Exit-Planung

Die Erkenntnisse über das verbreitete Bedauern nach einem Unternehmensverkauf legen nahe, die Exit-Planung ganzheitlicher zu denken. Das Exit Planning Institute betont die Bedeutung einer umfassenden Vorbereitung, die neben finanziellen und rechtlichen auch psychologische und strategische Aspekte umfasst. Es bleibt offen, wie schnell sich diese Perspektiven in der Praxis durchsetzen und ob der Anteil derjenigen, die ihren Exit bereuen, in den kommenden Jahren sinkt.